Porträt:
Der politische Nachwuchs im Interview
Der
Kreis Konstanz wird durch drei junge Bundestagsabgeordnete in
Berlin vertreten. Wochenblatt sprach mit Birgit Homburger (FDP),
Peter Friedrich (SPD) und Andreas Jung (CDU) über Politik
und das, was machbar ist.
Wir
stellten den drei Abgeordneten jeweils folgende Fragen:
1)
Welche Themen der Region werden in Berlin behandelt?
2)
Ist es schwierig, die Interessen des Landkreises zu vertreten?
3)
Was sind die großen Herausforderun- gen der kommenden Jahre?
4)
Sind die 1960er und 70er Nostalgie oder nehmen Sie Inhalte mit
auf den politischen Weg?

PETER
FRIEDRICH:
1) Mir fällt kein Thema ein, das in Berlin nicht behandelt
würde. Bildung, Arbeit, Energie, Verkehr und Flugraum, Beziehungen
zur Schweiz etc. Und wenn nicht, ist es meine Aufgabe dafür
zu sorgen, dass es auf die Tagesordnung kommt.
2)
In letzter Zeit ist es uns gut gelungen, die Interessen zu bündeln.
Das ist wichtig: sei es bei den Verkehrsprojekten, beim Atomendlager
Benken, beim Klimaschutz: wenn wir Einigkeit in der Region erzielen,
kommen wir auch in Berlin oder Stuttgart vorwärts. Ich wünsche
mir, dass wir in mehr Bereichen diese Einigkeit schaffen.
3)
Globalisierung, Klimawandel und die alternde Gesellschaft treffen
auch uns voll. Das Gute ist: wir haben die besten Chancen, diese
Aufgaben zu bewältigen. Wir könnten die erste Region
sein, die sich vollständig mit erneuerbaren Energien selbst
versorgt. Wenn wir uns als Gesundheitsregion entwickeln, können
wir gerade für ältere Menschen höchste Lebensqualität
bieten. Das schafft auch Arbeitsplätze. Und wir müssen
eine technische Innovationsregion sein, wozu wir mit den Unternehmen
unserer Region und den Schulen und Hochschulen in der Lage sind.
4)
Inhaltsleere Politik ist Show, dafür bin ich ungeeignet.
Politik ist komplexer geworden, gerade deswegen sind klare Werte
wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität unverzichtbar.

BIRGIT
HOMBURGER (FDP):
1)
Besonders eine verbesserte Verkehrsanbindung der Region (u.a.
B 33, Gäubahn) steht immer wieder auf der Tagesordnung. Auch
der Fluglärmstreit ist Dauerthema.
2)
Wer im Konzert regionaler Interessen in Berlin gehört werden
will, muss sich anstrengen. Daher ist es wichtig, dass die örtlichen
Abgeordneten gut zusammenarbeiten und die regionalen Themen gemeinsam
voranbringen. Das klappt bei uns gut.
3)
Deutschland muss zukunftsfähig gemacht werden, dazu gehören
u. a. wirksame Reformen im Steuer-, Arbeitsmarktund Pflegebereich
sowie eine Generationenbilanz.
4)
Die Herausforderungen für unsere Region und Deutschland haben
sich gewandelt. Deshalb sind die Ideen von damals heute nicht
mehr einfach übertragbar.

ANDREAS JUNG:
1)
Exemplarisch drei Schwerpunkte: Der Einsatz für die Finanzierung
der B 33 und weiterer Infrastrukturprojekte im Kreis. Zweitens
bringe ich in der »Begleitkommission Benken« kritische
Fragen zu einem möglichen Schweizer Endlager ein. Drittens
habe ich mich - bisher erfolgreich - gegen eine Privatisierung
der Flugsicherung gestellt und kämpfe dafür, dass der
Schweizerischen Skyguide die Verantwortung für die Sicherheit
im Flugverkehr über deutschem Gebiet entzogen wird.
2)
Jeder Abgeordnete versucht, das Beste für seine Region zu
erreichen. Da braucht es gute Argumente und starkes Engagement.
So ist es gelungen, entgegen dem ursprünglichen Entwurf die
Mittel für den Baubeginn der B 33 sicherzustellen. Mir ist
wichtig, die Interessen unserer Region in den deutschschweizerischen
Fragen zu vertreten.
3)
Arbeitsplätze bleiben zentrale Aufgabe der Politik. Im Kreis
müssen wir Ersatz für Arbeitsplätze schaffen, die
bei den Großunternehmen wegfallen. Besonders wichtig ist
dabei der Mittelstand. Mit den Projekten »Konjunktur durch
Natur« und »Breitband aufs Land« will ich einen
Beitrag für neue Jobs im Kreis Konstanz leisten. Außerdem
müssen wir Reformen für mehr Nachhaltigkeit im Umweltschutz,
im Haushalt und bei den Sozialsystemen durchsetzen.
4)
Wir leben heute in einer anderen Zeit mit anderen Herausforderungen.
Eine entscheidende Frage ist, wie es gelingen kann, im Zeitalter
der Globalisierung im internationalen Wettbewerb zu bestehen und
gleichzeitig unsere Grundwerte wie die Würde des Menschen
und die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft zu sichern.
Johannes
Fröhlich
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