Porträt:
Gewerbegebiet in Hilzingen
Was
sollte Hilzingen mit einer Autobahnausfahrt anfangen? Bedenkenträger
gab es Anfang der 80er Jahre ein Menge, als die Fortsetzung der
A81 in Richtung Schweiz geplant wurde, die bis dahin in Singen
endete und dort mit schöner Regelmäßigkeit zu
Staus führte. Würde auch Hilzingen von einer Verkehrslawine
überrollt. Bei Bürgerversammlungen machte sich sogar
der damalige Landrat Dr. Robert Maus für die Autobahnausfahrt
stark, er wurde seinerzeit mit »Maus raus«-Rufen empfangen.
Der damalige Bürgermeister Hermann Keller wollte die Autobahnausfahrt,
denn er plante noch etwas anderes für die Gemeinde. Ein Gewerbegebiet
sozusagen mit direkten Anschluss an diese Autobahn, auch ohne
irgend eine Brücke dazwischen.

Mit
direktem Autobahnanschluss wurde das Hilzinger Gewerbegebiet über
20 Jahre zum
Erfolgsmodell. Jetzt fehlt noch die Datenautobahn für das
Gewerbe. swb-Bild: of
Die
Autobahnausfahrt kam 1988, zu diesem Zeitpunkt war auch das Gewerbegebiet
schon erschlossen. Und schon zwei Jahre später führte
die Autobahn weiter, an Hilzingen vorbei durch den Heilsbergtunnel
nach Bietingen, wo dann die Staus der Lastwagen vor der Zollanlage
standen. Zuvor hatte der Bau des Hohenwieltunnels bei Hilzinger
Twiefeld noch für spektakuläre Funde aus der Frühzeit
des Hegaus gesorgt, ein zusätzlicher Segen des Straßenbaus.
Das
17 Hektar große Gewerbegebiet Gießwiesen wurde schnell
zur Erfolgsgeschichte für die Gemeinde Hilzingen und der
Anfang 1988 in Hilzingen ins Amt gekommene neue Bürgermeister
Franz Moser konnte schnell die hier ausgebrachte Saat zur Ernte
führen, innerhalb von nur zehn Jahren hatten sich hier zahlreiche
Unternehmen angesiedelt, das waren zum einen Eigengewächse
aus der Gemeinde, die hier die Chance zur weiteren Entwicklung
nutzen, das waren aber auch nicht wenige Unternehmen aus der Nachbarstadt
Singen, die dort an Grenzen gestoßen waren und dort für
sich keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten sahen. So kam
Hilzingen zu manchem prosperierenden Mittelständler wie etwa
die Unternehmen Spaun oder Renfert. Bürgermeister Franz Moser
hatte die Gewerbeentwicklung in der Gemeinde zur Chefsache erklärt
und bemühte sich, diese Entwicklung weiter zu forcieren.
Ein vielfältiger Branchenmix entstand, der sich als krisenfest
erweisen sollte. Zehn Jahre später wurde gleich im Anschluss
an das inzwischen fast vollständig bebaute Gewerbegebiet
Gießwiesen auf dem Gewann »Breiter Wasmen« auf
weiteren 15 Hektar Gewerbeflächen gesorgt, die sich bislang
auch einer recht großen Nachfrage erfreuten, auch wenn der
Boom angesichts der Wirtschaftsflauten der ausgehenden 90er Jahre
und Anfang des neuen Jahrtausends nicht mehr ganz so beeindruckend
war.
Vom
Architekturbüro über die Druckerei, hochspezialisierte
Automobilzulieferer, Stahlbauunternehmen, mehrere Schreinereien,
Lackierbetriebe, Autohäuser, Dentalunternehmen bis zur Zoohandlung
und vielen Dienstleistern reicht die Palette. Die Bilanz, die
Franz Moser nach 20 Jahren ziehen konnte, ist beachtlich: 80 Firmen
wurden in dieser Zeit in dem Gewerbebiet angesiedelt. Das bedeutet
die Schaffung von rund 1.100 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen
für Hilzingen, die es als einzige Gemeinde im ganzen Landkreis
schaffte, die Zahl der Arbeitsplätze zu erhöhen nicht
nur zu sichern. 400 Personen fahren von den umliegenden Gemeinden
nach Hilzingen um zu arbeiten. Allerdings hat Hilzingen selbst
trotzdem noch rund 2.000 Auspendler, die zumeist im benachbarten
Singen arbeiten. Eine ähnliche erfolgreiche Entwicklung konnte
im Kreis nur noch Steißlingen und Stockach vorweisen.
Wie
sich das Gewerbe selbst organisiert, das brauchte etwas länger.
Nach vielen Jahren der Diskussion brauchte es bis Anfang 1999,
als endlich zu einer Gründungsversammlung geschritten werden
konnte. 46 Unternehmen waren von Anfang an dabei, inzwischen hat
der Verein über 70 Mitglieder. 2005 wurde die erste Gewerbeschau
in den beiden Gewerbegebieten durchgeführt, der gleich ein
Jahr später die zweite Auflage folgte. Dabei konnten besonders
die Handwerksunternehmen ihre Vernetzungen darstellen, die für
Kunden einen Komplettservice gerade um Bau- und Ausbaubereich
bieten können. Dass eine Autobahnausfahrt im angehenden 21.
Jahrhundert alleine nicht mehr reicht, und dass zwanzig Jahre
im Bereich des elektronischen Datenverkehrs gleich mehrere Epochen
bedeuten, macht allerdings die derzeitige Forderung nach einer
leistungsfähigen Datenautobahn aus den Reihen des Hilzinger
Gewerbes deutlich, das sich, in diesem Falle fernab des Knotens
Singen, ins Abseits gestellt sieht und dadurch massive Wettbewerbsnachteile
für sich ausmacht. Das ist die Herausforderung für die
Wirtschaftsförderung in Hilzingen für die nächste
Zukunft!
Oliver
Fiedler
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