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 Der 12.10.1992 änderte alles

Fragt man Hans-Peter Repnik nach zentralen Daten seines Lebens, dann kommen gleichzeitig mit den ganz persönlichen Augenblicken des Lebens drei Zahlen:

12. 10. 1990! Das war der Tag des Attentats auf Wolfgang Schäuble. Schäuble und Repnik waren seit den gemeinsamen Tagen in der Jungen Union Südbaden genau das, was es in der Politik sonst kaum gibt: richtige Freunde. In Bonn joggten sie fast jeden Morgen ganz in der Frühe miteinander. Nicht nur das war nun unmöglich. Repnik schweigt oft mehr als er spricht. In der Politik war er jemand, der bewegen wollte, ohne unbedingt in der ersten Reihe stehen zu müssen. Das bekennt er auch im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.

Dass der Anschlag auf seinen Freund Wolfgang Schäuble ihn ins Herz getroffen hat, ist immer klar gewesen. Jetzt fügte Repnik einen Satz hinzu: „. . . das alles hatte eben auch eine politische Dimension!“ Für Repnik war Schäuble immer der Mann gewesen, der nach Kohl Kanzler werden würde. Schäuble konnte nun nicht mehr Kanzler werden, Repnik nicht mehr dessen Mann in der Schaltzentrale. Das sagt Repnik zwar nicht, schließlich ist er ein Mann der Diskretion. Ein Kanzler im Rollstuhl? Darüber spricht Repnik nicht. Die Behinderten- Karte ist aber wohl zu oft schon mit verletzender Absicht im politischen Machtkampf gezogen worden.

1980 wurde Repnik Abgeordneter für den Wahlkreis Konstanz. 1992 zur Zeit der Konferenz von Rio war er als Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium für viele der Hoffnungsträger. Umwelt und Armut wurde sein Thema. Dann kam die Wahlniederlage der CDU im Jahr 2002. Innerfamiliär habe man schnell entschieden, das Mandat zu beenden. Doch das musste noch vier Jahre dauern. Wieder steckte Repnik kräftig ein: Der „grüne Punkt“ brachte ihm und dem Abfallsystem in Deutschland zwar Erfolg, doch auf ihn als „gelbem Sack“ prügelten die Medien ein. Dass Politik nicht alles ist, hat Repnik vielleicht schon seit 1990 erkannt. Ohne Ämter will der 60- jährige nun sein Leben wirklich genießen können: Sonntage im Kreis der Familie waren letztlich 40 Jahre lang Mangelware. Jetzt könne er diese herrliche Landschaft im Hegau und am See das erste Mal in seinem Leben wirklich genießen.

Hans Paul Lichtwald