Porträt:
Franz Ziwey, Bürgermeister a.D. von Stockach
Zwei
Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen des WOCHENBLATTs wurde Franz
Ziwey Bürgermeister von Stockach. Er blieb es bis 1993. 24
Jahre, in denen sich in der Kommunalpolitik viel veränderte.
Frage:
Der Kreis Stockach wurde 1972 aufgelöst.
Zu Recht?
Franz Ziwey: Ja. Im Kreis Stockach lebten damals rund
53.000 Menschen. Die Ausdehnung reichte von Steißlingen
bis Stetten am Kalten Markt. Stockach war mit rund 6.500 Einwohnern
die kleinste Kreisstadt in Baden-Württemberg. Für eine
leistungsstarke Kreisverwaltung war das zu klein. Der Gemeinderat
der Stadt Stockach dachte anfangs an einen gemeinsamen Landkreis
mit Überlingen. Das hat nicht geklappt. Die Landesregierung
sah für den Verwaltungsraum Stockach die Zuordnung zum Landkreis
Konstanz vor. Durch die Kreisreform verlor Stockach die Kreisverwaltung
und nachfolgend auch das Schulamt, das Finanzamt und das Gesundheitsamt,
und damit viele Arbeitsplätze in der Verwaltung. Stockach
hat aber auch einiges gewonnen. Hohenfels mit seinen fünf
Ortsteilen kam zur Raumschaft Stockach. Der gesamte Verwaltungsraum
Stockach erhielt einen abgerundeten Zuschnitt und wurde geschlossen
in den Landkreis Konstanz eingegliedert. Wir waren im Landkreis
Konstanz sehr willkommen und haben uns im Kreistag rasch vernehmbar
gemacht. Stockach konnte den Verlust des Status als Kreisstadt
ausgleichen und durch die Bildung der Verwaltungsgemeinschaft
mit den fünf neu gebildeten Umlandgemeinden auch zusätzlich
die Aufgaben einer Unteren Verwaltungsbehörde erhalten. Damit
konnten weiterhin bestimmte öffentliche Aufgaben vor Ort
erledigt werden, wie etwa Baurechtsbehörde und Straßenverkehrsbehörde.
Frage:
Verliefen die Eingemeindungen der zehn Stockacher
Teilorte harmonisch?
Franz Ziwey: Ja, denn es wurden faire Eingemeindungsverträge
geschlossen, mit der Zusicherung der Beibehaltung bestimmter Einrichtungen
vor Ort und notwendiger Investitionen in die Zukunft, die die
Aufgabe der Selbständigkeit erleichterten. Die zehn Stadtteile
basieren aber auf nur neun Eingemeindungen, denn Mahlspüren
im Tal und Seelfingen waren schon vor Jahrzehnten zusammen geschlossen
worden. Die erste Eingemeindung machte die Stadt 1971 mit Hindelwangen,
und mit Wahlwies wurde 1975 der letzte Eingemeindungsvertrag geschlossen.
Die Gemeindereform gereichte allen zum Vorteil, der Stadt und
den Stadtteilen, welche bestimmte Einrichtungen sich hätten
nicht leisten können. Die so größer gewordene
Stadt Stockach konnte und kann die Infrastruktur für die
Daseinsvorsorge unserer Bevölkerung so besser erfüllen.
Frage:
Eine dieser Einrichtungen ist das Krankenhaus
Stockach. Kann sich die kleine Klinik mit nur 70 Betten auf Dauer
halten?
Franz Ziwey: Ja. Stockach und Meßkirch hatten ihre
Krankenhäuser kurz vor der Kreisreform an den Landkreis Stockach
abgegeben. Als Kreiskrankenhäuser, so dachten wir damals,
hätten diese eher eine Bestandssicherung. Wir Stockacher
haben aber bald erkannt, der Landkreis Konstanz, als Rechtsnachfolger
vom Altkreis Stockach, hat wenig Interesse an einem einzigen Kreiskrankenhaus
in Stockach. Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, das Krankenhaus
wieder in die Trägerschaft der Stadt zurück zu nehmen.
Als Gegenleistung konnte die Stadt sehr günstig das neu erbaute
Landratsamtsgebäude vom Landkreis Konstanz erwerben. Wir
konnten uns viel stärker und zielstrebiger für die Erhaltung
einer Krankenanstalt in unserer Stadt einsetzen, und das geschieht
auch noch heute so. Damals wie heute müssen und sollten sich
alle Mandatsträger, und die Bürger der gesamten Raumschaft
Stockach, für den Fortbestand des Krankenhauses in Stockach
einsetzen. Wir brauchen ein Krankenhaus der Akut-Versorgung rund
um die Uhr. Denken wir nur an die Notfälle und Unfälle
in Betrieben, im Haushalt, im Straßenverkehr, dann erkennen
wir, wie wichtig ein Krankenhaus vor Ort ist. Auch die stationäre
Behandlung bringt Vorteile, wenn Patienten wohnortnah und in vertrauter
Umgebung versorgt werden können, auch für die Angehörigen
selbst. Unser Krankenhaus hat sein Leistungsspektrum stark erweitert
und ist in seiner ärztlichen und pflegerischen Versorgung
gut. Die Stadt unterhält viele notwendige Einrichtungen als
Zuschussbetrieb. Die Gesundheitsfürsorge muss uns doch mindestens
genau so wichtig sein. Deshalb finde ich es für gut und richtig,
wenn die Stadt finanzielle Zuschüsse zur Abdeckung von Fehlbeträgen
gewährt. Wir alle dürfen doch darüber erfreut sein,
dass Herr Bürgermeister Stolz und der Gemeinderat der Stadt
Stockach alles denkbar Mögliche unternehmen, den Akut-Status
des Krankenhauses zu sichern. Ich würde mich freuen, wenn
noch mehr Mitbürger Mitglieder des Krankenhausfördervereines
werden würden. Dabei geht es nicht allein um Finanzmittel,
sondern auch um das Bekenntnis zum Krankenhaus an sich.
Die
Fragen stellte Simone Weiß
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War
24 Jahre lang Bürgermeister von Stockach: Franz Ziwey. swb-Bild:
Weiß
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