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 Beinahe wurde er Justizminister

Porträt: Ein Gespräch mit Dr. Robert Maus

Dr. Robert Maus war in den vergangenen 40 Jahren eine der schillerndsten Persönlichkeiten des politischen Lebens in der Region. Und er ist es noch. Maus war immer streitbar, er hätte unter Lothar Späth in den 1970er Jahren Justizminister in Baden-Württemberg werden können. Das hat er abgelehnt, weil seine Frau Hertha dagegen war. Damals war die Zeit der RAF, auch Maus hätte als oberster Jurist des Landes ins Fadenkreuz des Terrors gelangen können. Das war seiner Frau zu gefährlich.


Er schaut auf ein bewegtes Leben als Politiker zurück: Dr. Robert Maus. swb-Bild: frö

1972 wurde der noch junge Jurist in den Landtag gewählt, das war für ihn eines der prägendsten Erlebnisse der Vergangenheit. Wenige Jahre später wird Maus Landrat, das bleibt er bis 1997. Maus zog vielerlei Fäden, so war er an der Fusion von SWF und SR zum SWR beteiligt, »das war eine hoch spannende Sache«, erinnert er sich. Er war im Verwaltungsrat und hat dort die finanziellen Grundsteine mitgelegt. Heute noch ist der Unruheständler Mitglied im Staatsgerichtshof, ursprünglich begann die berufliche Laufbahn als Richter. Nur wenige wissen heute, dass Maus lange Jahre als Jurist tätig war. Er war Staatsanwalt, Richter, Notar und Oberjustizrat.

Bereits mit dreißig Jahren war Maus beim Bundesgerichtshof, zu der damaligen Zeit war das außergewöhnlich. Gefragt nach den Ereignissen der letzten 40 Jahre, die besonders prägend waren, nennt Robert Maus als erstes die Wiedervereinigung von Bundesrepublik und DDR. Er war Mitglied im Untersuchungsausschuss Stammheim, musste sich dort mit Otto Schily auseinander setzen, der damals als Verteidiger fungierte. Maus war an fünf Untersuchungsausschüssen unmitttelbar beteiligt, das waren mit die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit.

Als Bürgermeister von Gottmadingen von 1969 bis 1972, brachte Maus den Bau der Autobahn mit auf den Weg. Lange Zeit arbeitete er an dem Projekt »Seehas«, an dessen Realisierung er maßgeblich beteiligt war. »Der Seehas war die letzte Stufe einer Entwicklung im Nahverkehr«, erinnert sich Maus. »Der Seehas ist nicht vom Himmel gefallen«, das war ein großes Stück Arbeit. «Wir sind oft Risiko gegangen, ohne das Parlament zu unterrichten«, sagt Maus. »Nur so waren bestimmte Dinge machbar«. Maus steht auch für den Bau der Kläranlage Hegau/ Ramsen. Wie bei vielen anderen Projekten auch hatte er das seltene Talent, Finanzen für bestimmte Projekte locker zu machen. Es geht die Legende, dass er immer mit vollen Taschen aus Stuttgart zurück kam, und so unzählige kleine aber auch größere Projekte in der Region realisieren half. Auch das umstrittene Kompostwerk war ein Kind von Robert Maus.

Seit Jahrzehnten verbindet ihn eine enge Freundschaft mit Lothar Späth. »Er hat mich in den Rundfunkrat gebracht« erinnert sich Maus. »Und er hat mir eine Vielzahl von Ämtern ermöglicht«. Dabei hat Maus gerade in Stuttgart immer intensiv die Belange des Landkreises Konstanz vertreten. Seine Kontakte waren unerschöpflich. Auch für die Universität hat Maus viel Geld locker gemacht. Dabei fruchtete auch die Freundschaft zum damaligen Innenminister Karl Schiess.

»Das für den Landkreis Konstanz immer mehr Geld da war als für andere, hat mir auch viel Äger eingebracht«, erzählt Maus. »Ich war schon manchmal anderer Meinung als die Fraktionsspitze«, sagt er. »Ich habe immer meine Meinung gesagt, auch wenn ich unterlegen war. Ich war nie ein Bequemer. Erwin Teufel hatte mir bescheinigt, dass ich ein großer Redner war. Verbogen habe ich mich nie«. Maus folgte immer nach dem Prinzip »ora et labora«. »Wer die Arbeit richtig organisiert, hat sie schon halb erledigt«, sagt er. Und er philosophiert: «Die Juristerei fängt dort an, wo der Buchstabe des Gesetzes aufhört. Ich habe schwierige Fälle immer selbst bearbeitet. Als Strafrichter habe ich den Urteilen immer einen Schuss Milde hinzugegeben«. Maus resümiert: »Eigentlich wollte ich nie in die Politik. Ich hatte nie geglaubt, dass ich gewählt würde«.

Ein Tipp für die Jugend: » Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, Fleiß und Geradlinigkeit. Ziele nicht zu hoch stecken. Und: Sich niemals zu ernst nehmen. Ehrlichkeit und Treue zu den Zielen«.

Johannes Fröhlich