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 28 Jahre Konzertbüro Konstanz

Porträt: Armin Nissel, KoKo. Es begann mit Udo Lindenberg

Das Konzertbüro Konstanz (KoKo) steht seit fast dreißig Jahren für das Engagieren großer Namen aus dem Musikbusiness. Rock am See oder das Konstanzer Zeltfestival sind Garanten großer Konzerte, Wochenblatt sprach mit Armin Nissel über Stars und ihre Marotten.


Er ist einer der beiden Köpfe von KOKO: Armin Nissel beim
Zeltfestival Konstanz. swb-Bild: frö

Frage: Herr Nissel, haben Sie Erinnerungen an das Jahr 1967?
Armin Nissel:
Ja, aber damals hatte ich noch keine Ahnung, was in Sachen KOKO auf mich zukommt.

Frage: Was haben Sie damals für Musik gehört?
Nissel:
Quer Beet. Beatles, Stones, Bob Dylan, Joan Baez.

Frage: Wann gab es das erste Rock am See?
Nissel:
Das war 1985. Herbert Grönemeyer war dabei und Nina Hagen.

Frage: Wie kam das erste Rock am See zustande? Waren Sie und Bös schon Partner?
Nissel:
Ja, mit dem Gedanken waren wir schon Jahre vorher dabei. Doch die Politik war damals, was die Spielstätten anbelangte, Stadion oder KleinVenedig, sehr negativ eingestellt. Mit Grönemeyer sind wir bei der Verwaltung auf offene Ohren gestoßen. Damals war Dr. Geiger vom Sport- und Bäderamt auf unserer Seite.

Frage: Gab es damals schon die Agentur?
Nissel:
Ja, schon einige Jahre. Wir hatten schon Udo Lindenberg in der Oberschwabenhalle gemacht. Angefangen haben wir 1979. Damals gab es kleine Folk-Festivals mit Augenweide, Konzerte in Kneipen. Udo Lindenberg war dann der Anfang der großen Namen. Einige Jahre später haben wir in Freiburg ein Büro eröffnet. Der Sitz ist immer noch in Konstanz.

Frage: Wie geht man mit Stars um?
Nissel:
Es gibt alle Schattierungen. Mit amerikanischen Künstlern haben wir viele positive Überraschungen erlebt. Deutsche Künstler sind oft komplizierter. Die Amis gehen mit ihrer Popularität besser um, das ist ihr Business. Deutsche können das oft nicht so souverän verarbeiten.

Frage: Inwiefern?
Nissel:
Es werden Verhältnisse verlangt, dass man sich an den Kopf fassen muss. Westernhagen zum Beispiel wollte unbedingt weiße Ledersofas haben. Da tut man sich dann schon schwer.

Frage: Wie kommt man an die großen Namen?
Nissel:
Der Anfang ist sehr schwierig. Wenn man niemand kennt. Es geht um viel Geld und um einen guten Ruf, den jeder zu verlieren hat. Mit schlechten Veranstaltern zu arbeiten, heißt, die Tournee zum letzten Mal gemacht zu haben. Man muss sich verlassen können. Wir sind so lange dabei, man kennt uns, auch in England oder Amerika. Wir haben Kontakte und werden angefragt. Agenturen wollen ihre Künstler bei guten Festivals unterbringen. Unsere Festivals sind gut organisiert und gut besucht. Am Anfang war alles sehr schwierig und mühsam.

Frage: Wie lief es finanziell?
Nissel:
Wir sind gewachsen. Früher hätten wir die Großen gar nicht machen können. Das sind heute Welten gegenüber dem Anfang. Wir haben eine unheimliche Logistik, einen enormen Materialeinsatz. Damals machten wir zufällig vieles richtig. Das Konzept kam aus dem Bauch.

Frage: Hattet Ihr politische Künstler?
Nissel
: Ja, den Hannes Wader, den Franz- Josef Degenhardt. Auch die Toten Hosen äußern sich politisch. Viele Künstler beziehen Stellung. Wie beim Irak-Krieg zum Beispiel. Künstler weisen auf Probleme hin und schaffen Öffentlichkeit.

Frage: Die Highlights der letzten Jahre?
Nissel:
Bob Dylan beim Zeltfestival.

Frage: Wie ist Dylan als Mensch?
Nissel:
Er hat den Ruf, schwierig zu sein. Bei uns war er sehr zurückhaltend, er hatte lange Jahre nicht mehr solch einen Auftritt. Er war ganz nahe beim Publikum. Er hat die Menschen gesehen und war ergriffen. Es hat ihm sehr gut getan. Sting war natürlich ein Highlight. Oder Robin Williams in Hockenheim. Lange Jahre wollten wir Queen machen. Wir waren sehr nahe dran, geklappt hat es leider nicht.

Frage: Wie ist die Konkurrenz?
Nissel:
Unser Gebiet ist uninteressant, weil wir keine Großstadt haben. Wir sind unterhalb Stuttgart meist in der unmittelbaren Umgebung.

Frage: Rock als Ausdruck von Lebensgefühl?
Nissel:
Mit Sicherheit. Wir sind damit aufgewachsen. Ich höre auch Xavier Naidoo, das passt auch. Ich höre vielseitige Musik.

Frage: Welche Künstler möchten Sie noch engagieren?
Nissel:
Die Talking Heads, die gibt es leider nicht mehr. Bruce Springsteen wäre ein Wunsch.

Johannes Fröhlich