Porträt:
Rainer Kenzler, Kreishandwerksmeister
Das
Handwerk hat in den letzten Jahrzehnten einen gravierenden Wandel
vollzogen und ist noch voll auf dem Weg in die Moderne, der Umbau
längst noch nicht abgeschlossen. Zehn Jahr begleitete Rainer
Kenzler zunächst als Obermeister der Malerinnung, seit Sommer
2000 als Kreishandwerksmeister diesen Umbau aktiv mit.

Kreishandwerksmeister
Rainer Kenzler hat zehn Jahre Krisenmanagement
hinter sich und hat in dieser Zeit viele Ideen für das Handwerk
entwickelt.
Frage:
Herr Kenzler, das Handwerk hat nicht unbedingt
goldene Zeiten in den letzten zehn Jahren gehabt.
Rainer Kenzler: In den letzten zehn Jahren war es so,
dass das Handwerk eine Krise durchlebt hat. Der Osten kam, dadurch
wurden öffentliche Gelder knapp, durch den Solidaritätsbeitrag
für die neuen Bundesländer standen den Bürgern
auch Gelder nicht mehr zur Verfügung die sie sonst hätten
investieren können, das wirkt sich direkt auf Dienstleistungsbetriebe
und das Handwerk aus. Das andere Problem ist struktureller Art
- es haben sich Baumarktketten wesentlich vergrößert,
die »Geiz ist geil«-Generation hat sich durchgesetzt.
Das sind alles Dinge, die auf das kleinstrukturierte Handwerk
einen großen Einfluss haben. Hinzu kommt natürlich
die Arbeitsmarktsituation, die mit der wirtschaftlichen Situation
zusammen hängt. Das hat die Politik auf den Plan gerufen,
die die Struktur des Handwerks verändern will, und die Handwerksordnung,
die sich das Handwerk selbst gegeben hat, in Teilen außer
Kraft setzt.
Frage:
ist ihnen die Politik da in den Rücken
gefallen?
Kenzler: bei einer Arbeitslosigkeit von vier Millionen
Menschen kann ein Wirtschaftszweig wie das Handwerk bei Veränderungen
natürlich nicht ausgeschlossen werden. Der Meisterbrief wurde
als Einschränkung in der Berufsfreiheit definiert - das ging
quer durch alle Parteien. In den vergangenen Jahren war das eine
zusätzliche Belastung, die aber doch fruchtbar für ein
neues Selbstverständnis des Handwerks war.
Frage:
Findet das Handwerk durch ein neues Selbstverständnis
aus seiner Krise heraus?
Kenzler: Die Prozess findet aktuell statt. Es wird sehr
viel diskutiert. Was die Meisterpflicht angeht, hat der Bürger
an das hiesige Handwerk andere Ansprüche als die Bürger
in anderen Ländern. Das kann jeder erkennen, wenn er in den
Urlaub ins Ausland fährt. Um das Niveau zu halten, bedarf
es einer fundierten Ausbildung, das ist unser erklärtes Ziel.
Wir bleiben bei dem Standpunkt, dass der Meistertitel ein wichtiger
Baustein ist, um das Niveau zu halten und um unsere hohe Leistung
bei der Ausbildung auch halten zu können. Die Handwerksorganisationen
stammen natürlich in ihrem Ursprung aus dem vorletzten Jahrhundert,
deshalb nimmt die Frage der Struktur dieser Organisationen im
21. Jahrhundert natürlich einen breiten Raum ein. Dabei wird
viel in Frage gestellt. Durch permanente Veränderungen sind
die Strukturen aber durchaus zeitgemäß. Verschlankungen
steht da nichts im Wege. Wir sind seit fünf Jahren an einer
Modernisierung der Handwerksorganisationen.
Frage:
Ein Problem ist auch die Betriebsnachfolge.
Hier hat die Politik sehr lange gebraucht, um eine einigermaßen
befriedigende Lösung zu finden.
Kenzler: Diese Frage treibt das Handwerk immer wieder
um, weil wir auch feststellen, dass die Betriebe oft zu lange
warten, um zu einer Entscheidung zu kommen. Da wird oft zu wenig
weitsichtig gehandelt. Es ist natürlich schwierig in wirtschaftlich
engen Zeiten einem Nachfolger den Boden zu bereiten. Die neuen
Regelungen, die das Vererben von Betrieben aus fiskalischer Sicht
wesentlich vereinfachen, kommen dem Handwerk sicher entgegen.
Frage:
Sie haben vorher auf die Ausbildungskraft
des Handwerks abgehoben. Ihre Kritik an den Schulen dauert an,
was hat sich da getan, um mehr Ausbildungsfähige Jugendliche
zu bekommen?
Kenzler: Wir spüren hier leider keine Besserung.
Was wir spüren, ist eine Diskussion, die gottseidank inzwischen
auch öffentlich geführt wird. Unsere Kritik ist schon
älter als die erste Pisa-Studie. Wir erleben heute extrem,
dass Hauptschüler nicht in der Lage sind, die einfachsten
Handwerksbereiche zu erlernen. Es kompensiert sich lediglich dadurch,
dass zu wenige Ausbildungsplätze vorhanden sind. Wenn die
Schüler-Abgangszahlen bis 2012 weiter absinken, wird es für
das Handwerk ein gewaltiges Problem geben. Wir haben schon früh
darauf hingewiesen, dass diese Trennung nach der vierten Klasse
einfach zu früh ist. Insbesondere in unserem Bundesland ist
man leider viel zu unflexibel, hier mal andere Modelle anzugehen.
Das Handwerk reagiert teilweise auf diese Situation und geht auf
die Hauptschulen zu, um das Niveau zusammen mit den Schulleitern
anzuheben. Das ist für uns eines der größten Probleme,
das auf uns zukommt.
Frage:
Ist der Kreishandwerksmeister für sie
ein Traumjob gewesen?
Kenzler: Nein. Ein halbes Jahr vor meiner Wahl konnte
ich mir das nicht vorstellen. Die Probleme der letzten Jahren
waren auch eine Belastung, es gibt auch viel zu gestalten.
Die
Fragen stellte Oliver Fiedler
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