Porträt:
Mechthild Dietrich, Dekanratsvorsitzende
Engagagiert
hat sich Mechthild Dietrich immer schon in Ehrenämtern: Die
Mutter von drei Söhnen war Elternbeirätin während
derer Schulzeit und natürlich auch in der Jugendmusikschule
in der Elternvertretung engagiert. .

Mutig
hinaus in die Welt: Dr. Anselm Dietrich und Mechthild Dietrich
auf dem Weg
nach Singen. swb-Bild: privat
Bis
zum Jahr 2000 war sie neben dieser Mutterrolle Lehrerin am Singener
Hegau-Gymnasium. Nachdem ihr Mann 1995 gestorben war, startete
sie durch. War sie vorher eher die klassische »Frau an seiner
Seite«, so kandidierte sie für den Pfarrgemeinderat
in Peter und Paul und ist bis heute Dekanatsratsvorsitzende im
Westlichen Hegau und gehört dem Diözesanrat in Freiburg
an. Sie ist eine Frau mit Profil und Ausstrahlung, ihr Wort hat
Gewicht. Und sie weiß genau, wo anzupacken ist.
Im Gespräch mit dem WOCHENBLATT wird schnell deutlich, dass
Mechthild Dietrich immer eine politisch denkende Frau war und
ist. Nur war der politische Kopf nach draußen früher
ihr Mann, Dr. Anselm Dietrich. Der Sohn des ersten Bürgermeisters
nach dem Krieg in Singen hatte andere Wege angedacht. Der promovierte
Jurist hatte seine Frau beim Studium kennengelernt. Der Weg führte
beide nach Bochum. Sie war Lehrerin für Deutsch, Geschichte
und Kunst, er wollte sich noch einmal dem Studium der Geschichte
widmen und dort nochmals promovieren. Nach einem halben Jahr sei
klar gewesen, dass es mit Anselm im Norden nicht gehe, sagt sie
heute. Also zogen sie nach Singen, wo sie 1965 am Hegau- Gymnasium
eine Stelle bekam. Das war alles zwischen den Bundesländern
kompliziert. Doch dann ließ sich Dr. Anselm Dietrich 1968
endgültig in Singen als Anwalt nieder - im elterlichen Haus
in der Hegaustraße.
Für
Singen waren dies damals die großen Schlagzeilen: Schnell
wurde Dietrich als potentieller Gegenkandidat von Theopont Diez
für die OB-Wahl 1969 gehandelt. Dietrich, der Sproß
einer durch und durch katholischen Familie, war kurz zuvor in
die SPD eingetreten. OB-Kandidat wurde er nicht, dafür aber
Gemeinderat der SPD. Der Jurist, der für Friedhelm Möhrle
im Wahlkampf eingetreten waren, sah sich später tief enttäuscht,
als Möhrle den allmächtigen Stadtoberbaudirektor Hannes
Ott nicht in die Schranken wies, sondern sogar noch einflussreicher
werden ließ. Dietrich trat aus der SPD-Fraktion aus und
fand Unterstützer für eine eigene Kreistagsliste, mit
der er aber scheiterte. Mit dabei war als Jungsozialist Hans-Joachim
Frese, der Anfang der 70er Jahren zu den aufmüpfigen jungen
Leuten in der Stadt gehörte.
Das
Bauforum war die Heimat von Dr. Anselm Dietrich und seiner Frau
Mechthild, die genau dies Vermächtnis weitertragen wollte.
Sie kandidierte sie auch zweimal mit Achtungsergebnissen für
die Neue Linie in Singen 1999 und 2004. Sie sagt deutlich, sie
habe dazu beitragen wollen, dass Gedanken ihres Mannes zur Stadtentwicklung
auch heute noch Gehör finden. Die Ottsche Abrißwut
gegenüber alten Häusern, seine breiten Wohnstraßen
in der Nordstadt, das verordnete Wachstum um jeden Preis, das
waren umstrittene Themenkreise.
Mechthild
Dietrich steht auch heute noch zur Linie ihres Mannes, als Anwalt
den kleinen Leuten gegen den Staat und seine Macht zum Recht zu
verhelfen. Er verkämpfte sich im Verwaltungsrecht und schaffte
es mit seinen Mitstreitern, dass eine K 98 nicht quer durch das
Hausener Aachried gebaut wurde - und dass die Ekkehardstraße
nicht über die Aach hinaus verlängert wurde.
Mechthild
Dietrich schaut aber nicht zurück, sondern setzt auf dem
kirchlichen Sektor eigene Akzente. »Da fängt eigentlich
Mission an,« sagt sie im Gespräch: Die sonntägliche
Kinderkirche ist auf den sicheren Weg gebracht, der Familiengotesdienstkreis
steht, ein Kinderchor ist ein brandneues Projekt. Auch der anstehenden
Gemeindeanalyse in der Erzdiözese steht sie offen gegenüber:
Vielleicht findet man Felder, auf denen man mehr tun könnte.
Wichtig sei es vielleicht, genauer zu wissen, wieviele Arbeitslose
man in der Seelsorgeeinheit hat. Sie selbst ist bei vielen stillen
Aktivitäten dabei, so beim wöchentlichen Morgenlob in
der Lutherkirche. Sie ist in der Stadt-Oase aktiv und kümmert
sich auch im Krankenhaus um die Seelsorge. »Ich kann nur
dankbar sein,« sagt sie im Gespräch. Alle drei Söhne
seien in guten Händen, hätten Berufe, die ihnen Spaß
machten. Und das vierte Enkelkind werde wohl noch nicht das Letzte
sein.
Hans
Paul Lichtwald
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