Porträt:
Werner Brändle, Direktvermarkter aus Engen
Landwirte
in der Europäischen Gemeinschaft - das bedeutete eine Perspektive
mit Subventionen, aber gleichzeitig dem Zwang zu einer immer industrielleren
Produktion von Lebensmitteln. Dafür schien der Hegau mit
seiner kleinzelligen Struktur nicht geeignet und das Sterben vieler
Betriebe war vorprogrammiert. Aus dieser Entwicklung heraus wuchs
Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts die Erkenntnis,
dass die Landwirte wieder näher an die Verbraucher rücken
müssen. Selbstvermarktung und Direktvermarktung wurde zum
Stichwort einer neuen Generation von Landwirten. Einer der Pioniere
war Werner Brendle auf dem Dielenhof in Engen, der 1992 mit der
Direktvermarktung begann und inzwischen einer der erfolgreichsten
Unternehmer dieser Art geworden ist.
Frage:
Herr Brendle, Sie haben sich 1992 entschlossen
in die Direktvermarktung zu gehen. Was waren die Auslöser
für diese Entscheidung gewesen?
Werner Brendle: Wir wollten für die Produkte, die
wir produzieren in unserem Betrieb, einfach eine höhere Wertschöpfung.
Da wir auch in der Nähe der Stadt liegen und uns die Menschen
auch zu Fuß erreichen können, war es für uns eigentlich
auch naheliegend, hier etwas zu tun. Es war sehr viel Neuland,
gerade Wurst und Fleisch zu produzieren. Das wurde bislang noch
nicht gemacht und wir haben hier ein Stück weit Pionierarbeit
geleistet. Es galt einige Auflagen dafür zu erfüllen.
Man muss das auch wollen und mit den Kunden umgehen können
und den Hof auch entsprechend präsentieren. Es muss einfach
Spaß machen. Es ist bei uns zum Glück so, dass sich
meine Frau sehr gut damit identifizieren kann und sie das sehr
gerne macht, gerne den Umgang mit den Leuten hat und wir in der
ganzen Familie offen sind für neue Dinge.
Frage:
War dies auch eine bewusste Abkehr von den
Töpfen der EU?
Werner Brendle: Das muss man ganz klar sagen. Unsere
Hegaulandschaft ist eine wunderschöne Landschaft. Sie birgt
einfach Schwierigkeiten, hier großflächig zu arbeiten.
Ein Expandieren der Fläche ist fast nicht möglich. Ich
habe andere Betreibe in England, Frankreich, den Neuen Bundesländern
oder Ungarn gesehen und mich schon gefragt, wenn das die Zukunft
ist, können wir im Hegau damit nicht konkurrieren. Wir müssen
uns einfach andere Wege suchen und uns vom Tropf abhängen.
Es macht natürlich auch sehr viel Spaß Preise selbst
zu bestimmen und nicht nur etwas zu produzieren und das am Markt
abzugeben.
Frage:
Haben sie viel Erfahrung sammeln oder auch
Lehrgeld bezahlen müssen?
Werner Brendle: Wenn man sich auf Neuland begibt, ist
es immer schwierig, zumal ich auch nicht aus dem Metzgerhandwerk
heraus komme, sondern einfach gelernter Landwirt bin. Wir mussten
uns sehr viel aneignen, uns sehr viel informieren. Wir haben aber
auch von unserer Berufsorganisation sehr viel Unterstützung
gehabt.
Frage:
Es gab damals sehr viele Betriebe, die in
die Direktvermarktung eingestiegen sind, viele davon haben wieder
ihre Läden geschlossen. Haben sie etwas besser gemacht als
die anderen?
Werner Brendle: Wir haben sehr klein angefangen, der
Betrieb ist meines Erachtens nach langsam und gesund gewachsen.
Ein Direktvermarkter kann nur der sein, der seine eigenen Produkte
hat und es den Verbrauchern auch zeigen kann, dass er es produziert.
Viele haben den Fehler gemacht ihre Bestände zurückzufahren
und vieles dazugekauft. Der Kunde will aber sehen, wo was produziert
wird, wenn er ein Produkt kauft. Darum machen wir immer wieder
die »Gläserne Produktion « oder das sehr erfolgreiche
»Frühstück auf dem Bauernhof«, damit die
Menschen sehen, dass alles auch hier produziert wird. Das ist
ganz wichtig. Das Management ist auch eine ganz entscheidende
Sache und das kann auch nicht jeder. Es war immer unsere Strategie
das Vertrauen der Verbraucher zu bekommen und nichts zu verbergen.
So sind wir glaubwürdig.
Frage:
Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die
Direktvermarktung inzwischen für Sie?
Werner Brendle: Die Direktvermarktung ist eigentlich
gleichzustellen mit der Produktion der Landwirtschaft. Wir brauchen
die Selbstvermarktung, damit unser Betrieb weiter existieren kann,
und dadurch ist er auch davon abhängig. Die Alternative hätte
nur eine weitere Expansion sein können, wie das andere Betriebe
im Hegau auch getan haben, auf Bestände von 2.000 Schweinen,
oder auf 150 Milchkühe, 300 Hektar Land, was hier schwierig
geworden wäre.
Frage:
Wird sich der Trend zur Direktvermarktung
bei den Verbrauchern weiter verstärken und wird es eine Zweiklassen-
Gesellschaft geben. Nämlich mit denen, die alles möglichst
billig haben wollen, und den anderen, die bewusst Qualität
suchen und Lebensmittel aus der Region haben wollen.
Werner Brendle: Ich denke, das wird so sein. Es gibt
eine Gesellschaft, die sich das leisten kann und will, was wir
produzieren und anbieten. Frage: Es gibt den neuen Trend, die
Landwirtschaft zu Energiegewinnung zu nutzen. Wie stehen sie dazu?
Werner Brendle: Ich brauche das absolut nicht zu verheimlichen.
Ich bin ein absoluter Gegner von Großanlagen. Wir haben
vor 20 Jahren darüber diskutiert von Monokulturen wegzukommen,
jetzt befürchte ich eine Rückkehr. Das jetzige System
ist nicht ausgereift.
Das
Gespräch führte Oliver
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Seit
1992 haben Helga und Werner Brendle ihren Betrieb auf Direktvermarktung
umgestellt. Mit Aktionen wie dem »Frühstück auf
dem Bauernhof« (im Bild mit Landwirtschaftsminister Werner
Haug) wurde bei den Verbrauchern um Vertrauen geworben.
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