Porträt:
Josef Edbauer und der Automobilguss in Singen
Bodenständig
ist Josef Edbauer stets geblieben. Das gilt für seine Verbundenheit
mit der Georg- Fischer AG genauso wie für den Fußball.
Derzeit trainiert er die A Jugend Aach. In dieser Mannschaft spielt
sein Sohn. In der Jugend des FC Singen wurde er groß, in
Schlatt spielte er später in der A-Klasse, dann in Aach,
wo er auch die 1. Mannschaft trainierte. Zu seinen Wurzeln ist
er immer wieder zurückgekehrt, so auch nach drei Jahre Tätigkeit
in Lincoln in England. Seit 1999 war er Geschäftsführer
am Standort Singen, seit 2005 ist Schaffhausen sein Sitz. Er kennt
den Singener Betrieb von der Pike auf. Und es habe sich unheimlich
viel geändert. Hunderte von Schleifern leisteten früher
Handarbeit, heute habe der Betrieb nur noch fünf pro Schicht.
Härteste Arbeit war früher im Eisenguss zu leisten,
doch dann hat das Unternehmen Rieseninvestitionen in die Umwelttechnologie
und damit verbunden in die Arbeitsabläufe gesteckt. Guss
aus Singen, das ist heute ein High-Tech-Produkt, unterstreicht
Edbauer.

as
war einer seiner großen Auftritte: Josef Edbauer (links)
erklärt dem damaligen
Ministerpräsident Erwin Teufel im Beisein der Landtagsabgeordneten
die
Probleme der Georg Fischer AG am Standort Singen. swb-Bild: Lichtwald
Höchste
Qualität sei gerade im Automobilbereich gefordert. Zudem
habe sich Singen auf die Herstellung einbaufertiger Komponenten
spezialisiert. Fertigungstiefe ist hier zum Ziel geworden. Und
in Singen werde weiter investiert: Vier Millionen Euro fließen
derzeit in Bearbeitungsmaschinen und fünf Millionen Euro
nochmals in die Farbgebungstechnologie.
Singen
werde in diesem Jahr die 200 000-Tonnen-Marke überspringen,
sagt Edbauer. Und: In den letzten sechs, sieben Jahren habe Singen
die Produktion verdoppelt. Am Standort Singen könne man rundum
stolz sein, ist sein Fazit. Edbauer weiß, dass er im Unternehmen
gute wie schlechte Zeiten erlebt hat. Dass die Belegschaft in
Singen in den letzten zehn Jahren konstant gehalten werden konnte,
sieht er als großen Erfolg, denn die Zeichen standen davor
schon anders. Er lobt das Miteinander hier, das im Haustarifvertrag
seinen Niederschlag gefunden habe. Ohne die spezifischen Singener
Konditionen wäre der Erfolg nicht erreichbar gewesen: Drei
Schichten mit Wochenendarbeit zeigen die Auslastung des Betriebs.
Das
alles habe aber Konsequenzen für die Mitarbeiter und ihren
Ausbildungsstand. Jene, die früher mit dem Vorschlaghammer
Gussteile bearbeitet hätten, müssten heute Roboter bedienen
können. Es seien ganz andere Situationen, wenn sie heute
Qualitätskontrollen durchführen müssten. Bei den
Sicherheitsteilen, die hier hergestellt würde, akzeptiere
der Kunde keinen Fehler.
Und
wie hat sich die Stadt der Zeit entwickelt? Edbauer sagt, sie
habe sich schon extrem positiv entwickelt. Singen sei immer die
Industriestadt gewesen, doch durch die Gestaltung der Innenstadt
und das Konzept des Einzelhandels sei sie attraktiv geworden.
In Aach wohne er ja sehr zentral und habe überall hin ähnliche
Wege: »Meine Frau und meine Kinder gehen alle nach Singen
einkaufen.«
Man
müsse aber weiter zur Kenntnis nehmen, dass Singen weiterhin
von der Großindustrie geprägt wird. 6500 Menschen arbeiteten
dort. Gehe man von drei Personen pro Familie aus, dann lebten
rund 20 000 Menschen immer noch von dem, was sie hier verdienen.
Zwischendrin habe man schon das Gefühl gehabt, dass Singen
für die Großindustrie nicht mehr so attraktiv als Standort
sei. Aber das habe sich ja inzwischen wieder gründlich geändert.
Kein
Zweifel sei, dass Baden-Württemberg immer noch die höchsten
Lohnkosten habe. Ohne Zugeständnisse der Mitarbeiter hätten
Investitionen in Singen in den letzten Jahren nicht stattgefunden.
Wichtig ist aber auf jeden Fall der Nachwuchs für das Unternehmen.
Auf die Ausbildung hat GF immer schon gesetzt. 18, 19 Lehrlinge
wurden pro Jahr neu eingestellt. Dass Ingenieure in Deutschland
Mangelware sind, ist auch in Singen spürbar. Das beruht auch
auf der regionalen Verteilung der Gießereien in Deutschland.
GF ist im Süden fast schon ein Unikat. Edbauer verweist da
auf die Konstanzer Fachochschule als Turm in der süddeutschen
Ausbildungsschlacht. Schließlich hat diese seine Karriere
damals auch möglich gemacht.
Hans
Paul Lichtwald
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