Porträt:
Gerhard Straub, Geschäftsführer "ETOMAGNETIC"
40
Jahre WOCHENBLATT Singen. 40 Jahre, in denen hat sich auch im
Bereich der Wirtschaft viel getan. »ETO MAGNETIC«
in Stockach etwa hat sich in Bezug auf Mitarbeiterzahlen, Ausbildungsplätze
und Umsatz stark vergrößert. Ein Gespräch dazu
mit Gerhard Straub, dem Geschäftsführer der »ETO-Gruppe«.
Frage:
Warum ist die Firma »ETO MAGNETIC
« 1992 von Uhldingen-Mühlhofen und Eigeltingen nach
Stockach umgezogen?
Gerhard Straub: In Uhldingen-Mühlhofen hatten wir
unser Hauptwerk, in Eigeltingen nur eine Betriebsstätte.
Zwei Standorte wollten wir auf die Dauer nicht mehr haben. Außerdem
sind wir größer geworden und hatten Wachstumsziele,
doch dafür waren die vorhandenen Grundstücke und Gelände
zu klein. Da wir nicht erweitern konnten, trafen wir die Grundsatzentscheidung
für den Neubau. Wir sind mit 700 Mitarbeitern und zwei Werken
innerhalb von zwei Wochen umgezogen.
Frage:
Warum haben Sie sich für Stockach als
neuen Standort entschieden?
Gerhard Straub: Wir haben uns nicht die Makrosituation
angeschaut. Denn ganz Deutschland oder ganz Baden-Württemberg
kam für uns als Standort nicht in Frage. Denn sonst hätten
wir unsere Mitarbeiter verloren. Zudem war die Situation damals
eine andere. Im Bereich Friedrichshafen und Überlingen bestand
eine sehr große Nachfrage nach Arbeitskräften vor allem
von Großunternehmen. Als maximale Entfernung kamen daher
etwa 30 bis 40 Kilometer in Frage. Darum haben wir eine Standortanalyse
in diesem Nahbereich durchgeführt, aus der Stockach als für
uns am besten geeigneter Standort hervorging. So sind wir ins
Stockacher Industriegebiet »Hardt« gezogen. Hier haben
wir ein Gebiet mit einer für die Industrie idealen Topographie.
Es gab genügend Flächen auch für eine Erweiterung.
Und wir können im näheren Umkreis etwa 120.000 Einwohner
innerhalb einer vernünftigen Zeit erreichen. Für Bodensee-
Verhältnisse hat es hier zudem eine gute Verkehrsanbindung.
Natürlich haben große Städte ihre Vorteile. Es
ist leichter, qualifiziertes Fachpersonal zu bekommen. Denn wenn
es nicht klappt, finden die Menschen leichter wieder eine Stelle
vor Ort, ohne umziehen zu müssen. Wenn beide Ehepartner hoch
qualifiziert sind, ist es in einer großen Stadt außerdem
leichter, für beide einen Arbeitsplatz zu bekommen. Aber
in Stockach sind Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung
sehr industriefreundlich.
Frage:
1992 hatte »ETO MAGNETIC« 700
Mitarbeiter und 13 Azubis, heute sind es 880 Mitarbeiter und 57
Azubis allein in Stockach und 1.500 Mitarbeiter weltweit. Wie
kam es zu dieser Entwicklung?
Gerhard Straub: Wir haben die Umsätze massiv gesteigert,
und wir haben uns erweitert. 1999 haben wir einen Wettbewerber,
die »EKS« in Vaihingen, übernommen, 2000 haben
wir Werke in Polen und den USA eröffnet. 2002 kam die »SENSORIC
« in Nürnberg hinzu, und 2005 haben wir Werke in den
USA und China gegründet. Es ist für unsere Kunden wichtig,
in der Triade Europa, USA und Asien (China) aktiv zu sein. Außerdem
kümmern wir uns seit 2000 stark um den Pkw-Bereich und haben
da große Autokunden. Wir haben 1992 etwa 50 Millionen Euro
Umsatz gemacht, in diesem Jahr erwarten wir weltweit einen Umsatz
von 210 Millionen Euro. Davon erwirtschaften wir etwa 50 Prozent
in Stockach. Frage: Sie haben auch ein Werk in Polen gebaut. Ist
der Standort Deutschland nicht mehr attraktiv? Gerhard Straub:
Wir werden in diesem Jahr im September ein neues Werk in Polen
mit etwa 8.000 Quadratmetern beziehen. Deutschland ist für
bestimmte Produkte als Standort nicht mehr akzeptabel. Wir brauchen
den osteuropäischen Raum als Absatzmarkt, und da ist Polen
wichtig zur Erschließung der osteuropäischen Märkte.
Polen ist jetzt schon kein Billig- Lohn-Land mehr. Diese Tendenz
wird sich fortsetzen.
Frage:
Immer wieder werden die mangelnden Fähigkeiten von Azubis
beklagt. Worauf legen Sie bei der Einstellung Wert?
Gerhard Straub: Die Ansprüche, die auf die jungen
Leute während der Ausbildung zukommen, sind nicht gering,
wenn die Ausbildung auch wirklich diesen Namen verdient. Daher
legen wir Wert auf eine gute Vorbildung durch die Schule, soziale
Kompetenz und einen ausgeprägten Leistungswillen. Die jungen
Leute sollen zeigen, was sie können, vor allem müssen
sie dies aber auch wollen. Wir bilden übrigens nur in Stockach
aus. Unsere anderen Werke sind noch zu klein dafür. Frage:
Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten
Jahren? Gerhard Straub: Der Wettbewerb wird noch heftiger werden.
Unternehmen können nur mit exzellenten Mitarbeitern und anspruchsvollen
Produkten bestehen. Es wird immer gute und schlechte Zeiten geben.
Gerade hätten wir eine gute Zeit, wenn die hohen Rohstoffpreise
nicht wären. Wir brauchen 1,5 Millionen Kilo Kupfer im Jahr,
und der Preis dafür ist seit 2003 um vier Euro pro Kilo gestiegen.
Frage:
Werden im Rahmen der »Christa und
Hermann Laur Stiftung«, des Kapitalgesellschafters der ETO-Gruppe,
auch in den kommenden Jahren weitere Projekte in der Region gefördert?
Gerhard Straub: Wir sind der Region, aus der unsere Mitarbeiter
kommen, mehr verpflichtet als anderen Gebieten. Bisher ist die
Stiftung nur in der Region tätig, noch nicht in China, Polen
oder den USA. Wir sind an die Satzung und den Stiftungszweck gebunden.
Danach werden Projekte aus den Bereichen Soziales, Forschung,
Lehre, Heimatpflege, Kunst und Wissenschaft unterstützt.
Die
Fragen stellte Simone Weiß
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Seit
1981 ist Gerhard Straub Geschäftsführer der ETO Gruppe.
swb-Bild: ETO
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