Porträt:
Monika Laule zur Radolfzeller Entwicklung
Seit
1989 ist Monika Laule bei der Stadt Radolfzell beschäftigt.
Die Juristin, die in Konstanz studiert hatte, wollte nicht vom
See weg, deshalb stieg sie in Radolfzell klein ein. Sie wurde
bei Oberbürgermeister Günter Neurohr bald persönliche
Referentin, bedient bis heute die Presse, hat aber immer mehr
Einfluss im Bereich der Wirtschaftsförderung und der Stadtentwicklung
gewonnen. Dass sie das Rechts- und Ordnungsamt auch noch unter
ihren Fittichen hat, gehört ebenso zum Geschäft wie
die neue Aufgabe, das alte Bahngebiet für zukünftige
Nutzungen zu überplanen. Sie hat auch klare Visionen für
die Zukunft: Ein klares Ja zum Tourismus ist nötig. Da könne
man künftig in der Region noch Geld verdienen. Aber dafür
müsse man eben auch investieren. Die Fragen stellte Hans
Paul Lichtwald.

Monika
Laule hat in Radolfzell viele Fäden in der Hand: Stadtentwicklung
ist
das Thema der gelernten Juristin. swb-Bild: li
Frage:
Wie haben Sie Radolfzell angetroffen?
Monika Laule: Als eine Kleinstadt, die sich zwischen
den Nachbarstädten Singen und Konstanz eingezwängt gesehen
hat. Eine Stadt, die ihre Potenziale zu wenig genutzt hat. Das
gilt für den touristischen Bereich genauso wie für den
wirtschaftlichen Bereich, der in sich gekehrt war. Die Stadt war
vereinsverhaftet, brauchtumsverhaftet, was positiv ist, hatte
aber zu wenig Mut, sich den Herausforderungen der Nachbarschaft
zu stellen.
Frage:
Das hat sich aber kräftig geändert.
Laule: Das hat sich sehr geändert.
Frage:
Was waren die Meilensteine zu einer modernen Stadt?
Laule: Da gab es natürlich auch umstrittene Entscheidungen,
wie die Stadt nach Norden zum Mühlbach-Center zu öffnen.
Da gab es in den 90er Jahren natürlich auch eine große
Diskussion in der Bevölkerung, ob man weitere Angebote in
der Stadt überhaupt brauche. Man hat sich dann aber entschieden,
diesen Weg zu gehen. Die Alternative wäre der Gerberplatz
gewesen, der jetzt ja in die neue Entwicklung geht. Die damalige
Entscheidung ist für das Mühlbach-Center gefallen und
damit ist der Fußgängerbereich spürbar nach Norden
verschoben worden.
Frage:
Und wie ging es weiter?
Laule: Die nächste Entscheidung lief unter dem Arbeitsbegriff
„Focus Park“. Von 13 Hektar Schießer-Flächen
wurden neun nicht mehr gebraucht. Wir haben heute die erste Entwicklungsphase
umgesetzt. Die Gebäude wurden komplett saniert und Schießer
wurde wieder zukunftsfähig gemacht. Vor allem kam der „Seemaxx“,
dieses „Factory Outlet“ für Bekleidung, Heimtextil
und Lederwaren, mit dem Radolfzell ein Alleinstellungsmerkmal
in der Region hat. Der Sonderverkauf und Seemaxx laufen seit einem
Dreivierteljahr sehr gut. Wir spüren, dass Gäste und
Kunden in der Stadt sind, die wir ohne dieses Angebot nicht erreicht
hätten. Durch die fußläufige Achse zur Innenstadt
profitiert auch die davon. Als Einkaufsstadt werden wir damit
auch wieder stärker in der Region wahrgenommen.
Frage:
Das RIZ war in gewerblichen Bereich der
andere Akzent.
Laule: Das RIZ hat im Jahr 2002 seinen Betrieb
aufgenommen. Wir haben inzwischen dort 60 Firmen neu angesiedelt.
Das sind 400 Arbeitsplätze, was dem Gebiet der ehemaligen
Kaserne sehr gut getan hat, zum anderen aber auch der ganzen Stadt,
weil das ein modernes Angebot ist. Bedenken gab es, ob sich 15000
Quadratmeter Bürofläche mit der Stadt vertragen. Heute
kann man sagen: Das hat der Stadt wirklich gut getan! Es gab keinerlei
Verdrängungswettbewerb. Auf 1200 Quadratmeter integriert
ins RIZ ist das Existenzgründerzentrum, in dem wir 12 Firmen
haben. Wir sind also zu 90 Prozent belegt. Die ganzen Infrastrukturmaßnahmen,
die das RIZ bietet, lassen den Existenzgründer sich ganz
auf sein eigenes Geschäft konzentrieren.
Frage:
Hat das auch das Radolfzeller Sozialgefüge
verändert?
Laule: Es sind zusätzlich Arbeitsplätze im
Dienstleistungsgewerbe entstanden. Wir haben ja immer noch einen
Überhang im produktiven Bereich. Wir müssen den Strukturwandel
begleiten und Dienstleistungsarbeitsplätze neu schaffen.
Wir haben einen Zuwachs im IT-Bereich. Wir haben auch im Ausbildungsbereich
mehr zu bieten als vor der RIZ-Zeit.
Frage:
Das kulturelle Profil ist nicht nur durch
das Milchwerk geschärft worden. Wie sehen Sie da die weitere
Entwicklung für Radolfzell?
Laule:
Da muss sich Radolfzell natürlich der Konkurrenz von Singen
stellen. Konstanz können wir noch nicht beurteilen. Wir haben
kulturelle Angebote und starke Messen aufgebaut, nach dem Ausbau
des Milchwerks werden wir auch mehr Tagungen anbieten können.
Von da aus glauben wir, dass wir die Konkurrenzsituation von Singen
her aushalten können.
Hans
Paul Lichtwald
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