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 Große Namen, große Kunst seit 38 Jahren

Porträt: Walter Möll spricht über das Hohentwielfest

Es war vor 38 Jahren, im Januar 1969, als der Hohentwiel dort hin kam, wohin er gehörte: von den Württembergern aus Tuttlingen nach Singen. Was im Falle des ebenfalls zu Tuttlingen gehörenden Bruderhofgebiets der Stadt Singen enorme Entwicklungschancen eröffnete, sollte im Falle des Hohentwiels ein Naturschutzgebiet und ein touristisches Alleinstellungsmerkmal sein. Bereits im Sommer 1969 feierten die Singener ihr erstes Hohentwielfest, es wurde in diesem Jahr bereits in der 39. Auflage begangen und hat nichts von seinem Charme verloren. Der damalige OB Theopont Dietz, der das erste Hohentwielfest feiern ließ, wurde allerdings wenige Wochen später abgewählt. Sein Nachfolger wurde Friedhelm Möhrle, der dieses Fest zur großen Blüte führte. Frage: Herr Möll, wann fand das erste Hohentwielfest statt? Walter Möll: Das war 1969. In dem Jahr wurde durch eine eigene Gesetzesnovellierung im Landtag Baden-Württemberg die Exklave Hohentwiel der Gemarkung Singen zugesprochen. Damit kam der Hohentwiel nach 350 jähriger Trennung auf badisches sprich Singener Gebiet. Das war der Grund für die Gründung dieses Festes.


Das Hohentwielfest in Singen wurde »sein« Fest: Walter Möll vom Singener Kulturamt. swb-Bild: of

Frage: Wer hatte die Idee?
Walter Möll:
Der damalige OB Theopont Dietz und der Kulturamtsleiter Dr. Herbert Berner.

Frage: Waren Sie damals schon dabei?
Walter Möll
: Nein, ich kam erst 1970 dazu, bei der Stadt Singen bin ich seit 1968.

Frage: Was waren die ersten Highlights?
Walter Möll:
Es war viel improvisiert, in der Stadt unten gab es ein Festzelt, auf dem Hohentwiel gab es das erste Burgfest, das durch die Vereine ausgerichtet wurde. Die Poppelezunft hat mit dem Fanfarenzug ein Landsknechtslager veranstaltet. Es gab einen Brieftaubenauflass, es wurde ein Segelflugzeug auf den Namen Hohentwiel getauft. Es gab Eselreiten, Bogenschießen. Damals war noch nicht klar, ob das Fest jedes Jahr stattfinden würde. Nach 1969 wurde der Hohentwiel als Festgelände wieder verlassen. Lange Jahre gab es nur ein Festzelt. Erst 1974 ging es auf dem Hohentwiel mit dem Jazzfestival weiter.

Frage: Wie war das mit den Naturschützern?
Walter Möll: Das war eine Diskussion, die losgetreten wurde, weil man mit einer Brauerei ein Freizeitzentrum auf dem Hohentwiel installieren wollte. Der Vorschlag kam damals von der Mittelstandsvereinigung. Bei einem Gutachten wurde dann die Umweltverträglichkeit des Hohentwiel beleuchtet. Das war Zufall. Heute gibt es eine neue Naturschutzverordnung. Nach dem 15. Juli dürfen auf dem Berg in sieben Tagen maximal 5 fünf Veranstaltungen durchgeführt werden. Das ist per Vertrag festgehalten. Der Kompromiss hat lange gebraucht.

Frage: Das erste Jazzfestival?
Walter Möll:
Das war 1974 im Festzelt, gespielt hat eine weithin unbekannte Blues- und New Orleans-Band. Das lief sehr gut. Ich wollte den Jazz schon immer auf dem Hohentwiel haben. Das Burgfest wurde erst 1980 wieder eingeführt, damals waren die Ruhrfestspiele Recklinghausen in Singen zu Gast. In der Kunsthalle wurde »Puntila und sein Knecht Matti« gespielt. Ich habe zusammen mit zwei Mitarbeitern aus Recklinghausen das Hohentwielfest konzipiert. Es war ernsthaft geplant, den Hohentwiel zu beleuchten. Die Vorbereitungen waren soweit, dass bereits Strom auf dem Berg war. Das wurde wieder abgesagt, aber der Strom für die Festivals war da.

Frage: Wie gelang es, die großen Namen nach Singen zu holen?
Walter Möll:
Das war ein Reinwachsen in die Szene. Wir haben begonnen 1975 mit regionalen Bands. Claus Veser zum Beispiel. Dann wurden im traditionellen Bereich Bands europaweit verpflichtet. Wir hatten so viel Zuspruch, dass wir zwei Plätze auf einmal betreiben mussten. Dann kam der Modern Jazz dazu. Da war der berühmte Joachim Ernst Behrendt, der die Sendung für den SWR machte. Damals waren schon Größen wie Archie Shep auf dem Berg. Die Jazz-Kenner wussten das schon zu schätzen. Dann lernte ich die Managerin von Miles Davis kennen, die eine Europa-Tournee machte. Mit Hilfe von viel Rotwein und Postern vom schönen Hohentwiel konnten wir die Managerin überreden. Das war der Durchbruch. Miles Davis öffnete uns die Türen für die anderen großen Namen.

Frage: Eine Anekdote?
Walter Möll:
Die großen Stars wollten immer Stretch-Limousinen, wir hatten nur einen 300er Mercedes. Jeder Mitarbeiter der Stadt wollte das Auto fahren. Mit Band und Equipment war das eine Karawane. Vor Miles Davis hatten wir großen Respekt, er galt als launische Diva. Doch er hat sich bei uns sehr wohl gefühlt. Es war das wohl größte Konzert auf dem Hohentwiel.

Johannes Fröhlich