Porträt:
Dr. Gerd Springe
Er
habe sich schon früh für das Standortmarketing in der
Region engagiert, da war Dr. Gerd Springe noch Chef von Alusingen.
Dass daraus einmal mehr werden würde, ahnte er nicht. Aber
so sei das eben mit dem kleinen Finger und der ganzen Hand, lacht
Dr. Springe. Als Vorsitzender des Singener Standortmarketings
ist er bei der Deutschlandtour dabei, weil auch hierdurch der
Name von Singen nach draußen getragen werden soll. Große
Erwartungen knüpft er auch an die Singener Stadthalle, die
durch Tagungen und Seminare sowie Messen wichtig für die
Wirtschaftsförderung werden soll.

Am
Thermometer der Welle: Dr. Gerd Springe.
Den Untergang der Welle konnte er aber nicht verhindern. swb-Bild:
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Dass
die Welle für die Innenstadt weggespült wurde, hat der
erfahrene Segler glatt weggesteckt. Geblieben sei für ihn
das Bemühen um eine lebendige Innenstadt. Da sei die Idee
der Welle ein Aspekt gewesen. Die Debatten des letzten Sommers
reflektiert er heute noch mit Erstaunen: Die Menschen hätten
nicht geglaubt, dass dieses Dach für die City tatsächlich
als Test aufgebaut werde. Und genauso seien sie überrascht
gewesen, als das Standortmarketing dann den Schlusstrich gezogen
hat und gesagt hat: Das wars dann! Der Rest ist für ihn Geschichte.
Eines sei auf jeden Fall erreicht worden, die Bürger seien
für das Thema lebendige Innenstadt sensibilisiert worden.
Das sei wirklich in allen Köpfen drin. Viele Bürger
arbeiteten heute in den Arbeitskreisen der Stadt mit. Und es werde
daraus etwas werden. Positiv sieht Dr. Springe den künftigen
Rathausplatz, der der Stadt praktisch mit der Stadthalle geschenkt
werde. Nächste Priorität hat für ihn der Bahnhofsplatz,
der unter Wert genutzt werde. Er werde nur für den Verkehr
genutzt - und das nicht unbedingt sinnvoll.
Vom
Physiker zum ersten Werbefachmann der Stadt Singen, das war ein
weiter Weg. Als Dr. Sringe 1966 nach Singen gekommen sei, habe
er von wirtschaftlichen Fragen noch keine Ahnung gehabt. Fasziniert
hat ihn die Kundenorientierung der Aluminium mit dem engen Verhältnis
von Verkäufer und Kunden. Das sei extrem für ein Unternehmen
gewesen, das eigentlich bei Rohstoffen tätig sei. Das habe
ihn sehr beeindruckt. Er sei dann auch viel direkt bei Kunden
draußen gewesen und sei auch gerne von den Verkäufern
mitgenommen worden, da er als Labormann eigentlich der ideale
Partner für Kundenberatung war. Für Dr. Springe war
dies die Initialzündung, sich um mehr als nur den technischen
Teil zu kümmern. Er wollte seinen Horizont erweitern und
wurde darin auch von seinen Chefs gefördert, sagt er im Gespräch
mit dem Wochenblatt.
Die
Krise der 90er Jahre ist für Dr. Springe kein Spezifikum
Singener Betriebe. Die Technologien, die Ende des 19. Jahrhunderts
bei den Betriebsgründungen entwickelt worden seien, hätten
einfach nicht mehr für den Markt des kommenden Jahrtausends
ausgereicht. Die Unternehmen hätten neue Produkte gebraucht
und dabei die Kosten senken müssen. Zudem war der Umbau von
gewaltigem Ausmaß, weil die Arbeit vieler angelernter Arbeiter
in der Produktion moderner Maschinen aufging. Das alles sei bei
der Alu nur durch etappenmäßigen Schritten möglich
gewesen. So habe es am Standort Singen auch nicht jene brutale
Einschnitte gegeben, wie sie später andernorts vollzogen
worden seien.
Hätte
Singen über die SinTec-Förderung hinaus mehr Landeshilfe
während dieser Krise bekommen müssen? Verschmitzt lächelt
Dr. Springe: Für das neue B 4 habe die Alu damals auch Landesmittel
bekommen, dafür hätte sich Lothar Späth als Fraktionsvorsitzender
der CDU nach einem Besuch in Singen eingesetzt. Das sei zwar nicht
existenzentscheidend gewesen, merkt Dr. Springe an. Er hofft,
dass sich die Folgen des Altana-Verkaufs mittelfristig für
Singen in Grenzen halten. Singen in Zukunft? Die hohe Zentralität
käme entscheidend von der Zahl der Arbeitsplätze und
der Einpendler her. Das Image als Arbeitgeber der Region müsse
sich Singen erhalten. Und die bestehenden Betriebe müssten
gepflegt werden. Einen moderaten Zuwachs verspricht sich Dr. Springe
von neuen Dienstleistern, wie sie auch durch den Hegau-Tower nach
Singen kämen.
Hans
Paul Lichtwald
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