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 Pendler zwischen den Landkreisen

Porträt: Hans Veit, Bürgermeister von Hohenfels

Erst württembergisch, dann badisch. Die Gemeinde Hohenfels bei Stockach ist eine Pendlerin zwischen den beiden Landesteilen. Ein Interview über Zusammenschlüsse, Zusammengehen und Zusammenwachsen mit Bürgermeister Hans Veit.


Der Übergang der Gemeinde Hohenfels vom württembergischen Sigmaringen zum
badischen Landkreis Konstanz ging laut Bürgermeister Hans Veit problemlos über
die Bühne. swb-Bild: Weiß

Frage: Die Gemeinde Hohenfels hat im Zuge der Kreisreform die Seiten gewechselt.
Hans Veit:
Das ist richtig. Wir gehörten ursprünglich zum württembergisch-hohenzollerischen Landkreis Sigmaringen und kamen am 1. Januar 1973 durch die Gebietsreform zum badischen Landkreis Konstanz. Zunächst war der Zusammenschluss noch freiwillig. So haben sich 1973 nur drei Ortsteile, nämlich Selgetsweiler, Mindersdorf und Liggersdorf, zur Gemeinde Hohenfels zusammengeschlossen und sich somit für die Zugehörigkeit zu Konstanz entschieden. 1975 folgte die endgültige Gebietsreform, und es kamen auch Kalkofen und Deutwang zu Hohenfels hinzu.

Frage: Wie entstand der Name Hohenfels, da doch keiner der Ortsteile so heißt?
Hans Veit:
Das alte Herrschaftsgebiet hieß Hohenfels, und darum wurde der Kunstname für die neue Gemeinde mit ihren fünf Ortsteilen benutzt. Außenstehende verwirrt das manchmal, doch so gab es in den Anfangsjahren eine bessere Möglichkeit zur Identifikation. Denn die Einwohner der Ortsteile sagten: »Wir sind Hohenfelser«. Gerade die Ortsteile, die erst 1975 zu Hohenfels kamen, hatten noch ein großes Gefühl von Eigenständigkeit, und viele Bürger wollten, dass alles so bleibt, wie es ist. Doch das Zusammenwachsen ist gelungen. Da hat der damalige Bürgermeister Franz Moser gute Arbeit geleistet.

Frage: Gibt es Überbleibsel von der einstigen Zugehörigkeit zum Landkreis Sigmaringen?
Hans Veit:
Es gibt nur ein Überbleibsel. Wir sind Mitglied eines Zweckverbandes, einer Gerätegemeinschaft, die wie eine Art Bauhof funktioniert. Sie kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn Reparaturarbeiten im Straßenbau erledigt werden müssen. Dieser Zweckverband hat neun Mitglieder aus dem Kreis Sigmaringen und ein Mitglied, nämlich die Gemeinde Hohenfels, aus dem Kreis Konstanz.

Frage: Gab es Probleme, weil Sigmaringen württembergisch und Konstanz badisch ist?
Hans Veit
: Nein, da gab es keine Probleme. Wir befinden uns hier sowieso an der Sprachgrenze vom alemannischen zum schwäbischen Bereich. Da sind die Übergänge fließend.

Frage: Ist Konstanz nicht sehr weit weg von Hohenfels?
Hans Veit:
Hohenfels lag auch im Landkreis Sigmaringen am Rande. Doch unsere Orientierung geht eindeutig in Richtung Kreis Konstanz, denn er prosperiert gewaltig. Hier gibt es viele Arbeitsplätze, Schulen, die Universität und die Fachhochschule.

Frage: Stockach hat sich mit fünf Gemeinden, darunter auch Hohenfels, zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen. War diese Entscheidung richtig?
Hans Veit:
Durch die Gebietsreform wurden wir 1975 Teil der Verwaltungsgemeinschaft Stockach. Die Mitgliedsgemeinden haben sich auf ein gemeinschaftliches Vorgehen zum Beispiel in der Landschaftsplanung oder durch ein gemeinsames Baurechtsamt verständigt. Der Zusammenhalt innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft ist sehr gut. Denn hier haben wir einen ländlichen Raum mit einer dünneren Besiedlung. Das unterscheidet uns von der restlichen Struktur des Landkreises, und das schweißt zusammen.

Frage: Die Zentralisierungswünsche des Landes beim Grundbuchamt lösten viel Widerstand aus. Das Grundbuchamt von Hohenfels wird aber von Stockach verwaltet.
Hans Veit:
Die badischen Gemeinden haben einen Ratsschreiber und ein eigenes Grundbuchamt, in den württembergischen Gemeinden liegt das Grundbuchamt beim Bezirksnotar. Da wir bis 1975 zum Landkreis Sigmaringen und damit zu Württemberg gehörten, hatte Hohenfels nie ein eigenes Grundbuch. Darum werden die Aufgaben seit 1975 von Stockach wahrgenommen, und das funktioniert gut. Das gemeindeeigene Grundbuchamt war hier nie ein Thema, denn die Leute kannten es ja nicht anders.

Frage: Wie können fünf Ortsteile unter einen Hut gebracht werden?
Hans Veit:
Da müssen Schwerpunkte gesetzt werden. Wir können nicht in allen Ortsteilen gleichzeitig etwas tun, sondern müssen mit wechselnden Prioritäten alle versorgen.

Die Fragen stellte Simone Weiß