Porträt:
Siegfried Endres, Vorsitzender der HHG Stockach
Der
Verein Handel, Handwerk und Gewerbe Stockach, kurz HHG, ist im
Ursprung ein traditioneller Gewerbeverein, den es seit 1887 gibt.
Freilich setzte auch hier ab den frühen 70er Jahren ein grundlegender
Wandel zu einem Marketingverein ein, der beispielsweise seit 1972
durch Dieter Fritz bis heute den Straßenmarkt zum Schweizer
Feiertag organisiert und mit drei verkaufsoffenen Sonntagen im
Jahr wie dem Stockacher Weihnachtsmarkt für überregional
bedeutsame und erfolgreiche Veranstaltungen mit Außenwirkung
sorgt. Vor acht Jahren übernahm Volksbank- Vorstand Siegfried
Endres den Vorsitz des Vereins, nachdem es eine ernsthafte Führungskrise
gegeben hatte. Wo steht Stockach - das ja gerne als Randgebiet
des Landkreis Konstanz gesehen wird - heute. Wie Erfolgreich ist
sein Marketing, um als Zentrum Wirkung zu zeigen. Dazu stellte
sich Siegfried Endres dem WOCHENBLATT-Interview.

Siegfried
Endres ist seit 1999 Vorsitzender des Vereins
Handel, Handwerk und Gewerbe in Stockach.
Das Entwicklungspotential sieht er nördlich des Mittelzentrums
Stockach.
Frage:
Ist Stockach in diesem Landkreis daheim,
hat es eine Außenwirkung in diese Bereiche hinein?
Siegfried Endres: Ich bin überzeugt, dass wir in
diesem Landkreis daheim sind, wenngleich in einer Randlage. Das
ergibt sich schon, wenn man auf die Landkarte schaut. Die Achse
Konstanz - Singen ist natürlich bärenstark. Die Interessen
der Politik sind auch zunächst mal dort. Das gleiche Problem
wie wir haben auch Engen oder Tengen als »Randlagen«.
Frage:
Sie haben als Vorsitzender der HHG zahlreiche
Aktionen in den letzten Jahren durchgeführt. Wie war da die
Resonanz aus den übrigen Teilen des Landkreises? Haben Sie
dadurch ein Bild gewonnen, wo der Einzugsbereich Ihrer Stadt liegt?
Endres: Da haben wir ein sehr gutes Bild aus dem Straßenfest
beim Schweizer Feiertag aber auch von den verkaufsoffenen Sonntagen.
Da ist ganz klar, dass die auswärtige Kundschaft, die Stockach
besucht, aus dem Norden kommt. Aus Richtung Meßkirch wie
Tuttlingen. Von Süden her kommen wesentlich weniger Menschen
nach Stockach.
Frage:
Sie haben den Verein HHG in einer schweren
Führungskrise vor acht Jahren übernommen. Wie ist der
Verein jetzt aufgestellt?
Endres: Wir haben eine klare Führungsstruktur im
Verein, die Führungsmannschaft mit dem Werbeausschuss ist
aktiv genauso dabei wie der Handel, so dass es mir nicht besonders
schwer fällt, den Verein zu führen. Meine Aufgabe ist
eher, zum Beispiel Verbindung zu halten zur Regionalen Wirtschaftskooperation
(RWK) nach Radolfzell, mit Behörden oder der Stadtverwaltung.
Frage:
In Stockach wurde mit sehr viel Aufwand
die Oberstadt saniert, um sie als Zentrum darzustellen. Inzwischen
verlagert sich das Schwergewicht - auch durch jüngste Entwicklungen
wie das Pfeiffer-Areal und die dort entworfenen Visionen - mehr
in Richtung der Unterstadt.
Endres: Das muss sich erst mal zeigen. Wir reden da von
Plänen, die noch in der Zukunft liegen. Ich sehe Stockach
als ein Mittelzentrum. Wenn dort eine Einkaufsmall entstehen sollte,
was man ja nicht genau weiß, ist das auf jeden Fall positiv
für die Entwicklung für Stockach als Einkaufsstadt.
Die Hauptstraße in der Oberstadt ist und bleibt das Schmuckstück.
Frage:
Stockach hatte im Zuge der Planung für
das Herstellerverkaufs-zentrum in Radolfzell heftig interveniert.
Sind da seit der Eröffnung des »Seemaxx« im letzten
Herbst Befürchtungen wahr geworden?
Endres: Nach Auskunft der Händler in den gefährdeten
Branchen gibt es keine besonderen Anzeichen, dass sich da etwas
verlagert. Nicht die Händler haben damals aufgeschrieen,
es war einfach eine politisch notwendige Geschichte. Ich hielt
es damals für die Pflicht der politisch Handelnden, das Veto
einzulegen, um das eigene Mittelzentrum zu schützen. Es ist
in den Medien vielleicht auch ein bisschen hochgespielt worden.
Der Konflikt hat nicht in der Schärfe stattgefunden. Stockach
hat erreicht, dass das Zentrum auf eine bestimmte Verkaufsfläche
beschränkt bleibt.
Frage:
Was ist die wichtigste Zukunftsaufgabe für
die nächsten Jahre in Stockach, um die Zentralität erhalten
zu können. Gibt es da ein Gesamtkonzept, an dem alle Kräfte
mitwirken? Es wird ja derzeit eher im Gesundheitsbereich mit einem
Zentrum für traditionelle chinesische Medizin geplant und
visioniert?
Endres: Das spielt sich auf der politischen Schiene ab,
wo die HHG keinen besonderen Einfluss nehmen kann. Unsere Aufgabe
ist einfach, Stockach als Mittelzentrum im Warenangebot adäquat
zu erhalten. Stockach muss auch für den Anbieter attraktiv
bleiben. Wir haben nicht die Lauflagen wie Konstanz oder Singen.
Es ist derzeit nicht zu verhindern, dass Kaufkraft von Stockach
nach außen abfließt, doch das können wir aus
den Regionen nördlich von Stockach wieder kompensieren. Darauf
werden wir uns auch konzentrieren.
Die
Fragen stellte Oliver Fiedler
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