Porträt:
Andreas Renner
Singen
lag ihm bei seinem Abschied zu Füßen, Stuttgart später
nach seinem Rücktritt als Sozialminister nicht: Andreas Renner
hat selbst als Landesvorsitzender der Jungen Union gerne polarisiert,
plötzlich war er selbst das Opfer der Polarisierung anderer.
Heute soll er für EnBW erneuerbare Energien forcieren. Dem
Bundesvorstand der CDU gehört er weiterhin an, wie er seine
Arbeit in Singen bilanziert und was er von Nachhaltigkeit hält,
darüber sprach mit ihm Hans Paul Lichtwald.

Lachend
in seinem Garten: Andreas Renner steht heute im Dienst von EnBW.
swb-Bild: li
Frage:
Zwei Dinge haben ihre Singener Amtszeit
geprägt, die Landesgartenschau und die Entscheidung zur Stadthalle.
Fangen wir mit der Landesgartenschau an. Sprechen wir von Nachhaltigkeit:
Was ist davon geblieben?
Andreas Renner: Die Gartenschau war wichtig, denn ich
habe immer damit gerechnet, dass das ein Schub für die Stadt
wird. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass es so gut wird.
Da habe ich mich getäuscht, das gebe ich offen zu. Singen
hat sich durch die Gartenschau verändert, was nachhaltig
war, weil die Bürger nach vielen Jahren mit Rückschlägen
und Krisen wieder einmal einen Stolz entwickeln konnten, wie es
in der Geschichte der Stadt vorher noch garnicht möglich
war.
Frage:
Wie äußerte sich das konkret?
Renner: Da entstand ein Zusammengehörigkeitsgefühl,
was bei einer Stadt, die so zusammengewürfelt ist aus aller
Herren Länder, etwas ganz Besonderes ist. Da hat sich jeder
plötzlich mit dieser Stadt identifiziert. Im Kleinen war
das eigentlich eine Begeisterung wie sie die Weltmeisterschaft
im letzten Jahr im Großen ausgelöst hat.
Frage:
Auf einem wichtigen Teil des Laga- Geländes
entsteht jetzt die Stadthalle. Wie steht die Chance, sich 25 Jahre
nach der Ablehnung durch den Bürgerentscheid mit der Halle
in der Region neu zu platzieren?
Renner: Ich kann die Situation von damals nicht beurteilen.
Ich bin aber sicher, dass wir ohne die Landesgartenschau keine
Stadthalle bekommen hätten, weil erst die Gartenschau gezeigt
hat, was in dieser Stadt alles möglich ist. Mit dieser Begeisterung
im Rücken war die Stimmung für die Stadthalle überhaupt
erst möglich. Es war wohl auch nach Sparjahren und vom Steueraufkommen
her ein Glücksfall, dass wir eine Nische gefunden haben,
die Halle zu bauen. Und den letztendlichen Kick gab eben auch
für den Gemeinderat die Gartenschau, zumal dieser ja auch
die Laga positiv begleitet hat. Und in elf Jahren OB habe ich
es wirklich nur einmal erlebt, dass wir so nachhaltig Beifall
bekommen haben – spontan von der Tribüne herunter –
wie bei der Entscheidung für die Stadthalle. Ich spürte
die Sehnsucht der Bürger nach der Halle – und ich meinte,
es war nicht zu spät, denn wir brauchen sie auch, um das
nach der Gartenschau abgeflaute Gedächtnis an Singen wieder
aufleben zu lassen.
Frage:
Sie haben ja dann einen großen Bogen
über Stuttgart nach Karlsruhe gemacht. Beim Thema Nachhaltigkeit
sind Sie geblieben. Wie liegen da ihre weiteren beruflichen wie
politischen Chancen?
Renner: Politisch bin ich jetzt ehrenamtlich tätig,
obwohl ich ein politischer Mensch bin. Ob ich je wieder etwas
Politisches mache, das weiß ich beim besten Willen nicht.
Die beiden letzten Jahre waren für mich nicht einfach, aber
dennoch habe ich bei aller Kritik beruflich die richtige Entscheidung
getroffen. Peter Hauk, der Minister für den Ländlichen
Raum weiß es noch, dass ich nämlich zurückgekommen
bin zu dem, was ich früher vor 20 Jahren schon einmal gemacht
habe. Da war ich nämlich umweltpolitischer Sprecher von Günter
Oettinger. Vieles, was ich heute über Klimaschutz und Nachhaltigkeit
erzähle, habe ich damals schon gesagt. Ich kann zum Teil
auf meine alten Papiere zurückgreifen. Ich habe die Stelle
bei EnBW nur deshalb angetreten, weil ich die Chance habe, regenerative
Energie zu vertreten. Und es ist mit das spannendste Thema, das
wir derzeit überhaupt haben. Wir haben damit so Konjunktur,
dass ich Termine schon abwehren muss.
Frage:
Führt da jetzt die Wirtschaft die Politik
oder umgekehrt?
Renner: Die Politik wird hier das Rad nicht mehr zurückdrehen
können. Die Folgen des Klimawandels sind so offensichtlich,
dass selbst die härtesten Kritiker dies nicht mehr leugnen
können. Somit glaube ich schon, dass regenerative Energien
für einen Versorger nicht mehr vom Tisch zu fegen sind. Ich
selbst habe eine neue Rolle. Ich habe eine absolute Führungspostion,
von der viele andere in ihrem Berufsleben kaum zu träumen
wagen. Doch ich sehe meine Aufgabe darin, mein Thema voranzubringen.
Es gibt technologisch so viele Probleme, da ist es toll, Grundlagenarbeit
zu leisten, was man in vielen anderen Funktionen eben nicht kann.
Ich habe im letzten Dreivierteljahr so viele Professoren getroffen
wie seit meinem Studium nicht mehr.
Hans
Paul Lichtwald
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