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 Rege, wach und immer streitbar

Porträt: die Singener Gemeinderätin Emmi Kraus

Emmi Kraus ist das, was man gemeinhin als ein Original bezeichnet. Es gibt kaum Menschen in unserer Landschaft, die auf ein solch bewegtes Leben zurückblicken können, und die sich derart für das Gemeinwohl engagiert haben. Und sie hat eine Erinnerug an die Anfangszeiten des Singener Wochenblattes. Die Namen Heiner Schmidt und Claus Großmann fallen im Gespräch. Man hat sich damals bei Haco in der Scheffelstraße getroffen. Damals war Emmi Kraus schon im Kreistag. Als einzige Frau. Der Name Zuckerlady, der Emmi Kraus seit über 40 Jahren anheftet, kommt von dem Engagement der damals noch jungen Abgeordneten. Sie machte die Öffentlichkeit auf das Thema Diabetes aufmerksam. Das war zu Beginn ein Windmühlenkampf, doch Emmi Kraus setzte sich durch und machte den Blutzuckertest zum Standard für Jedermann. Der Name Zuckerlady ist bis heute geblieben.


mmi Kraus engagiert sich fast ein halbes Jahr-
hundert für das Wohl der Gemeinschaft swb-Bild: frö

In der unruhigen Zeit Ende der 60er wurde der damalige Singener OB Theopont Dietz an die Universität Konstanz berufen. Mit ihm hatte Emmi Kraus einige Gefechte geführt. Dann kam die Ära Möhrle, schon im Vorfeld hatte man damals gemunkelt, dass die SPD, bei der Emmi Kraus seit fast 50 Jahren Mitglied ist, einen starken Kandidaten ins Rennen schicken würde. Möhrle gewann die Wahl, Singen wurde eine rote Stadt. »Der Anselm Dietrich hatte das Rennen um die Kandidatur damals verloren«, erinnert sich Emmi Kraus.

Was wenige heute noch wissen, Emmi Kraus war eine der treibenden Kräfte für die Städtepartnerschaft mit La Ciotat. »Das Kennenlernen anderer Städte und Länder, anderer Kulturen, das gehörte immer für mich zum Leben dazu«.

Ein weiteres Highlight war die Gründung der Universität Konstanz, Emmi Kraus ist als gebürtige Konstanzerin immer mit ihrer Geburtsstadt verbunden geblieben. Sie erinnert sich noch an die Wiesen auf dem Giesberg, wo heute die Uni steht.

Die Beschlagung von Stockach zum Landkreis Konstanz war ebenfalls ein erinnernswertes Ereignis. Damals wollten die Singener das Landratsamt haben, Emmi Kraus schlug Kontanz vor und setzte sich durch. Ebenso mit den Namen für die Wessenberg- und die Robert Gerwig Schule.

Friedhelm Möhrle musste wohl einige Male mit seiner Parteikollegin hadern, Emmi Kraus suchte immer nach Lösungen, die auch über Parteigrenzen hinweg Bestand hatten. Das hat sie bis heute beibehalten. Politik ist, was machbar ist, das ist die Prämisse der großen alten Dame der Singener Kommunalpolitik. Sich als Frau in den 60ern und 70ern in der politischen Welt der Männer zu behaupten, muss sehr schwierig gewesen sein. Emmi Kraus hat es geschafft.

Die Stadthalle ist eine späte Genugtuung für die Politikerin. Sie hatte sich schon im Jahre 1962 für den Bau einer Halle stark gemacht.

Unvergessen ihre Auftritte an der Singener Fasnacht, bei denen sie vor heftigen humoristischen Seitenhieben nicht zurückschreckte.

Einige Namen nennt die Zuckerlady, welche die Landschaft geprägt haben: Frido Martin, oder Alfons Grundler, das waren Bürger, die Gesellschaft gestalteten und in diese Reihe wird sich Emmi Kraus einreihen.

Das Naturfreundehaus am Tannenberg war der Zuckerlady immer ein Anliegen, sie war an der Gründung maßgeblich mit beteiligt. Beim Richtfest durfte sie eine Rede halten, das war damals eine Seltenheit.

Emmi Kraus ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, darauf ist sie zurecht stolz. »Ich habe es nicht von der SPD bekommen «, witzelt sie. »Es kam von den CDU-Frauen«.

So manchen Streit hat die Zuckerlady ausgefochten, und sie ist immer noch im Gemeinderat aktiv, sie setzt sich immer noch für die Schwachen in unserer Gesellschaft ein. Rege, wach und kritisch. Und mit einem offenen Ohr.

Johannes Fröhlich