Porträt:
Friedbert Lang
Lohnt
sich dieses ständige Hinterherhecheln hinter der Reform?
Das demotiviert das Personal in den Krankenhäusern, sagt
Friedbert Lang, der Geschäftsführer des HBH-Kliniken-Verbunds.
Zu groß sei dieser Verbund nicht geraten, sagt er. Nein,
diese Größenordnung erlaube es, die Probleme zu durchstehen.
Diese Größe brauche man, um die Selbständigkeit
zu erhalten. Ambulant statt stationär werde in Singen seit
vielen Jahren bisher bestens praktiziert. Mit den Großgeräten
der Radiologie habe Singen 1991 den richtigen Weg beschritten,
1994 sei der Linksherzkathetermessplatz hinzugekommen. Das gegenseitige
Vertrauen zwischen stationär und ambulant müsste wachsen.
Die medizinischen Versorgungszentren müssten noch diskutiert
werden. Aber das sei nicht das Ende der niedergelassenen Ärzte,
wie immer wieder befürchtet werde. Die Fragen stellte Hans
Paul Lichtwald.

Friedbert
Lang. swb-Bild: privat
Frage:
Wie sind Sie ab den späten 70er Jahren
ins Krankenhauswesen hineingekommen und wie haben Sie diese Zeit
erlebt?
Friedbert Lang: Das waren Jahres des Umbruchs. 1972 war
das Krankenhaus-finanzierungsgesetz verabschiedet worden. Da mussten
die Krankenhäuser die kaufmännische Buchführung
einführen. 1980 kam dann die Kostenrechnung als Pflicht dazu.
Ich kam also in einer Zeit ins Krankenhaus, in der wirtschaftliche
Abläufe neu installiert wurden. Diese Mischung aus gemeinnütziger
Tätigkeit und Häusern, die wirtschaftlich geführt
werden müssen, hat mich interessiert. Dafür wollte ich
mich einsetzen. Dass man damals gestalten konnte, hatte unheimlich
Spaß gemacht. Das war die Zeit der Ablösung des alten
Rathaus zu betriebs-wirtschaftlicher Struktur. Für einen
jungen Studenten war dies eine großartige Zeit, auszuprobieren,
was uns an der Uni gelehrt wurde.
Frage:
Wie haben Sie Singen dann 1992 angetroffen,
wo die Diskussionen ja über die Betriebsform schon länger
liefen?
Lang: Ich hatte ja schon zwölf Jahre Krankenhaus
hinter mir, als ich nach Singen kam. Das war eine reizvolle Aufgabe,
den strukturellen Wandel an einer mittelgroßen Klinik mit
damals 550 Betten durchführen zu können. Singen hatte
die Aufgabe der Umwandlung in einer Zeit ausgeschrieben, als praktisch
alle Krankenhäuser noch als städtische Regiebetriebe
geführt worden sind. Ich habe meine Vorstellungsgespräche
hier geführt, Helmut Graf vom Förderverein kennengelernt
und gespürt, dass Singen ein offenes Ohr für Neuerungen
hat. Die Entscheidungsträger waren nicht nur für Neuerungen
offen – sie wollten es auch tun!
Frage:
Hat sich diese Einschätzung dann auch
in der Praxis bestätigt?
Lang: Wie sich gezeigt hat, war diese Einschätzung
kein Trugschluss und das Feld in Singen war reif für Veränderungen.
Auch für mich war das ein Glücksfall, die Anzeige damals
gesehen zu haben.
Frage:
Das war natürlich auch der Zeitpunkt,
als es darum ging, kompletter Neubau oder Sanierung in Abschnitten.
Klappt die Finanzierung für einen kompletten Neubau oder
nicht? Das war dann wohl die Phase, in der Möhrle das Richtige
gemacht hat. Also den Neubau nicht zu riskieren, obwohl der nicht
teurer geworden wäre als das, was alles inzwischen gemacht
wurde.
Lang: Daran kann ich mich noch gut erinnern. Beim Aktenstudium
habe ich einen Wirtschaftsplan vorgefunden, bei dem der Neubau
mit 300 Millionen Mark veranschlagt war. Der nachfolgende Umbau
der Altbausubstanz war dabei noch nicht beinhaltet. Also wer zahlt
das? Die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt waren damals schon rückläufig.
Und die Zusagen des Landes waren auch nicht da. Wir hatten zwar
dann baureife Pläne, aber keine Finanzierung. Dann haben
wir halt damals die Reißleine gezogen. Wir brauchen Alternativen.
Die strategische Entscheidung war, erst die Krankenzimmer anzugehen
und die Naßzellen zu modernisieren. Und dann die technisch
aufwendigen Arbeiten angehen. Krankenhäuser leben halt von
Technik. Aber was nützen uns die Ausstattungen, wenn der
Patient in Sechsbettzimmern liegt oder gar nicht mehr nach Singen
kommt.
Frage:
Wie ging es dann in den Schritten weiter?
Lang: Wir haben das Personalwohnheim umgebaut und hatten
auf einen Schlag 120 neue Krankenzimmer. Das war ein großer
Befreiungsschlag. Dann kamen das blaue Haus und der Altbau. Erst
nach dem Jahr 2000 haben wir dann den Funktionstrakt angepackt.
Das war alles richtig, denn heute haben wir die hochmodernste
Technik unseren Patienten zu bieten.
Frage:
Andreas Renner hat einmal gesagt, 2007 sei
das Jahr der Wahrheit, dann müsse das Krankenhaus von den
roten Zahlen in die schwarzen Zahlen gelangen. Das ist aber nicht
der Fall.
Lang: Das war eigentlich unsere Planung für 2007.
Wir waren da genau auf dem richtigen Weg, bis der Gesetzgeber
im letzen Jahr der Meinung war, das Gesundheitswesen müsse
noch weiter sparen. Da sind auch wir auf die Straße gegangen
und haben darauf hingewiesen, dass das Sparen ein Ende haben muss.
Zum 1. 4. 2007 kamen die Reformen, die Ärztestreiks kamen
im letzten Jahr hinzu. Die Prozesse müssen neu definiert
werden. Gehofft haben wir eigentlich, ab 2007 mit einer stabilen
Gesetzeslage einmal fünf Jahre in Ruhe arbeiten zu können.
Hans
Paul Lichtwald
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