Porträt:
Walter Fröhlich
Wenn
man an Mundart denkt in unseren Breiten, dann denkt man gleich
an Walter Fröhlich. Insgesamt über 1250 Mundartkolumnen
hat der zunächst unter dem Pseudonym Urban Klingele und dann
als Wafrö im WOCHENBLATT veröffentlicht und damit diese
Zeitung zur umfangreichsten Publikation allemannischer Mundart
im ganzen Südbadischen Raum gemacht. Walter Fröhlich,
der Anfang dieses Jahres aus Anlass seines 80. Geburtstags die
Bürgermedaille der Stadt Singen erhielt, der für seine
Verdienste um die Mundart bereits 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet wurde und der sich rühmen kann, die Landesverdienstmedaille
erhalten zu haben. Walter Fröhlich hat die Identität
dieser Landschaft durch die Sprache und ganz besondere »Dialektik«
- sprich Lebensart - wie kaum ein anderer geprägt und das
hat dem WOCHENBLATT gut getan wie es Wafrö gut getan hat.

Walter
Fröhlich schreibt seit 25 Jahren Mundart im Wochenblatt und
hat die
Sprache der Heimat zum Kulturgut für alle gemacht. swb-Bild:
of
Frage:
Sie haben Singener Narrenspiegel mit Versen
bedacht und hatten Ihre Kolumne im damaligen »Schwarzwälder
Bote «, was führte Sie als Vorkämpfer einer kultivierten
Mundart zum Wochenblatt?
Walter Fröhlich: Der Ursprung der Kolumnen war Walter
Fröhlichs »würziges Wochenragout « im Schwarzwälder
Boten gewesen. Begonnen hat das mit dem Wochenblatt mit einer
Rubrik »Alemannisch für Anfänger«, die durch
die Initiative des damaligen Redakteurs Heiner Schmidt im Wochenblatt
erschien und sich jeweils einem Buchstaben des Alphabeths widmete.
Weil es so viel Resonanz darauf gab, wurde die Tradition begonnen,
aus meinen Versen und Gedanken Bücher zu machen, es ist ja
inzwischen über ein Dutzend geworden. Und vom »Alemannisch
für Anfänger« wurden inzwischen weit über
50000 Bücher verlegt. Nach einigen Wochen hatten wir damals
allerdings das Alphabet durch. Da wurde die Kunstfigur Urban Klingele
geboren. Das war eher eine Art Schutz für mich, denn ich
bin ja in Konstanz aufgewachsen, habe also den Konstanzer Dialekt
gelernt und hatte die ganz große Befürchtung, dass
man mich damit im Hegau nicht ernst nehmen würde. Nach ein
paar Folgen im Wochenblatt fragten sich sehr viele Menschen, wer
dieser Urban Klingele denn nun sei. Das erfreulichste für
mich war, dass ich auf einer Vernissage meines Freundes Bruno
Epple war und er mich anstieß und fragte: »Wer ist
dieser Urban Klingele mit seinen guten Mundarttexten, den möchte
ich gerne kennen lernen.« Da konnte ich ihm ganz getrost
sagen, dass Urban Klingele jetzt gerade vor ihm steht. Weil »Urban
Klingeles saudumme Gosch« aber auch ein Stück Programm
war, nämlich über die Mundart manches ein wenig hochzunehmen,
blieb das Pseudonym für die Öffentlichkeit noch eine
ganze Weile bestehen. Nach ein paar Jahren wurde Wafrös alemannische
Dialektik daraus, auch da ist der Doppelsinn des Worts »Dialektik«
mein Programm.
Frage:
1000 mal was gutes zu schreiben, mit dem
man zufrieden ist, das ist wahrscheinlich unmöglich?
Wafrö: Es gab einige Unterbrechungen, aus gesundheitlichen
Gründen, die notwendig waren. Das schlimmste ist natürlich
das weiße Blatt Papier auf dem man beginnen muss mit schreiben.
Vor allen Dingen geht es ja darum, jede Woche etwas abzuliefern.
Manchmal sind es gerade die Folgen, von denen ich meine, sie seien
mir eigentlich nicht so gut gelungen, auf die ich die größten
Reaktionen bekomme. Und Briefe von treuen Lesern gibt es sehr
viele auf meine »Dialektik« aus der ganzen Welt, sogar
ins Norddeutsche wird es von einer Frau übersetzt. Die Hegauer
und Alemannen in Amerika und der ganzen Welt können den Wafrö
über das Wochenblatt sogar im Internet lesen. Der Dialekt
in der Dialektik, das ist für viele Menschen, die aus dieser
Gegend stammen oder ihre Vorfahren hier haben auch eine wichtige
Brücke in die Heimat.
Frage:
Gibt es nicht manchmal schlaflose Nächte,
wenn sie eine neue Folge schreiben wollen?
Wafrö: Schlaflose Nächste sind es eigentlich
weniger, manchmal gab es schon Einschlafschwierigkeiten. Es ist
aber schon manchmal so, dass mir plötzlich etwas einfällt.
Und weil ich es ganz bestimmt nicht vergessen möchte, stehe
ich dann lieber in der Nacht auf und schreibe es gleich auf, damit
ich es nicht wieder vergesse. Es gibt natürlich auch richtige
Sternstunden, in denen mich einfach die Muße küsst.
Frage:
Eigentlich könnten sie sich ja jetzt
mit 80 Jahren auch in Ruhe zurücklehnen und ihren Erfolg
genießen. Denken sie über einen schriftstellerischen
Ruhestand nach?
Wafrö: Das bestimmt nicht. Wafrös alemannische
Dialektik ist eine Art Gehirnjogging für mich. Die Anforderung,
nach wie vor jede Woche eine neue Folge zu schreiben, hält
mich geistig fit. Und solange es meine geistige Gesundheit zulässt
werde ich auch gerne weitermachen. Bis mich eines Tages dann Briefe
erreichen, in denen steht »s’ wird Zeit, dass du aufhörst...«
Frage:
Sie wurden 80 Jahre, ehe sie sich an einen
Computer setzten.
Wafrö: Ich habe sehr lange Zeit auf einer mechanischen
Schreibmaschine gearbeitet. Einen Computer wollte ich wirklich
lange nicht, bis ich ihn im Januar zum Geburtstag bekam. Nun möchte
ich ihn mein Laptop nicht mehr missen, denn es ist eine tolle
Sache darauf zu schreiben.
Oliver
Fiedler
|

|