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Interview mit Kurdirektor Klaus Gretzinger über die Zukunft der Mettnau-Kur

Die Mettnau-Kur befindet sich im 50. Jahr ihres Bestehens - und ist damit fast zehn Jahre älter als das WOCHENBLATT. Eines haben beide Einrichtungen gemeinsam: Am Anfang stand eine gute und vor allem neue Idee - und Menschen, die etwas bewegen wollten und die Idee in die Tat umsetzten. Genau wie das Verlagswesen ist auch das Gesundheitswesen ständigem Wandel unterworfen. Die Mettnau-Kur hat im Laufe der Zeit schon viele Hürden genommen - mit Erfolg. Wie diese Erfolgsgeschichte auch angesichts der neuen Herausforderungen im Gesundheitswesen weitergehen soll, darüber sprach das WOCHENBLATT mit Kurdirektor Klaus Gretzinger:


Klaus Gretzinger (63 Jahre) ist seit
dem Frühjahr 2003 Kurdirektor der
Mettnau-Kur. Davor war Gretzinger
16 Jahre Leiter der Städtischen
Kurbetriebe in Bad Waldsee.
swb-Bild: Archiv (aj)

Wochenblatt: Gesundheits reformen gab es in der Vergangenheit schon einige. Hatten diese Auswirkungen auf das Kurwesen und die Mettnau-Kur? Wenn ja, welche. Wie hat die Geschäftsführung der Kur darauf reagiert? Mit welchem Konzept wurde überlebt, als beispielsweise unter Ex-Gesundheitsminister Seehofer die Kuren weniger bezuschusst und die Kurzeiten gekürzt wurden. Welche Auswirkungen hat die aktuelle Gesundheitsreform auf die Mettnau-Kur?
Klaus Gretzinger:
In den letzten 25 Jahren gab es vier Gesundheitsreformen - und zwar 1983, 1989, 1996/1997 und jetzt in 2006. Die Reformen haben jedes Mal auch Auswirkungen auf das Kurwesen gehabt und letztlich auch die Mettnau- Kur betroffen. Besonders die Reform 1996/1997 brachte einen Belegungseinbruch. Er war allerdings nicht so gravierend wie in vielen anderen Einrichtungen, von denen einige auch schließen mussten. Damals waren besonders einschneidende Maßnahmen die Verlängerung des Kurturnus von 3 auf 4 Jahre und die Verkürzung der Regeldauer einer Reha von 4 auf 3 Wochen.

Als Auswirkung der jetzigen Gesundheitsreform ist vor allem die verstärkte Umsetzung der Regel »ambulant vor stationär « und die Maßgabe zur Durchführung von Rehamaßnahmen wohnortnah als nachteilig für die stationären Einrichtungen zu werten. Insbesondere die Krankenkassen haben in den letzten drei Jahren die Ausgaben für die Rehabilitation und für Kuren immer weiter zurückgefahren und ganz überwiegend ihre eigenen Kliniken belegt, was natürlich zu einem Rückgang der Belegung der sogenannten Vertragshäuser, zu denen auch die Mettnau gehört, führt. Im Bereich der ambulanten Badekuren (d.h. der Kurgast sucht sich den Ort und die Unterkunft selbst aus und bekommt zum Aufenthalt einen Zuschuss und die Anwendungen werden zu 85 Prozent von der Krankenkasse bezahlt) ist der Einbruch besonders stark ausgefallen. Von einst rund 800.000 ambulanten bewilligten Badekuren bundesweit ging die Zahl der Badekuren auf ca. 150.000 zurück (mit fallender Tendenz). Diese Form der Kur hat allerdings auf der Mettnau nie eine besonders große Rolle gespielt, also traf auch der Rückgang die Mettnau kaum.

Auf die Rückgänge der Zuweisungen durch die Sozialversicherung reagierte die Mettnau schon lange mit der Verstärkung der Bemühungen um Privatgäste. Dazu wurden verschiedene spezielle Programme entwickelt und auf den Markt gebracht. Diese Bemühungen waren erfolgreich und so beträgt der Anteil der Selbstzahler auf der Mettnau mehr als 50 Prozent der Gäste. Außerdem sind von den Selbstzahlern rund 60 Prozent Wiederholer, die zu einem großen Teil jedes Jahr auf die Mettnau kommen, um mit ihrem eigenen Geld etwas für ihre eigene Gesundheit zu tun.

Wochenblatt: Worin sehen Sie die Herausforderungen der Zukunft? Wie wollen Sie die Zukunft der Mettnau-Kur gestalten, um diese auch weiterhin auf dem Gesundheitsmarkt überlebensfähig zu halten?
Klaus Gretzinger:
Neben der Belegung durch die Sozialversicherung (Rentenversicherung und Krankenkassen) sind die Bemühungen um Privatgäste weiter zu verstärken und zwar im In- und Ausland. Mit der Schweiz laufen im Bereich Anschlussheilbehandlungen vorbereitende Vertragsverhandlungen. Ein weiteres Standbein werden Firmenprogramme sein. Auf diesem Sektor ist die Mettnau schon seit Jahren tätig und dieses Segment soll weiter ausgebaut werden. Ganz wichtig für das Gewinnen der Zukunft ist aber ständiges Anpassen und Verbessern der Infrastruktur. Hier vor allem auch baulich. Entsprechende Überlegungen sind bereits in Vorbereitung.

Die Mettnau wird bisher von den Gästen bereits wegen der hohen Qualität gelobt. Durch die Einführung eines Qualitätsmanagements und mit entsprechender Zertifizierung soll die Qualität noch mehr verbessert werden. Letztlich aber gilt heute mehr denn je, dass nur das Unternehmen erfolgreich bleiben wird, das den Wünschen seiner Kunden möglichst umfassend nachkommt.

Das Interview führte Andrea Jagode