Porträt:
Andreas Kämpf und die Geschichte der GEMS
Die
Singener GEMS, früher in Arlen zuhause, ist eine feste Institution
in der Stadt und der Region. Was heute nur noch wenige wissen,
ist, dass die GEMS ihren Anfang im hessischen Marburg nahm. Dort
traf sich Ende der 1970er eine Reihe von Studenten, die in Arlen
das Projekt GEMS starteten. Andreas Kämpf, der heute als
letztes Gründungsmitglied immer noch mit der GEMS verbunden
ist und die Instituiton mit leitet, war einer der Gründer.
Die Arlener GEMS war ein soziales Experiment, der Versuch, das
Leben mehrerer Menschen zusammen zu bringen. Man wollte neue Formen
des Zusammenlebens entwickeln. Leben und Arbeiten lautete die
Maxime. Für Publikum wurden neue Formen der Kultur präsentiert.
»Es gab keine Zugangshemmungen « erzählt Andreas
Kämpf.

Der
Kopf der Gems, Andreas Kämpf. swb-Bild: frö
Dabei
kann man getrost von einer 78er Generation sprechen. In dieser
Zeit entstand auch die taz oder andere Projekte. Die Bioladen-Bewegung
fällt in diese Zeit. Als Experiment ist das Ganze aus heutiger
Sicht durchaus zu sehen, viel Konstruktives nahm seinen Anfang.»Keiner
in der Region hatte die Vorstellung, was ein Kulturzentrum ist«
erinnert sich Andreas Kämpf.
Der
Begriff der Soziokultur war entstanden. Die GEMS hatte eine Verbindung
von Leben und Arbeiten zum Ziel. Arbeiten und am selben Ort leben
war damals die Ausnahme. Soziokultur kam über die kulturpolitische
Debatte zustande. Der Begriff wurde erstmals in der UNESCO verwendet,
verstanden in Deutschland als eine dicht am Menschen dran seiende
Kultur. In Frankreich wird der Begriff als Sozialarbeit mit den
Mitteln der Kultur verstanden.
1989
im September hat die GEMS ihr neues Domizil in Singen gefunden.
Spätestens seit dem Zeitpunkt ist die GEMS zu einer unverzichtbaren
kulturellen Instituion in der Region geworden.
»Viele
unserer Motive von den Anfängen sind stehen geblieben«,
sagt Andreas Kämpf. Auch wenn heute in der GEMS die Mitarbeiter
die Anfänge noch gar nicht erlebt haben.
»Das
soziale Projekt, die Utopie, die sind weggebrochen«.
Heute
ist die GEMS ein Betrieb mit Arbeitsteilung, immer noch mit flachen
Hirarchien, Entscheidungen werden in aller Regel gemeinsam getroffen.
Die einzelnen Leute haben in ihrem Bereich die größte
Entscheidungsfreiheit. Jeder wird respektiert. Mit der Gaststätte
sind fest 10 Personen in der GEMS engagiert. »Die GEMS ist
ein Ort, an dem man sich qualifizieren kann. Wir machen das kulturelle
Jahr, in der Küche einen Lehrling, regelmäßig
arbeiten 1 Euro-Jobber in der GEMS. Das wäre früher
nicht möglich gewesen«.
Immer
noch ist der Anspruch vorhanden, Kunst und Leben zusammen zu bringen.
Das war von Anfang an gegeben und ist bis heute so geblieben.
Gerade der Bereich, in dem die GEMS künstlerisch tätig
ist, ist mittlerweile anerkannt. Namen wie Georg Schramm oder
Urban Priol gehören zu den arrivierten Künstlern, die
in der GEMS aufgetreten sind. »Doch die waren schon in den
1980ern in der GEMS, als sie noch unbekannt waren. In dieser Hinsicht
war die GEMS immer Vorreiter.
Viele junge Kabarettisten finden in der GEMS ihr erstes Publikum,
insofern fungiert das Zentrum auch als Podium für den Nachwuchs.
»Dieser Bereich ist wichtig für uns«, so Kämpf.
Die
GEMS hat immer noch das Prinzip der Qualität. Kämpf
versucht immer den goldenen Weg zu gehen. Es müssen das Programm,
aber auch die Besucherzahlen stimmen. »Bei der Frage zwischen
Kunst und Kommerz wird immer nach der Qualität entschieden.
Wir haben noch keine Veranstaltung gemacht, nur um unser Haus
voll zu bekommen. Grenzdiskussionen gibt es immer«. Ein
weiterer Bereich ist der der kulturellen Bildung. Es existieren
zwei Theatergruppen im Haus. Es gibt Jazz-Sessions, Kino und vieles
andere mehr. In dieser Hinsicht hat die GEMS einen wichtigen Anspruch
umsetzen können. Und die Entwicklung geht weiter, Stillstand
ist für die Verantwortlichen ein Fremdwort.
Johannes
Fröhlich
|