Porträt:
Graf von Bodman, Inhaber eines Obstbaumbetriebes
In
den 60er Jahren, als sich das WOCHENBLATT gerade im Aufbau befand,
machte Wilderich Graf von Bodman seinen Abschluss als Diplom-Agraringenieur
mit Schwerpunkt Obstbau. Ab 1976 leitete er einen Obstbaubetrieb,
den er von 15 auf 30 Hektar erweiterte, und der etwa 800 Tonnen
Erzeugnisse pro Jahr erwarten lässt. Im letzten Jahr übergab
er die Leitung des Betriebs an seinen Sohn. Doch Wilderich von
Bodman hat viele Veränderungen im Obstbau miterlebt.

Wilderich
Graf von Bodman hat viele Veränderungen im Obstbau in den
letzten vier
Jahrzehnten erlebt. swb-Bild: Weiß
Frage:
Was hat sich im Obstbau seit den 60er Jahren
verändert?
Graf Bodman: 1967 war die Zeit der intensiven Bewirtschaftung
von Hochstämmen bereits vorbei. Auch die in den 30er Jahren
üblichen Halbstammbäume, die relativ hoch waren, gab
es nicht mehr. Damals war noch nicht bekannt, dass ein starkes
Wachstum die Fruchtbildung behindern kann. In den 60er Jahren
wurde die Entwicklung vom Niederstamm zu Spindelbäumen eingeleitet,
die Obstplantagen wie Weinberge aussehen lassen. Durch Unterlagen,
die das Wachstum hemmen, hat man kleine Bäume gezüchtet,
die eine große Ausnutzung der Fläche ermöglichen
und viele Früchte bringen.
Frage:
Hat sich das Bewusstsein beim Spritzen von
Schädlingsbekämpfungsmitteln verändert?
Graf Bodman: Aber ja. In den 60er Jahren hatten wir große
Verluste durch Abdrift, weil das Gift nicht genau aufgebracht
werden konnte. Die Giftigkeit einer Reihe von Mitteln war noch
nicht erkannt worden. Da hat sich einiges geändert. Wir versuchen,
die Spritzungen soweit wie möglich zu reduzieren und eine
biologische Schädlingsbekämpfung einzusetzen. Ein bekanntes
Beispiel ist die Schlupfwespe, die gegen die rote Spinne zum Einsatz
kommt. E 605 wird gar nicht mehr verwendet. In den letzten Jahren
haben wir auch einen Warndienst entwickelt. Es werden nicht mehr
einfach Mittel gegen alle möglichen Schädlinge eingesetzt,
sondern nur gegen Schädlinge, die tatsächlich angetroffen
werden. Und wir benutzen Spritzmittel, die sich sehr schnell abbauen.
Bis zur Ernte sind dadurch keine Rückstände mehr vorhanden.
Frage:
Hagelschutznetze sind nicht gerade ein Gewinn
für die Landschaft.
Graf Bodman: Das stimmt, aber es gibt keine andere Möglichkeit.
Die Obstbauern sind aus existenziellen Gründen dazu gezwungen.
Früher hat sich das Land noch erheblich an den Hagelschutzversicherungen
beteiligt, doch es hat sich mehr und mehr zurückgezogen.
Dafür hat der Hagel auch durch den Klimawandel erheblich
zugenommen. Und Versicherungen sind sehr teuer. Wenn das Hagelnetz
nur einmal ein Vernichten der Ernte verhindert, dann hat es sich
schon bezahlt gemacht. Wir wollen zusammen mit dem Stockacher
Umwelt-Zentrum auch Hochstämme am Rand von Hagelnetzen anpflanzen.
Denn es ist immer schöner, wenn eine Landschaft strukturiert
ist und nicht von einer einzigen Pflanzenkultur eingenommen wird.
Frage:
Ist es noch schwer, Erntehelfer zu bekommen?
Graf Bodman: Die polnischen Erntehelfer, die sehr gut
und fleißig gearbeitet haben, finden bessere Möglichkeiten
in England oder Irland. Die restriktive Arbeitsmarktpolitik macht
es außerdem schwierig, ausländische Erntehelfer zu
rekrutieren. Deutsche Helfer sind oft nicht bereit, rechtzeitig
und durchgehend für die Obsternte zur Verfügung zu stehen.
Viele sind an Landarbeit nicht mehr gewohnt. Da kann es kalt und
naß sein. Doch Erntehelfer müssen zuverlässig
arbeiten, weil bestimmte Obstsorten zu einer bestimmten Zeit geerntet
werden müssen. Außerdem muss zwei Monate lang durchgehend
von morgens bis abends gearbeitet werden. Wenn die Polen nicht
mehr kommen, dann müssen wir Ukrainer oder Rumänen anwerben.
Und das ist wegen der Arbeitserlaubnis nicht so einfach.
Die
Fragen stellte Simone Weiß
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