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Porträt: über die Rock'n'Roll Formation "Ghostriders"

Die »Ghostriders« haben in der Region ein Stück Musikgeschichte geschrieben. Seit bald nun 50 Jahren steht die Band um den Gitaristen Michael Schwendemann ganz im Zeichen des Rock ‘n Roll. Das Wochenblatt sprach mit dem Bandleader über Rock und Rebellion.


Die Ghostriders im Jahr 1961. Von links Karl-Heinz Bittel, Heinz Grimme,
Michael Schwendemann, oben Karl Blaser. swb-Bild: Ghostriders

Wochenblatt: Herr Schwendemann, wie haben die Ghostriders den Geist von 68 geatmet?
Michael Schwendemann: Damals war bereits unsere erste Phase vorbei. Wir waren durch das Studium in unterschiedliche Richtungen verstreut. Ich war damals in Stuttgart, 1968 habe ich dort an meinem ersten und letzten Protestmarsch teilgenommen. Das war die Zeit der Notstandsgesetze. Es war eine Aufbruchstimmung gerade in der Musik und es war die Zeit der sexuellen Befreiung. Die damalige Studentenbewegung mit Dutschke und Teufel hatte aber nichts mit der späteren RAF zu tun.

Wochenblatt: Was hattet Ihr für musikalische Vorbilder?
Schwendemann: Kommend vom Rock’n’ Roll Bereich waren es die Rockabilly Stars. Wir hatten die über Radio Luxemburg kennen gelernt. Vorneweg natürlich Elvis, die Beach Boys, die Beatles, die Kinks, die Searchers. Auf der Schule waren die Stones- Fans die etwas Härteren, Verwegenen. Wir waren nette und saubere Jungs. Doch ich hatte von einer Amerikanerin eine Stones LP bekommen, Songs wie »Rout 66« oder »King be« kannte kaum jemand. Wir sind zur gleichen Zeit gestartet wie die Beatles.

Wochenblatt: Hattet Ihr einen professionellen Anspruch?
Schwendemann: So wie es damals 15- 16-jährige haben konnten. Ich wollte schon immer als Motor der Ghostriders professioneller sein als andere. Alles sauber und perfekt spielen....

Wochenblatt: Spieltet Ihr auch eigene Stücke?
Schwendemann: Das war gar nicht nötig, denn es gab so viel unbekanntes Songmaterial, das man covern konnte. Unbekannte Titel waren Ghostriders Titel.

Wochenblatt: Was hat Musik damals für Sie bedeutet?
Schwendemann: Damals war das neben der Schule, dem Ministrantentum und den Pfadfindern unsere Welt, um die sich alles gedreht hat. Es war spannend, aufregend.

Wochenblatt: Wart Ihr so etwas wie Rebellen?
Schwendemann: Im kleinen Rahmen ja. Wir waren Rock’n’ Roller, aber keine Halbstarken.

Wochenblatt: Wie kam das bei der Schulleitung an damals?
Schwendemann: Wir waren akzeptiert, auch wenn es Fragen gab, etwa wegen der etwas längeren Haare. Wir waren stark auf Parties vertreten. Mädchen spielten immer eine Rolle. Der Rektor hat uns gefragt, wo wir beim Tanzen unsere Hände hatten. Die schulischen Leistungen waren o.K.

Wochenblatt: Hattet Ihr immer Kontakt über die Jahre?
Schwendemann:
Ja, wir haben immer zusammen gespielt. Von 1961/62 bis 1967 waren wir sehr aktiv, bis 1987 nur sporadisch, seither wieder mehr. Ich habe auch bei anderen Bands gespielt. Aber die Ghostriders existierten immer. Ich kam 1984 beruflich wieder in die Gegend, seither spielen wir wieder mehr zusammen.

Wochenblatt: Habt Ihr alle nicht-musikalische Berufe ergriffen?
Schwendemann:
Mehr oder weniger ja. Peter Meier, der Schlagzeuger, ist Musiklehrer geworden.

Wochenblatt: Hattet Ihr jemals einen politischen Anspruch?
Schwendemann:
Die Rebellion kam über die Studentenbewegung, musikalisch gab es wohl keine. Wir waren sozial engagiert, aber vernünftig. Wir hatten auch Beziehungen zur Kirche, das war durchaus fruchtbar. Mein erster Gitarrist ist Pfarrer geworden.

Wochenblatt: Wie haben Sie Schule erlebt, unabhängig von der Musik?
Schwendemann:
Ich bin gerne in der Schule gewesen und ich hatte Respekt. Die Beziehungen nach Frankreich, das passte zu uns Ghostriders. Wir waren die Schulband. Die ersten Auftritte waren im Musiksaal. Ich konnte den Spaß an der Schule auch an meine vier Kinder weitergeben.

Wochenblatt: Übt Ihr noch zusammen?
Schwendemann:
Wir haben im Jahr um ein Dutzend Auftritte. Wir verstehen uns immer weniger als Tanzband, wir machen mehr Rock’n’ Roll. Auch zu zweit und zu dritt. Unsere Fans sind zwischen 18 und 80. Wir wollen unseren Musikstil auch bewahren bis ins hohe Alter.

Johannes Fröhlich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Michael Schwendemann