Unsere Zeitung
Im lokalen liegt die Zukunft
Porträts
Porträts L bis Z
Sonstige Porträts
15 Jahre Frauenhaus in Singen
Ärztehaus war 1973 revolutionär
Die Höri - Die Kultur für die Halbinsel
Gewerbegebiet in Hilzingen
Kampf gegen die Drogen in den 70er Jahren
Der Politische Nachwuchs im Interview
Singener Ökumene - Klima hat sich für Christen verbessert
Wohlfahrtsverbände - Aufgaben- und Imagewandel
Aus der Welt der Politik
Region Singen damals und heute
Der Hegau damals und heute
Region Radolfzell damals und heute
Region Stockach damals und heute
Aus der Wirtschaft

 Die jungen Abgeordneten

Porträt: Der politische Nachwuchs im Interview

Der Kreis Konstanz wird durch drei junge Bundestagsabgeordnete in Berlin vertreten. Wochenblatt sprach mit Birgit Homburger (FDP), Peter Friedrich (SPD) und Andreas Jung (CDU) über Politik und das, was machbar ist.

Wir stellten den drei Abgeordneten jeweils folgende Fragen:

1) Welche Themen der Region werden in Berlin behandelt?

2) Ist es schwierig, die Interessen des Landkreises zu vertreten?

3) Was sind die großen Herausforderun- gen der kommenden Jahre?

4) Sind die 1960er und 70er Nostalgie oder nehmen Sie Inhalte mit auf den politischen Weg?


PETER FRIEDRICH:
1) Mir fällt kein Thema ein, das in Berlin nicht behandelt würde. Bildung, Arbeit, Energie, Verkehr und Flugraum, Beziehungen zur Schweiz etc. Und wenn nicht, ist es meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass es auf die Tagesordnung kommt.

2) In letzter Zeit ist es uns gut gelungen, die Interessen zu bündeln. Das ist wichtig: sei es bei den Verkehrsprojekten, beim Atomendlager Benken, beim Klimaschutz: wenn wir Einigkeit in der Region erzielen, kommen wir auch in Berlin oder Stuttgart vorwärts. Ich wünsche mir, dass wir in mehr Bereichen diese Einigkeit schaffen.

3) Globalisierung, Klimawandel und die alternde Gesellschaft treffen auch uns voll. Das Gute ist: wir haben die besten Chancen, diese Aufgaben zu bewältigen. Wir könnten die erste Region sein, die sich vollständig mit erneuerbaren Energien selbst versorgt. Wenn wir uns als Gesundheitsregion entwickeln, können wir gerade für ältere Menschen höchste Lebensqualität bieten. Das schafft auch Arbeitsplätze. Und wir müssen eine technische Innovationsregion sein, wozu wir mit den Unternehmen unserer Region und den Schulen und Hochschulen in der Lage sind.

4) Inhaltsleere Politik ist Show, dafür bin ich ungeeignet. Politik ist komplexer geworden, gerade deswegen sind klare Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität unverzichtbar.


BIRGIT HOMBURGER (FDP):

1) Besonders eine verbesserte Verkehrsanbindung der Region (u.a. B 33, Gäubahn) steht immer wieder auf der Tagesordnung. Auch der Fluglärmstreit ist Dauerthema.

2) Wer im Konzert regionaler Interessen in Berlin gehört werden will, muss sich anstrengen. Daher ist es wichtig, dass die örtlichen Abgeordneten gut zusammenarbeiten und die regionalen Themen gemeinsam voranbringen. Das klappt bei uns gut.

3) Deutschland muss zukunftsfähig gemacht werden, dazu gehören u. a. wirksame Reformen im Steuer-, Arbeitsmarktund Pflegebereich sowie eine Generationenbilanz.

4) Die Herausforderungen für unsere Region und Deutschland haben sich gewandelt. Deshalb sind die Ideen von damals heute nicht mehr einfach übertragbar.


ANDREAS JUNG:

1) Exemplarisch drei Schwerpunkte: Der Einsatz für die Finanzierung der B 33 und weiterer Infrastrukturprojekte im Kreis. Zweitens bringe ich in der »Begleitkommission Benken« kritische Fragen zu einem möglichen Schweizer Endlager ein. Drittens habe ich mich - bisher erfolgreich - gegen eine Privatisierung der Flugsicherung gestellt und kämpfe dafür, dass der Schweizerischen Skyguide die Verantwortung für die Sicherheit im Flugverkehr über deutschem Gebiet entzogen wird.

2) Jeder Abgeordnete versucht, das Beste für seine Region zu erreichen. Da braucht es gute Argumente und starkes Engagement. So ist es gelungen, entgegen dem ursprünglichen Entwurf die Mittel für den Baubeginn der B 33 sicherzustellen. Mir ist wichtig, die Interessen unserer Region in den deutschschweizerischen Fragen zu vertreten.

3) Arbeitsplätze bleiben zentrale Aufgabe der Politik. Im Kreis müssen wir Ersatz für Arbeitsplätze schaffen, die bei den Großunternehmen wegfallen. Besonders wichtig ist dabei der Mittelstand. Mit den Projekten »Konjunktur durch Natur« und »Breitband aufs Land« will ich einen Beitrag für neue Jobs im Kreis Konstanz leisten. Außerdem müssen wir Reformen für mehr Nachhaltigkeit im Umweltschutz, im Haushalt und bei den Sozialsystemen durchsetzen.

4) Wir leben heute in einer anderen Zeit mit anderen Herausforderungen. Eine entscheidende Frage ist, wie es gelingen kann, im Zeitalter der Globalisierung im internationalen Wettbewerb zu bestehen und gleichzeitig unsere Grundwerte wie die Würde des Menschen und die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft zu sichern.

Johannes Fröhlich