Porträt:
Armin Nissel, KoKo. Es begann mit Udo Lindenberg
Das
Konzertbüro Konstanz (KoKo) steht seit fast dreißig
Jahren für das Engagieren großer Namen aus dem Musikbusiness.
Rock am See oder das Konstanzer Zeltfestival sind Garanten großer
Konzerte, Wochenblatt sprach mit Armin Nissel über Stars
und ihre Marotten.

Er
ist einer der beiden Köpfe von KOKO: Armin Nissel beim
Zeltfestival Konstanz. swb-Bild: frö
Frage:
Herr Nissel, haben Sie Erinnerungen an das
Jahr 1967?
Armin Nissel: Ja, aber damals hatte ich noch keine Ahnung,
was in Sachen KOKO auf mich zukommt.
Frage:
Was haben Sie damals für Musik gehört?
Nissel: Quer Beet. Beatles, Stones, Bob Dylan, Joan Baez.
Frage:
Wann gab es das erste Rock am See?
Nissel: Das war 1985. Herbert Grönemeyer war dabei
und Nina Hagen.
Frage:
Wie kam das erste Rock am See zustande?
Waren Sie und Bös schon Partner?
Nissel: Ja, mit dem Gedanken waren wir schon Jahre vorher
dabei. Doch die Politik war damals, was die Spielstätten
anbelangte, Stadion oder KleinVenedig, sehr negativ eingestellt.
Mit Grönemeyer sind wir bei der Verwaltung auf offene Ohren
gestoßen. Damals war Dr. Geiger vom Sport- und Bäderamt
auf unserer Seite.
Frage:
Gab es damals schon die Agentur?
Nissel: Ja, schon einige Jahre. Wir hatten schon Udo
Lindenberg in der Oberschwabenhalle gemacht. Angefangen haben
wir 1979. Damals gab es kleine Folk-Festivals mit Augenweide,
Konzerte in Kneipen. Udo Lindenberg war dann der Anfang der großen
Namen. Einige Jahre später haben wir in Freiburg ein Büro
eröffnet. Der Sitz ist immer noch in Konstanz.
Frage:
Wie geht man mit Stars um?
Nissel: Es gibt alle Schattierungen. Mit amerikanischen
Künstlern haben wir viele positive Überraschungen erlebt.
Deutsche Künstler sind oft komplizierter. Die Amis gehen
mit ihrer Popularität besser um, das ist ihr Business. Deutsche
können das oft nicht so souverän verarbeiten.
Frage:
Inwiefern?
Nissel: Es werden Verhältnisse verlangt, dass man
sich an den Kopf fassen muss. Westernhagen zum Beispiel wollte
unbedingt weiße Ledersofas haben. Da tut man sich dann schon
schwer.
Frage:
Wie kommt man an die großen Namen?
Nissel: Der Anfang ist sehr schwierig. Wenn man niemand
kennt. Es geht um viel Geld und um einen guten Ruf, den jeder
zu verlieren hat. Mit schlechten Veranstaltern zu arbeiten, heißt,
die Tournee zum letzten Mal gemacht zu haben. Man muss sich verlassen
können. Wir sind so lange dabei, man kennt uns, auch in England
oder Amerika. Wir haben Kontakte und werden angefragt. Agenturen
wollen ihre Künstler bei guten Festivals unterbringen. Unsere
Festivals sind gut organisiert und gut besucht. Am Anfang war
alles sehr schwierig und mühsam.
Frage:
Wie lief es finanziell?
Nissel: Wir sind gewachsen. Früher hätten wir
die Großen gar nicht machen können. Das sind heute
Welten gegenüber dem Anfang. Wir haben eine unheimliche Logistik,
einen enormen Materialeinsatz. Damals machten wir zufällig
vieles richtig. Das Konzept kam aus dem Bauch.
Frage:
Hattet Ihr politische Künstler?
Nissel: Ja, den Hannes Wader, den Franz- Josef Degenhardt.
Auch die Toten Hosen äußern sich politisch. Viele Künstler
beziehen Stellung. Wie beim Irak-Krieg zum Beispiel. Künstler
weisen auf Probleme hin und schaffen Öffentlichkeit.
Frage:
Die Highlights der letzten Jahre?
Nissel: Bob Dylan beim Zeltfestival.
Frage:
Wie ist Dylan als Mensch?
Nissel: Er hat den Ruf, schwierig zu sein. Bei uns war
er sehr zurückhaltend, er hatte lange Jahre nicht mehr solch
einen Auftritt. Er war ganz nahe beim Publikum. Er hat die Menschen
gesehen und war ergriffen. Es hat ihm sehr gut getan. Sting war
natürlich ein Highlight. Oder Robin Williams in Hockenheim.
Lange Jahre wollten wir Queen machen. Wir waren sehr nahe dran,
geklappt hat es leider nicht.
Frage:
Wie ist die Konkurrenz?
Nissel: Unser Gebiet ist uninteressant, weil wir keine
Großstadt haben. Wir sind unterhalb Stuttgart meist in der
unmittelbaren Umgebung.
Frage:
Rock als Ausdruck von Lebensgefühl?
Nissel: Mit Sicherheit. Wir sind damit aufgewachsen.
Ich höre auch Xavier Naidoo, das passt auch. Ich höre
vielseitige Musik.
Frage:
Welche Künstler möchten Sie noch
engagieren?
Nissel: Die Talking Heads, die gibt es leider nicht mehr.
Bruce Springsteen wäre ein Wunsch.
Johannes
Fröhlich
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