Porträt:
Alfred Kleiber, Leiter des Sportamts von '71 bis heute
Im
Jahr 1971 war die Zeit reif für ein Sportamt in Singen, denn
Singen war traditionell eine Stadt der Sportler. Und wenn es in
Singen derzeit insgesamt 68 Sportvereine mit rund 24.000 Mitgliedern
gibt, also jeder zweite Singener ist im Prinzip in einem Sportverein,
dann ist dies mit auch ein Verdienst eines erfolgreichen Managements,
das in der Koordination große Anlässe für den
Sport in Singen bewältigen konnte und damit Sport attraktiv
machte. Die großen Aufführungen mit Frank Elstner im
Bruderhofgebiet oder die Teilnahme an »Spiel ohne Grenzen«
waren in den 70er Jahren der Anfang, weiter Großanlässe
wie das Landesturnfest, die Deutschland-Tour der Radprofis, der
Hegau-Halbmarathon kamen in 36 Jahre erfolgreicher Arbeit hinzu
und machten Singen zur Sporthochburg.
Frage:
Herr Klaiber, sie sind seit 1971 Leiter
des Sportamts, das seit dem Jahr 1999 in Fachbereich für
Schule, Sport, Bäder Kultur und Ortsteile umbenannt wurde.
Haben sie selbst einmal Sport betrieben?
Alfred Klaiber: Ich habe in frühen Jahren intensiv
Sport betrieben. Ich habe Fußball gespielt in Rielasingen
bei der Spielvereinigung. Ich wohnte im Singener Süden und
da lag es nahe, in Rielasingen zu spielen und zu trainieren. Mein
Vater war auch Mitglied in Rielasingen.
Frage:
das hat sie sportlich geprägt?
Klaiber: da möchte ich noch auf etwas anderes eingehen.
Das war der Handball. Es gab in der Südstadt einen Vikar,
der heutige Pfarrer Adler, der in Hegne seinen Ruhestand verbringt.
Er hatte 1957 die DJK Handball-Abteilung gegründet und hat
solche Kerle wie mich, so mit 14, 15 Jahren zum Handball geholt.
Die meisten davon sind auch heute noch Handballer im Herzen. Ich
war aktiver Spieler nur in der Jugendzeit, wurde dann recht schnell
Schiedsrichter und war da über viele, viele Jahre tätig.
Frage:
Brauchte Singen damals 1971 ein Sportamt?
Was war der Auslöser für die Gründung?
Klaiber: Die Sportler haben sich von der Verwaltung sehr
vernachlässigt gefühlt. Sie hatten keinen Ansprechpartner
und natürlich mit einigen Problemen zu kämpfen, die
nicht alltäglich waren. So gab es zum Beispiel eine Anordnung,
nach der Handballspieler im Hohentwielstadion nicht mit Stollenschuhen
antreten durften, um den Rasen zu schonen. Damals gab es Theo
Satorius, der diesen Umständen ein Ende bereiten konnte.
Frage:
Singen ist eine der großen Sporthochburgen
in Südbaden. Hat dafür das Sportamt mitgewirkt?
Klaiber: Die Singener traten gleich von Anfang sehr kontaktfreudig
gegenüber mir und dem Amt auf und wünschten ein Miteinander.
Ich bin ein erklärter Mannschaftssportler. Die Leute, die
auf mich zukamen, hatten da auch so das große Ganze im Kopf,
wir kamen sehr schnell zusammen.
Frage:
Die 70er Jahre waren von Großanlässen
wie Spiel ohne Grenzen, Turnfesten und der Show mit Frank Elstner
am Ziegeleiweiher geprägt. War das typisch für die damalige
Zeit?
Klaiber: Wir wollten das. Sportausschuss und Vereine
wollten dabei sein, wenn was großes passiert in der Bundesrepublik.
Da hatten wir auch unsere guten Freunde. Das war zum einen Karl
Heinz Machlowitz beim Deutschen Sportbund und es gab damals Fritz
Gisy, einen Singener, der war der verantwortliche Mann für
den Breitensport in Baden. Wenn auf Bundes- oder Landesebene was
anstand, dann haben wir uns beworben.
Frage:
War die Zeit solcher Breitensportevents
ein zeitlich begrenztes Phänomen einer Epoche. Braucht es
dafür heute größere Städte als das kleine
Singen?
Klaiber: Wir machen schon noch einiges. Ein Großanlass
war zum Beispiel noch 1997 die bundesweite Eröffnung der
Sportabzeichen-Aktion mit der Jedermann- Sportgruppe. Die ganz
großen Dinge wie ein Trimmfestival verursachen natürlich
einen Riesenaufwand. Da sind wir etwas kürzer getreten. Das
kostet ja auch eine Menge Geld. Wir haben uns so etwas beschränkt
auf Dinge wie Tour de Ländle. Es geht schon noch einiges.
Frage:
in den Vereinen wird von der Führung
immer mehr Professionalität verlangt. Wie kann das Sportamt
hier die Vereine unterstützen?
Klaiber: Es gab über Jahre hinweg eine Managerausbildung
des Badischen Sportbunds, die hier durchgeführt wurde. Sehr
viele Vereine haben diese Möglichkeit wahrgenommen. Wir werden
in Kürze prüfen, ob dafür wieder Bedarf in Singen
besteht. Es gibt natürlich inzwischen viele gewerbliche und
professionelle Sportanbieter. Da müssen sich die Vereine
natürlich unheimlich anstrengen damit sie ein entsprechendes
Niveau, das sich an den professionellen Anbietern messen lassen
muss, halten können. Das ist schon eine harte Konkurrenz
für unsere Vereine.
Frage:
Der Anspruch des Sporttreibenden an den
Verein steigt ja immer weiter.
Klaiber: Was auf die Vereine zukommt, ist irre. Früher
hat man gesagt, man muss sich um die kleinen Kinder kümmern,
dass die von der Straße weg sind. Heute muss man sich verstärkt
um Angebote für die älteren Mitbürger kümmern,
die verstärkt in die Vereine gehen und nach guten Angeboten
suchen. Hier haben es die rein ehrenamtlich geführten Vereine
schwer. Bis zur Stunde gelingt das in unserer Stadt, aber es kommen
da mit Sicherheit Probleme auf uns zu.
Frage:
Veranstaltungen wie der Halbmarathon, der
bereits im 10. Jahr durchgeführt wurde, sind auch schon etwas
in die Jahre gekommen, was am Schwund der großen regionalen
Namen ablesbar ist, die lieber zu anderen Läufen in der Region
gehen. Sind hier Änderungen und ein neues Konzept nötig?
Klaiber: das muss sein. Es muss nach dem Zehnjährigen
überlegt werden, wie es weiter geht. Anlässe mit mehr
als 300 Startern sollten regional besser koordiniert werden.
Das
Gespräch führte Oliver Fiedler
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Er
ist seit 1971 der Manager des Sports im Singen und im Hegau: Alfred
Klaiber.. swb-Bild: of
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