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 Ein Leben für die Musik

Porträt: Pianist und Sänger Jürgen Waidle

Jürgen Waidele ist einer der popuärsten Musiker der Region. Unvergessen auch für ältere Musikfans seine Auftritte im GEMS-Zelt, wo Waidele sich mit seiner Mischung aus Jazz und Rock in die Herzen des Publikums spielte. Wochenblatt traf den »Al Jarreau vom Bodensee« in Konstanz zum Gespräch.


40 Vollblutmusiker Jürgen Waidele swb-Bild: frö

Frage: Herr Waidele, Ihre Beziehung zum Singener Wochenblatt?
Jügen Waidele:
Ich habe das Wochenblatt gelesen, das war noch zu der Zeit, als es die alte GEMS in Arlen noch gab. Frage: Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1967? Waidele: Da war ich 15 Jahre alt und habe mich auch schon mit Musik befasst. Den Grundstein damals legte meine Mutter. Sie hat mich gefördert. Der Vater war gegen eine Karriere als Musiker. Mit 17 hatte ich eine Band, die »Bongo Boys«. Das allererste Projekt waren die »Four W’s«. Das waren drei Waideles und ein Weltin. Wir haben damals Beatles-Songs gespielt und ähnliche Dinge.

Frage: Wer waren die musikalischen Vorbilder?
Waidele:
Sie kamen aus dem Rock- und Pop-Bereich. 1970 haben wir im La Femme gespielt, das war eine Art Nachtclub. Da hat der Besitzer eine Soulplatte aufgelegt, da wusste ich, das ist meine Musik. Das war der Einstieg.

Frage: Wer hat Ihre Musik damals beeinflusst?
Waidele:
Al Jarreau hat mich sehr beeinflusst. Ich habe ihn öfter schon live gesehen. Auch in Montreux. Auch Bobby Mc Ferrin hat mich beeinflusst.

Frage: Sie machen immer schon ganz verschiedene Projekte. Würden Sie am liebsten Jazz spielen?
Waidele:
Die Tanzmusik macht mir genauso Freude wie der Jazz. Heute wie damals. Ich mache ja keine pure Tanzmusik, ich verjazze alles. Auch einen Wiener Walzer. Das habe ich bis heute beibehalten. Tanzmusik ist Element wie der Jazz. Die Leute spüren das auch.

Frage: Sie haben mit vielen Musikern zusammengespielt. Mir wem macht es am meisten Spaß?
Waidele:
Mit dem Drummer Alex Friedrich habe ich immer noch am meisten Freude. Er kann perfekt auf mich eingehen. Auch mit dem Saxophonisten Arno Haas verstehe ich mich blind.

Frage: Was waren die Highlights Ihrer musikalischen Karriere, was bleibt im Gedächtnis?
Waidele:
Wir haben in den 90ern in Montreux auf der Off-Bühne gespielt. Wir waren eingeladen, drei Tage zu spielen an verschiedenen Orten. Das waren große Partys. Ein weiteres Highlight war mit den Golden Four in London. Das war auf einem Chirurgen-Kongress. Der Kontrakt kam über Dieter Rühland zustande. Nicht zuletzt die Konzerte im GEMS Zelt. In den 70ern spielte ich erstmals Jazz in der Bunten Kuh in Kaltbrunn. Damals lernte ich die Rail-Leute kennen. Auch den Henry Eberhardt und den Andy Bung. Die GEMSler hatten uns unterstützt. Ich wurde wie ein Star behandelt.

Frage: Gibt es Musiker, mit denen Sie gerne arbeiten würden?
Waidele:
Ich bin auch sehr eigen geworden. Ich hatte selbst nie Unterricht, ich bin Autodidakt. Entweder die Musiker gehen darauf ein oder es klappt nicht.

Frage: Ist Konstanz ein gutes Pflaster für Musiker.
Waidele:
Es ist schwierig hier unten. Ich kenne viele Musiker, auch in Köln oder anderen Städten. Es ist überall schwierig. Ob in Köln oder in Stuttgart. Ich habe hier das Glück, dass die Leute mich kennen. Ich habe im Jahr 80 bis 90 Auftritte.

Frage: Wie sehen Sie Ihre musikalische Entwicklung?
Waidele:
Mein Ziel, das ich immer wieder verwirkliche, ist es, in die Musik einzutauchen. Egal wo und wie und wann. Ich wollte mit der Philharmonie etwas machen, das hat sich dann nicht ergeben.

Frage: Die junge Generation....
Waidele:
Kürzlich rief mich ein 15 Jähriger an, die haben eine Jazzband und suchen einen Bassisten. Mit denen habe ich einen Nachmittag lang musiziert. Ich habe immer wieder die »Conversation« verjüngt. Mit dabei war auch ein Bassist, der blind ist.

Frage: Gibt es ein aktuelles Projekt?
Waidele:
Ich werde eine CD machen, die Songs müssen noch arrangiert werden. Es werden gecoverte Beatles Songs zu hören sein. Ein Riesending. Frage: Zum Schluss... Waidele: Mit der Musik, die man liebt, auch noch Geld zu verdienen, das ist ein Traum.

Die Fragen stellte Johannes Fröhlich