Porträt:
OBI eroberte ab 1977 eine neue Kundenschicht
In
dem Jahr, als das Wochenblatt seinen 10. Geburtstag feiern konnte,
brach eine neue Ära an. Der erste Obi-Markt in der weiteren
Region, es war der 25. bundesweit, der das Konzept aufgenommen
hatte und damals durch die schnelle Umsetzung der 21. bundesweit,
der eröffnen konnte. Erfunden hat das Franchising- Konzept
der OBI-Baumärkte der Bruder von Altlandrat Dr. Robert Maus,
Manfred Maus zusammen mit Dr. Emil Lux, die im Jahr 1970 ihren
ersten Baumarkt mit dem Biber als Markenzeichen in Hamburg eröffnen
konnten und dessen Namen ein Kunstwort ist, nämlich die franösische
Aussprache von »Hobby«. Inzwischen gibt es bundesweit
340 OBIBaumärkte und Singen hat seinerzeit gewiss noch eine
Pionierrolle übernommen. Daran erinnert sich der Geschäftsführer
von OBI in Singen, Raimund Hußlein.

Raimund
Hußlein ist seit 30 Jahren Geschäftsführer des
OBI-Baumarkts in
Singen. Er betrat damals Neuland für die Region mit dem Fachmarkt.
swb-Bild: of
Frage:
Gab es eine Lücke, die Sie mit ihrem
damals neuartigen Fachmarkt für Hobbyhandwerker füllen
wollten? Bestand ein Mangel an irgendwelchen Produkten?
Raimund Hußlein: Einen Mangel zur damaligen Zeit
habe ich nicht erkannt. Es waren eigentlich Einzelhandelsgeschäfte
vorhanden, die die jeweiligen Waren führten. Die neue Idee
war einfach alles unter einem Dach anbieten zu können. Es
sollte das Fachgeschäft für den Heimwerker werden. Es
war anfangs mit den Handwerkern schwieriger als heute, sie haben
geglaubt, dass wir ihnen Kunden wegnehmen über dieses Selbermachen.
Das hat sich aber schnell entspannt.
Frage:
Wie groß war der erste OBI und welches
Sortiment konnte man dort finden?
Hußlein: Der erste OBI in der Industriestraße
war 1.500 Quadratmeter groß. Das Hauptsortiment waren damals
Farben, Tapeten, Eisenwaren, Holz und am Rande Sanitärartikel.
Die Heimwerkerbewegung hat in den Nachkriegsjahren begonnen mit
dem Tapezieren. Das waren die ersten Heimwerkerarbeiten, die die
Menschen in ihrem Eigentum gemacht haben. Entwickelt hat sich
speziell im Singener Süden - hier wurden viele Häuser
vor dem Krieg oder in den ersten Nachkriegsjahren gebaut - das
Selbststreichen der Fassaden. Es wurden enorme Mengen an Fassadenfarben
in den Anfangsjahren benötigt. So kam das ganze schnell ins
Rollen. Die Industrie reagierte schnell auf diesen neuen Markt
und hat immer mehr Produkte für den Heimwerker auf den Markt
gebracht. Vor 35 Jahren gab es beispielsweise keinen Fliesenkleber,
da musste die Fliese mit Mörtel an die Wand gebracht werden
und das konnte ein Heimwerker natürlich nicht. Auf einmal
gab es Fliesenkleber und glatte Rigipsplatten, die das ganze auf
einmal sehr einfach für den Laien machten. Das hat der Heimwerker
auf Anhieb fertig gebracht.
Frage:
Es wurde im Prinzip mit den Baumärkten
ein völlig neuer Markt und ein neuer Kundenkreis entwickelt?
Hußlein: Ja, so ist das. Heute gibt es vor keinem
Bereich Berührungsängste mehr. Weder von Männern
noch von Frauen. Frauen sind oftmals noch viel geschickter bei
Schönheitsreparaturen oder kreativer Gestaltung.
Frage:
Der Platz wurde schnell eng. Sie mussten
in mehreren Schritten erweitern und konnten zur Jahrtausendwende
nach langer Vorplanung einen neuen OBI Markt an der Georg-Fischer-Straße
mit 10.000 Quadratmetern eröffnen. Sind damit die Grenzen
erreicht?
Hußlein: Die Region ist mit Sicherheit mit den
beiden Baumärkten in Singen gut abgedeckt. Eine größere
Fläche wäre aus wirtschaftlichen Gründen nicht
mehr sinnvoll. Unsere Kunden sind vor allem Menschen mit Eigentum,
die ihren Wert erhalten wollen. Der Neubaukunde wird erst nach
sieben Jahren ein OBI-Kunde, wenn erste Reparaturen anstehen oder
Umgestaltungen vorgenommen werden sollen.
Frage:
Spielt die Präsenz des Baumarkts eine
sehr große Rolle für die Zentralität der Einkaufstadt
Singen.
Hußlein: Ja. Der Einzugsbereich umfasst rund 25
Kilometer oder 20 Minuten Fahrzeit. Auch der Anteil der Schweizer
Kunden spielt mit rund 15 bis 18 Prozent eine sehr große
Rolle.
Oliver
Fiedler
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