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 Mit Öldruckschalter auf Erfolgsweg

Porträt: Werner Messmer, Radolfzeller Unternehmer

Der Radolfzeller Ehrenbürger Werner Messmer hat viele Auszeichnungen in seinem Leben erhalten. Ehrenbürger zu sein, bedeute ihm dabei am meisten. Die Wertschätzung durch seine Mitbürger zähle für ihn noch mehr als ein Bundesverdienstkreuz. Allerdings hat er sich stets in den Dienst der Gemeinschaft gestellt. Im Gespräch mit dem WOCHENBLATT wurde bald deutlich, wie sehr der Jubilar mit seiner Heimat verbunden ist. Und das ist eben Radolfzell in erster Linie und nicht sein Geburtsort Espasingen, wo er nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft auch erstmals wieder Fastnacht gefeiert hat.


In seinem Garten auf der Mettnau genießt Werner Messmer den wohlverdienten
Ruhestand. Eigentlich wollte er Veterinär werden, doch in der Kriegsgefangenschaft reifte
ein ganz anderer Gedanke. swb-Bild: Lichtwald

Die wirtschaftlichen Wurzeln liegen ohne Frage in Radolfzell, die familiären eben in Espasingen. Und so war es auch kein Wunder, dass Messmer auch beim letzten Weihnachtstheater in Espasingen unter den Besuchern weilte. Wer Werner Messmer in seinem Haus auf der Mettnau besucht, wird schnell vom gepflegten Garten gefangen genommen. Hier sind es die Rosen, die dem Jubilar bis heute ganz besonders am Herzen liegen. Sie haben jetzt zu Blühen angefangen. Und Messmer ist stolz darauf, dass sie seit 46 Jahren diesem Garten den Glanz verleihen. Messmer steht für eine typisch deutsche Karriere des 20. Jahrhunderts. Mit leeren Händen stand der junge Mann nach der Kriegsgefangenschaft da. Und er hat dann etwas aus seinem Leben gemacht. Mehr noch: Er hat anderen Menschen Arbeit gegeben und fördert bis heute das soziale Leben in seiner Stadt.

In seiner Kriegsgefangenschaft lag für ihn ein Neubeginn: Er hatte Glück gehabt, nach der Ardennen-Offensive 1944 von den Amerikanern gefangen genommen worden zu sein. In Le Havre hatte er nochmals Glück, als Boy eines amerikanischen Captains ausgesucht worden zu sein, der ihn später sogar adoptieren wollte. Messmer lernte den „American Way of Life« kennen. Er arbeitete für die Kfz-Parks und wunderte sich, dass den Amis der Austausch der Öldruckschalter so wichtig war. Und was ausgetauscht werden muss, muss man ja auch mehrfach dann produzieren, sagte sich Messmer. Die Herstellung und der Vertrieb solcher Teile wurde später zu seiner Geschäftsidee und zur Grundlage des heutigen TRW Messmer in Radolfzell.

1949 begann die Unternehmensgeschichte durch seinen Mut und den seiner Frau Erika. Während er noch in einem Schuppen produzierte, zog er sich den größtmöglichen Kunden an Land: VW. Der heutige Konzern konnte 1947 schon wieder auf Produktion gehen und dem verkaufte er seine Variante der Öldruckschalter. Es wurde eine Erfolgsgeschichte. Wie Messmer vorgegangen war, ist ein Vorbild für Existenzgründer heute: Mit den Augen darf man ja bekanntlich klauen. Messmer hatte sich die Schalter bei den Amis genau eingeprägt. Er hat sie aus dem Gedächtnis nachgezeichnet und dann bauen lassen. Bald war er auf den Weltmärkten daheim, bis er 1973 als Vorahnung auf die Globalisierung einen starken Partner mit ins Boot nach Radolfzell nahm: TRW.

Vieles mag heute Geschichte sein: Doch ein Unternehmer als langjähriger Narrenpräsident, das hat schon etwas. Dass ein Mann segelt, ist in unserer Region durchaus naheliegend. Aber wer fördert so nachhaltig den Wassersport wie der Jubilar? Und das auch noch als ausgewiesener Pferdenarr!? Vor zehn Jahren hat Messmer der Stadt, als Mangel bestand, einen Kindergarten geschenkt. Zu Zeiten von Bürgermeister Fritz Riester hat Messmer die Kur gerettet, nachdem ein Investor abgesprungen war. Und das Radolfzeller Krankenhaus würde ohne seine Unterstützung heute so nicht da stehen. Mit Mutters Butterbrot im Köfferle ist er nach dem Krieg von Espasingen nach Wolfsburg gefahren, um seinen ersten Auftrag von VW an Land zu ziehen. Eine Erfolgsgeschichte wurde daraus, die kaum zu überbieten ist. Der Weg ist aber nur aus einem ganz einfachen Grund von Erfolg gekrönt worden. Und die Basis ist einfach harte Arbeit von ihm und seiner Frau. An Urlaub war, so Messmer, die ersten zehn Jahre nicht zu denken.

Hans Paul Lichtwald