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 Qualität, Freundlichkeit und Sauberkeit

Porträt: Rolf Riemensperger, statt Ruhestand zwei Raststätten

Rolf Riemensperger hat diese Landschaft gastronomisch geprägt. 1948 begann er seine Ausbildung zum Koch als damals 14- jähriger, ab 1957 war er selbstständig. Er führte die »Goldene Kugel« in Singen in den 60er Jahren zu richtigem Glanz und machte sie zu einem wichtigen Treffpunkt und baute danach sein Unternehmen »Ro- Ri« zunächst von Hilzingen, später mit Standort Engen zu einem regionalen Mittelständler auf. Und 1995 verkaufte er dieses Unternehmen, das damals 185 Mitarbeiter zählte und die Werkskantinen im weiten Umkreis betrieb, an die damalige Swissair-Tocher »restorama«. Der Erlös sollte zur Erfüllung eines Traums werden, dem Bau einer Autobahnraststätte. Es wurden zwei. 1998 wurde »Hegau West« bei Engen als erste privat finanzierte und betriebene Raststätte in Deutschland eröffnet, 2004 folgte »Hegau Ost« mit Hotel. Beide wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet. Rolf Riemensperger erinnert sich.


Rolf Riemensperger, im Bild mit seinen Töchtern Iris und Anja, beim Stadthallen-
Baustellenfest hat sich mit den Raststätten bei Engen einen Traum erfüllt. swb-Bild: of

Frage: Herr Riemensperger, Sie haben im Laufe ihres Arbeitslebens mehrere Unternehmen erfolgreich aufgebaut, haben »Ro-Ri« zu einem großen Mittelständler gemacht. Was hat Sie auf die Idee gebracht dieses erfolgreiche Unternehmen zu verkaufen um eine Raststätte zu bauen?
Rolf Riemensperger:
Die Autobahnraststätte war schon ein großer Traum von mir. Und seit ich in Engen war und ich wusste, dass hier einmal Autobahnrastätten gebaut werden sollen, habe ich mich ständig bei Tank & Rast und bei der Bundesregierung bemüht eine Konzession dafür zu bekommen.

Frage: Es war aber bislang nicht möglich, dass ein privates Unternehmen eine Raststätte baut und betreibt. Sie brauchten einen sehr langen Atem dafür.
Riemensperger:
Bundeskanzler Kohl und die damalige Bundesregierung haben es möglich gemacht, einmal eine private Raststätte bauen zu lassen um mal feststellen zu lassen, ob ein Privater das in einem anderen Stil aufziehen kann. Frage: Sie haben damals einige Helfer gehabt, die sie unterstützt haben. Riemensperger: Der Bundestagsabgeordnete Repnik und der damalige Landrat Maus haben ihr Votum für mich abgegeben. Zudem kam hinzu, dass »Mövenpick« damals abgelehnt hat, in dieser Region zu investieren.

Frage: Da wurde sicher vorab ein möglicher Erfolg errechnet. Haben sie andere Maßstäbe angesetzt?
Riemensperger:
Ich habe gesagt, wenn man Qualität, Freundlichkeit und Sauberkeit, die man bislang an den Raststätten vermisst hat, zusammen paart, dann kann die Investition nicht schlecht werden. Zudem hatten wir den Vorteil, dass unsere Raststätte von den umkreisenden Ortschaften von hinten angefahren werden kann. Wir hatten im ersten Jahr bis zu 50 Prozent Gäste aus der näheren Umgebung.

Frage: sie haben ja schon beim Bau Wert auf eine sehr hohe Qualität gelegt mit einem Architektenwettbewerb, sie haben sehr hochwertig investiert. Wie schnell hat sich der wirtschaftliche Erfolg dieser Raststätte eingestellt?
Riemensperger:
Wir hatten im ersten Jahr schon wirtschaftlich Erfolg und vom ersten Jahr ab schon Gewinne gemacht. Das hat uns auch dazu veranlasst, unseren Mitarbeitern zehn Prozent von unserem Gewinn abzugeben.

Frage: Wie war das Echo auf der Fachwelt nach der Eröffnung?
Riemensperger:
die Kollegen von den anderen Raststätten haben alle gesagt, das wäre eine Fehlinvestition an einer Autobahn, an der nicht viele Autos fahren. Aber wir haben schnell gesehen, dass man andere Raststätten links liegen ließ, und bis zu uns durchgefahren ist. Nachdem der ADAC im zweiten Jahr nach der Eröffnung und schon die Auszeichnung für Europas beste Raststätte vergab und wir über Fernsehen und Funk überall bekannt wurden, war natürlich der große Durchbruch geschafft.

Frage: Deshalb haben sie gleich mit Hegau Ost gegenüber nochmals eine Raststätte gebaut?
Riemensperger:
Jetzt hatte das Land das Recht die Konzessionen zu vergeben. Wir konnten uns bei der Ausschreibung mit unseren Konzept durchsetzen. Frage: Ist hier der Erfolg genauso schnell eingetreten? Riemensperger: Der Erfolg ist ein anderer geworden. Man hat mir geraten, um Gottes Willen keine 30 Zimmer zu bauen - wir liegen aber derzeit bei einer Auslastung von 77 Prozent. Wir haben gleich im ersten Jahr die Auszeichnung als beste Raststätte Europas bekommen, da war der Weg nicht mehr schwierig. Was sich auch irrsinnig entwickelt hat, sind die Tagungen an der Autobahn. Das Highlight, war dann noch, dass die Rotarier die Raststätte als Clublokal aussuchten.

Frage: Und der 73-jährige Unternehmer denkt noch nicht ans Aufhören?
Riemensperger:
Nein. Darum haben wir uns auch um die Gastronomie in der neuen Stadthalle Singen bemüht. Wir investieren dort rund 200.000 Euro in die Einrichtung und hoffen, dass wir das dort so erfolgreich gestalten können wie hier. Dabei unterstützen mich natürlich unsere Töchter Iris und Anja, mein Geschäftsführer Ehinger und Frau Rösch, die seit 25 Jahren bei uns ist.

Das Gespräch führte Oliver Fiedler