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 Nichts wird bleiben, wie es sein wird

Porträt: Paul Gampp von der Agentur für Arbeit

40 Auch im Jahre 1967 gab es Arbeitslose. Und schon seit über 100 Jahren existiert ein Arbeitsamt. Wochenblatt sprach mit Josef Paul Gampp, der seit 1994 der Agentur für Arbeit vorsteht über die Aufgaben, die eine moderne Arbeitsvermittlung leisten muss.

Frage: Herr Gampp, welche Aufgaben hatte das Arbeitsamt 1967?
Josef Paul Gampp:
1967 hatten wir die gleichen Aufgaben wie heute: Menschen in Arbeit bringen, Arbeitslosen helfen mit der Leistung, die ihnen zusteht. Auch die Berufsberatung für junge Menschen. Frage: Gab es damals schon Arbeitslose? Gampp: Arbeitslose gab es schon immer, seit es die Agentur gibt. Die Wurzeln liegen schon in 1895. Es gab dann unterschiedliche Formen, auch Singen hatte ein eigenständiges Arbeitsamt.

Frage: Wie waren die Strukturen Ende der 1960er?
Gampp:
Damals gab es eben in Singen eine kleine Geschäftsstelle, in der Schwarzwaldstraße.

Frage: Wie hat sich das Arbeitsamt in den letzten 40 Jahren verändert?
Gampp:
Es gibt eine Entwicklung. Wir sind vom Amt zur Agentur geworden. Das geschah in mehreren Schritten. Die jüngere Zeit hat erhebliche Veränderungen gebracht. Der Arbeitssuchende ist Kunde geworden. Wir sind wirtschaftlicher aufgestellt. Wir tun für jeden das, was er braucht. Mehr Individualität und mehr Wirtschaftlichkeit.

Frage: Was bedeutet Service?
Gampp:
Eine klare Denke zu überlegen, was der Kunde braucht, prüfen, was man ihm tun kann. Sich mit dem Kunden konstruktiv auseinandersetzen. Was möchte und was braucht er, und das auf ein mögliches Maß zuschneiden. Dann aber auch schnell und präzise handeln.

Frage: Was macht eine moderne Arbeitsvermittlung aus?
Gampp:
Heute werden Sie in der Agentur keine wartenden Personen mehr entdecken. Wir terminieren, wir haben einen starken Zugang über Telefon, einen starken Internetauftritt. Wir müssen Dienstleister sein, wir haben eine große Datenbank, in die sich jeder selbst einloggen kann. Der Einzelne ist stärker gefordert.

Frage: Es gibt Leute die sagen, die Agentur würde nur verwalten.
Gampp:
Das geht an den Realitäten vorbei. Wir können an den Belegungszahlen nachweisen, dass die Dauer der Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen ist. Wir sind schneller am Kunden. Es gibt in den ersten Tagen der Arbeitslosigkeit ein schnelles Gespräch mit dem Kunden, wo der Status Quo festgelegt wird. Diese Beschleunigung kommt Arbeitgebern und Arbeitnehmern zugute.

Frage: Wie sehen Sie die Zukunft der Agentur für Arbeit?
Gampp:
Die Agentur wird sich weiter entwickeln in ihrer Vorstellung als Dienstleister. Noch stärker über die modernen Medien kommunizieren. Wir werden beraterisch dran bleiben, und Leistungen rasch und zuverlässig bringen.

Frage: Ist Vollbeschäftigung machbar?
Gampp:
Das müsste man genauer definieren. Es gibt einen Weg zur Volbeschäftigung. Die Veränderungsprozesse in der Beschäftigung werden weiter gehen. Die Fragen von Qualifizierung, Mobilität und Flexibilität wird sich stärker stellen. Wir kommen zur Kernfrage: Wie kann der Einzelne Beschäftigung für sich sicher stellen. Die Anforderungen haben sich verändert. Der Einzelne muss seine Tätigkeit sicher stellen. Arb eitgeber und Arbeitnehmer. Auch im Urlaub kann man sich um Fortbildung bemühen. Nichts wird bleiben, wie es sein wird.

Frage: Was müssen Sie als Kopf der Agentur leisten?
Gampp:
Management für ein Mittelständisches Unternehmen. Eingebunden in das zentrale Konzept der Agentur. Wir haben mehr Gestaltungsmöglichlkeiten vor Ort. Themen aufgreifen und umsetzen. Weichenstellungen im Haus treffen. Die Wirtschaftlichkeit des Handelns bei den Mitarbeitern klar machen.

Frage: Was bringt Hartz 4?
Gampp:
Die Grundidee war eine mutige Entscheidung. Sie ist für eine Mehrheit positiv greifbar.

Frage: Bekommen wir eine neue Armut?
Gampp:
Hartz 4 hat einen Einschnitt gesetzt. Die Förderung ist teils auf einem niedrigeren Niveau als früher. Andere bekommen eine neue Einbindung in die Sozialsysteme. Das ist die positive Seite. Wer Vollzeit arbeitet, sollte sich davon selbst ernähren können.

Johannes Fröhlich

 

 

 

 

 

 

 


Josef Paul Gampp. swb-Bild: frö