Porträt:
Artur Ostermaier - Bürgermeister von Steißlingen
Das
Singener Wochenblatt wird in diesen Tagen 40 Jahre. Das ist ein
rechter Grund zum Feiern. Und es sind auch 40 Jahre Zeitgeschehen.
Wir sprachen darüber mit dem Kreisvorsitzenden des Gemeindetages
Baden-Württemberg, Bürgermeister Artur Ostermaier aus
Steißlingen. Als zuständiger Leiter einer Stabsstelle
bei der Stadt Engen hat er fünf Jahre und als Bürgermeister
von Steißlingen fast 30 Jahre lang Kommunalpolitik hautnah
mit erlebt und mit gestaltet. Dem Wochenblatt gratuliert er sehr
herzlich und dankt für die stets faire und korrekte Berichterstattung.
Das Wochenblatt habe in der Region als Gegenpart zu einer Tageszeitung
einen wichtigen Auftrag, den es bestens erfülle.
Zurückblickend
auf die vergangenen 40 Jahre sprach Bürgermeister Ostermaier
die gewaltigen Veränderungen an, die Bund, Land und natürlich
auch die Kommunen durchgemacht hätten und bei denen ein Ende
nicht abzusehen sei: Ausgehend vom tendenziellen Ordnungsstaat
mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit
sowie dem Schutz des Eigentums über den Daseinsvorsorgestaat
und die »soziale Hängematte « haben wir uns zu
einem Gemeinwesen entwickelt, das man heute vereinfacht als globalisierte
Wissens- und Informationsgesellschaft umschreiben kann. Aus der
Industriegesellschaft wurde eine Dienstleistungsgesellschaft.
Auf diesem Weg haben sich viele Prioritäten verändert.
Einige, wie zum Beispiel der Wohnungsbau haben ihren ehemals hohen
Stellenwert verloren. Andere, wie Kinderbetreuung, Bildungs- und
Kultureinrichtungen oder Umweltschutz und Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit haben an Bedeutung zugenommen. Landkreisund Gemeindereform
oder Schulreform sowie der Strukturwandel in der Region hatten
gewaltige Veränderungen bis in die einzelnen Gemeinden hinein
zur Folge. Damit sind wir aber noch lange nicht am Ende. Betrachtet
man die Konsequenzen der demographischen Entwicklung und die gravierende
Verschiebung der Altersstruktur sowie die darin begründeten
Veränderungen in der kommunalen Infrastruktur, so stehen
gewaltige Aufgaben vor uns.
Die
zunehmende Standortkonkurrenz verschärft den kommunalen Wettbewerb
um Einwohner, Arbeitsplätze und Lebensqualität. Diesen
Anforderungen können wir nur gerecht werden, wenn wir einerseits
die Bürger möglichst bei allen Fragen mit ins Boot nehmen
und andererseits die Voraussetzungen dafür schaffen, dass
die kommunale Selbstverwaltung auch weiterhin greift. Das heißt,
es müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden,
dass auch weiterhin Aufgaben auf der örtlichen Ebene nach
den Prinzipien der Dezentralisierung und Subsidiarität wahrgenommen
und erledigt werden können. Die Kommunale Selbstverwaltung
wird auch in Zukunft ein Erfolgsmodell bleiben, wenn es gelingt,
Städte und Gemeinden mit den entsprechenden Mitteln auszustatten,
ihnen die notwendigen Gestaltungsund Handlungsspielräume
zu belassen und sie vor überordender Bürokratie, vor
allem aus der EU, zu schützen.
Die
Probleme der Zukunft werden wir nur lösen können, wenn
wir, wie bereits erwähnt, die Menschen aller Altersgruppen
nicht nur über das Ehrenamt, sondern überall in wichtige
Entscheidungen mit einbinden, ihre Politikverdrossenheit aufbrechen
und die Freude am Mitmachen fördern. Dazu gehört natürlich
auch, dass sich die Bürger in ihrem Umfeld wohl fühlen.
Hier
hat Steißlingen schon frühzeitig die Weichen gestellt.
Bereits 1978 begann die Gemeinde mit Hilfe des Dorfentwicklungsprogramms
ihr zentrales Vorhaben, die Aufwertung des Dorfkerns, den eine
Gemeinde für ihre Identität unbedingt braucht, in Angriff
zu nehmen. Straßen wurden ausgebaut, fußläufige
Verbindungswege erstellt, öffentlicher Parkraum geschaffen
und mit der Sanierung der Torkel und dem Um- und Neubau der Schule
ein dörfliches Zentrum geschaffen, das nicht nur in der Lage
ist, alle Versorgungsfragen zu lösen, sondern auch Anreiz
zur Kommunikation der Bürger bietet. Beim Umbau der Schule,
die schon zahlreiche Preise errungen hat, übernahm die Gemeinde
außerdem durch die ökologische Bauweise eine Vorbildfunktion
für die Region.
Wie
das Zusammenleben der Generationen in der Zukunft, genauer gesagt
im Jahr 2020, aussehen soll, damit befasst sich seit dem vergangenen
Jahr eine »Zukunftswerkstatt «, die dafür sorgen
soll, dass Steißlingen auch weiterhin eine kinder- und familienfreundliche
Gemeinde bleibt, in der Alt für Jung und Jung für Alt
und alle zusammen die Probleme der Zukunft gemeinsam angehen.
Lutz
Ehrhardt
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Bürgermeister
Artur Ostermaier

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