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Hans-Peter Repnik zieht Bilanz aus 40 Jahren politischer Arbeit / Viel Nachdenklichkeit

25 Jahre hat Hans-Peter Repnik den Wahlkreis Konstanz in Bonn und Berlin vertreten. Als ihn die CDU 1980 in einer Kampfabstimmung mit dem amtierenden Mandatsträger Hermann Biechele nominierte, wollte man einen dynamischen Vertreter, nur keinen Hinterbänkler. Diesen Wunsch der Basis hat Repnik erfüllt, auch wenn er auf dem internationalen Parkett manchem auch zu weit von daheim wiederum weg war. Sein Herz schlug für die Länder der Dritten Welt. In Schlaglichtern zieht er selbst im nachfolgenden Interview mit Hans Paul Lichtwald eine Bilanz seines jetzt 60-jährigen Lebens.


Die Generalsekretärin und der erste parlamentarische Geschäftsführer unter sich. swb-Bild: privat

Wie sind Sie vor 40 Jahren zur Politik gekommen?
Nach der Bundeswehr begann ich mein Studium im Sommersemester 1969. Da erlebte ich die Situation an der Universität mit Studentenunruhen, hitzigen Diskussionen und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Das hat mich, der ich immer schon politisch interessiert war, zur Politik gebracht. So bin ich in die Junge Union und die CDU gegangen. Das war beim Rückblick auf mein Leben ein zentrales Datum, weil es mein berufliches Leben auch maßgeblich beeinflusst hat. Ich wollte Anwalt werden. Doch dann hat mein Weg in die Politik geführt.

Sie waren Vorsitzender der Jungen Union Südbaden gewesen und hatten 1976 schon einmal die Fühler nach einem Mandat ausgestreckt . . .
. . . dann kam eben die Bundestagswahl 1980 und meine Kandidatur für den Kreis Konstanz.

Was würden Sie als zentrale Punkte in ihrem weiteren politischen Wirken ansehen?
Das war zwar nicht unbedingt das Datum als solches aber ein Schlüsselerlebnis, die Konferenz von Rio 1992. Ich habe die ja maßgeblich mit vorbereitet. Ich spreche immer von einem Prozess, denn wir haben ja schon zwei Jahre vorher weltweit intensiv verhandelt. Ich war allein dreimal in Tokio, um die Japaner mit ins Boot zu holen. Umweltminister Klaus Töpfer war der Leiter der deutschen Delegation, ich sein Stellvertreter und für die Entwickungsländer und die dortigen Klimaprobleme verantwortlich. Angela Merkel war damals in Rio auch schon maßgeblich dabei. Das war schon eine spannende Zeit und hat auch mein künftiges Denken und Handeln maßgeblich geprägt. So ist das Wort „Nachhaltigkeit“, das heute in aller Munde ist, damals geprägt worden.

Was verbinden Sie damit?
Für mich ist dort klar geworden, dass nachhaltig handeln nicht nur die Umwelt betrifft, sondern das ganze Leben sollte nachhaltig sein bis hin zu den Finanzen. Das hat mich schon geprägt, Nachhaltigkeit eben auch in Hinsicht auf das Generationendenken.

Es gibt aber auch den privaten Menschen Hans-Peter Repnik, was hat den über die Jahre hinweg geprägt?
Da ich ja doch ein im familiären Denken verhafteter Mensch bin, spüre ich immer stärker mit den Jahren, was für ein wichtiger Wert das für mich ist. Fixpunkte in meinem Leben sind die Geburt unserer Kinder und der drei Enkel. Das ist schon bewegend und eine große Erfüllung, die mich mit Dankbarkeit erfüllt.

Zurück in die Politik: Es muss ja kein Blick zurück im Zorn sein. Doch was hat der Mensch Hans-Peter Repnik hier wirklich bewegt? Hier im Kreis wahrscheinlich mehr als auf der großen politischen Bühne?
Was mich wirklich mit Genugtuung erfüllt hat ist, dass man über all die Jahre hinweg – weitgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet – als Abgeordneter in einer Vielzahl von Fällen Menschen in Not ganz konkret helfen konnte. Das Thema kommt auch in den Medien zu kurz und führt wohl auch dazu, dass sich Politikverdrossenheit immer mehr breit macht. Tausende von Petitionen gehen im Laufe eines Politikerlebens über den Schreibtisch. da es sich um ganz persönliche Dinge handelt, muss man natürlich diskret bleiben.

Und auf den Wahlkreis öffentlich bezogen?
Natürlich gab es ein herausragendes Projekt, die Verlängerung der Autobahn von Wirkens für dieses Thema mit Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg einen kongenialen Partner hatte. Eine Reihe von zukunftsweisenden Strukturentscheidungen konnte mit meinem Zutun auf den Weg gebracht werden, so dass ich mit meiner Bilanz durchaus zufrieden bin.

In Ihrer Zeit als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag hätte es in den 90er Jahren fast schon eine wirksame Steuerreform gegeben, die zudem eng mit Ihnen verbunden gewesen wäre. Aber sie scheiterte letztlich am politischen Kalkül von Oscar Lafontaine. Welche Erfahrungen und Schlüsse haben Sie daraus gezogen?
Ich habe erlebt, wie außerordentlich schwierig es ist, in einem Land, das sich voller Besitzstandsdenken befindet, Reformen durchzusetzen. Das Beharrensvermögen derer, die auch immer etwas haben, ist außerordentlich stark.

Was hat Sie bewegt, als sie nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 Erster parlamentarischer Fraktionsgeschäftsführer geworden waren?
Alles, was bisher im Kanzleramt angesiedelt war, musste neu organisiert werden. Da kam die Frage hoch, ob es uns so gehen würde wie anderen konservativen Parteien in Europa, die nach dem Machtverlust bis zur Bedeutungslosigkeit hin abgerutscht waren. Oder könnten wir diese demokratische Kraft in Deutschland zusammenhalten, dass sie wieder aussichtsreich in eine neue Wahlauseinandersetzung gehen könne. Wolfgang Schäuble, Angela Merkel, die damals Generalsekretärin der CDU war, und wir haben da einiges hingekriegt, auf das ich heute noch stolz bin.

Hans Paul Lichtwald