Porträt:
Ingrid Hempel, Unternehmerin
Ingrid
Hempel leitet nicht nur ein Unternehmen sondern auch in der IHK
Text: Die Frau als Unternehmerin an der Spitze des Unternehmens
ist natürlich längst kein unbekanntes Wesen mehr. Sie
hat noch mehr geschafft: Ingrid Hempel ist heute Stellvertretende
Präsidentin der IHK-Hochrhein Bodensee. Als geschäftsführende
Gesellschafterin der Singener Okle Unternehmensgruppe begleitete
sie in der Vergangenheit zwei Generationswechsel in diesem Unternehmen.
Bescheiden weist sie eine Bilderbuch-Karriere zurück: Leistung
zählt und darüber hinaus sei sie bei allen Positionen,
die sie aktuell einnimmt, immer gerufen worden.

Ingrid
Hempels Wort hat bei der IHK Gewicht: Hier stellt sie den neuen
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Claudius Marx der Presse
vor.
»Sich immer weiterentwickeln«, rät Ingrid Hempel,
die eine kaufmännische Lehre als Grundlage ihres beruflichen
Erfolgs hat. Eine Weiterbildung zur Bilanzbuchhalterin mit Betriebswirtschaft
kam hinzu. Eine gute Aus- und Weiterbildung, das ist ihr Tipp
auch an heutige junge Frauen, die ihre beruflichen Perspektiven
selbst gestalten wollen. »Ins Unternehmen bin ich hineingewachsen«,
sagt Ingrid Hempel heute. Die Buchhaltung war ihr erstes bedeutendes
Betätigungsfeld und nach und nach wuchs sie in alle anderen
Themenfelder des Unternehmens hinein. Damit eine solche Bilderbuchkarriere
möglich ist, dazu müssen Person und Unternehmen schon
in besonderer Weise zusammenpassen.
1934
wurde das Unternehmen Okle von Josef Okle gegründet. Der
erste Generationswechsel stand dann zwischen Firmengründer
Josef Okle und Sohn Klaus Okle Ende der 70er Jahre an. 1970 kam
Ingrid Hempel als geschäftsführende Gesellschafterin
dazu. Zusammen haben beide in der zweiten Generation das am Markt
erfolgreiche Unternehmen geführt.
Ingrid
Hempel bereitet später den Generationswechsel an die dritte
Generation, die durch Hans-Philipp Okle vertreten wird, vor. Hans-Philipp
Okle führt als geschäftsführender Gesellschafter
heute das Unternehmen.
Und
wie kam Ingrid Hempel zur IHK? Ausbildung war ihr erstes Thema,
zumal das Unternehmen hier stark engagiert war und ist. Dafür
setzte sie sich auch in den Gremien der IHK ein. Der Prüfungsausschuss
und der Handelsausschuss folgten. Dann führte der Weg in
die Vollversammlung und eben ins Präsidium erst als Vizepräsidentin
unter Dietrich H. Boesken und jetzt als stellvertretende Präsidentin
an der Seite von Kurt Grieshaber. Sie ist vor allem die Repräsentantin
der Wirtschaft in Singen, im Hegau und am See. Ihr Wort hat Gewicht,
ohne dass sie laut werden muss.
Wie
kommt es zu so einer Laufbahn? »Ich war an allem Neuen immer
interessiert «, resümiert Ingrid Hempel. Und diesen
Tipp gibt sie auch jenen Frauen, die heute in Unternehmenskarrieren
einsteigen wollen.
Wie
sieht sich Ingrid Hempel in der »Männerwelt«
der IHK? Das ist kein Thema für sie. Sie akzeptiere das andere
Geschlecht und stelle die Frauenrolle nie in den Vordergrund.
Sie will hier einfach Kollegin sein. Mit dieser Haltung kommt
sie in allen Gremien stets bestens zurecht. So wurde sie auch
Vizepräsidentin des Deutschen Nahrungsmittelgroßhandels
und gehört zur Geschäftsführung verschiedener Handels-Kooperationen.
Was
sollen junge Frauen heute machen, wenn sie sich beruflich weiterentwickeln
wollen? Ingrid Hempel stellt die Bereitschaft zum Lernen ganz
oben an. »Karriere« als Begriff hört sie nicht
gerne, es sei schlicht eine berufliche Laufbahn. Es ist nicht
so, dass Frauen sich »profilieren« müssten. Allerdings
ist es noch oft so, dass Frauen in Führungspositionen ein
Mehr an Leistung erbringen müssen. Ingrid Hempel wünscht
sich hier mehr wahre Gleichberechtigung für Mann und Frau.
Hans
Paul Lichtwald
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