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 Aus Vernunftehe wurde Erfolgsgeschichte

Porträt: Daniel Hirt, Volksbank Hegau

Bankenfusionen beschäftigen ab Anfang der 90er Jahre verstärkt die Region. Den Anfang machte im größeren Regionalbereich die Volksbank Stockach, die 1990 mit der Volksbank Überlingen fusionierte um daraus eine neue Stärke zu gewinnen. Doch eine andere Bankenfusion sorgte für viel mehr Aufregung. 1996 ging die Volksbank Engen in die Knie, nachdem risikoreiche Kredite platzten und die Bank insgesamt zuviel Ehrgeiz in Sachen Wachstum an den Tag gelegt hatte. Die Bank musste 1998 mit der viel jüngeren Volksbank Singen fusionieren, die im Jahr 2006 dann zur Volksbank Hegau umfirmierte. Volksbank Vorstand Daniel Hirt, der nach der Trennung von Albert Kempter die Sanierung der Volksbank übernahm, erinnert sich.

Frage: Herr Hirt, im Jahr 1994 kam es zu großen Problemen der damals noch selbstständigen Volksbank Engen. Wie sehen sie die Ereignisse aus der heutigen Position heraus?
Daniel Hirt:
Es waren Ereignisse, die damals natürlich im negativen Sinne zukunftsweisend für die Volksbank Engen waren. Es wurden Kredite vergeben, die schlichtweg nicht sachgerecht waren und ein zu großes Risiko in sich geborgen haben. Das hat einen extrem hohen Wertberichtigungsbedarf damals für die Volksbank Engen erzeugt. Es hat in der Konsequenz dafür gesorgt, dass sämtliche stille Reserven bis auf das notwendige Eigenkapital aufgebraucht worden sind und darüber hinaus, weil diese Reserven nicht ausreichten, die Unterstützung der Sicherungseinrichtung der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken notwendig wurde.

Frage: Sie mussten damals 36 Millionen D-Mark aufnehmen um die kurzfristige Existenz der Bank zu sichern. Wie lange hat die Volksbank Engen gebraucht um eine Sanierung abzuschließen?
Hirt:
War haben damals Barmittel wie auch Bürgschaften von der Sicherungseinrichtung bekommen. Die Sicherungseinrichtung hat dann im Zusammenhang mit der damaligen Fusion mit der Volksbank Singen uns eine Besserungsscheinverpflichtung auferlegt, die vorgesehen hat, dass ein Betrag von damals 11 Millionen D-Mark über einen Zeitraum von 10 Jahren von 1998 aus gesehen zurückzuzahlen gewesen wäre. Der Rest der Sanierungsmittel, die insgesamt deutlich höher waren, wurde von der Sicherungseinrichtung geschultert, uns mehr oder weniger geschenkt. Wir haben dann diese 11 Millionen D-Mark bis 2004 schon vorzeitig komplett zurückzahlen können, weil nach der Fusion die Geschäfte sehr gut gelaufen sind. Die Fusion hat sich als richtig erwiesen.

Frage: Es ist immer von der Haftung der Bankvorstände mit ihrem Privatvermögen die Rede. Herr Kempter musste damals nur mit einem Bruchteil der Schadenssumme haften.
Hirt:
Herr Kempter hat, so wie das bei allen Bankvorständen ist, komplett mit seinem Privatvermögen gehaftet. Was in diesen Fällen dazu kommt, ist natürlich die Rolle der Versicherung. Ein Teil des Schadens, den ein Vorstand anrichten könnte, ist bei jeder Bank mit einer so genannten Vertrauensschadenversicherung abgesichert. Alleine schon die Versicherung legt Wert darauf, dass alles, was ein Vorstand an freiem Vermögen hat, in solch einer Phase gebracht wird.

Frage: Die damalige Volksbank Engen musste mit der Volksbank in Singen fusionieren um überleben zu können. Wiederum brauchte die Volksbank Singen ein Umland. Wäre die Fusion auch ohne den damaligen Skandal notwenig gewesen?
Hirt
: Es war sicher nicht von Anfang an eine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe. Aber es ist, um das mal so zu sagen, bald schon das entsprechende Gefühl dazu gekommen. Anfang des neuen Jahrtausends wären diese Fusionsgespräche ohnehin angestanden, weil Banken, die sich nur im städtischen Gebiet bewegen, sicher nicht dauerhaft das Geschäftsgebiet gut abdecken können.

Frage: Inzwischen ist es in Sachen Fusionen sehr ruhig geworden. Haben die Volksbanken hier ihre Idealgrößen gefunden oder kommt das Thema erst wieder in der Frage einer »großen Fusion« mit den Sparkassen, wie immer wieder von der EU gefordert, auf den Tisch?
Hirt:
Wenn es je zu Fusionen zwischen Volksbanken und Sparkassen kommen sollte, wird bis dahin noch sehr viel Zeit vergehen. Im Moment sieht es auch nicht danach aus, dass eine neue Welle im Fusionsbereich kommt, weil jedes Haus in den letzten Jahren seine Hausaufgaben gemacht hat. Wir haben durch die Vertriebsintensivierungen in den letzten Jahren und wir haben in vielen unserer Kerngeschäftsfelder Marktanteile gut machen können. Was uns im Moment etwas weh tut, ist die historisch niedrige Zinsstruktur.

Frage: Ende der 80er Jahre wurden die ersten Geldautomaten aufgestellt, fünf Jahre später kam das Online-Konto, alle Zeichen gingen in Richtung einer virtuellen Bank. Sie setzen trotzdem auf eine Bank mit Beratungskompetenz.
Hirt:
Geldautomaten und E-Banking haben ihre Existenzberechtigung und einen extremen Zulauf gehabt. Inzwischen werden 40 Prozent der privaten Girokonten in unserem Hause online geführt, bei den gewerblichen Kunden ist das die Regel. 70 Prozent aller Transaktionen im Bargeldbereich werden über Geldautomaten getätigt. Diese Flexibilität der Automatisation wird auch gefordert. Das Bankgeschäft ist etwas Besonderes, was ein Vertrauen zu einer Person braucht. So wie man zu einem Arzt ein Vertrauen aufbaut, will man ein Vertrauensverhältnis zu einem Banker haben. Deshalb ist es ganz klar, dass wir auf Beratung setzen und nach den letzten innerbetrieblichen Veränderungen noch stärker auf diesen Kontakt bauen.

Das Gespräch führte Oliver Fiedler

 

 

 

 

 

 


Daniel Hirt, Vorstand der Volksbank Hegau erinnert sich an die Vorgänge aus dem Jahr 1994, die zur Fusion der Volksbank Engen und Singen führten. swb-Bild: of