Thomas
Münchow - Seit 1973 Leidenschaft für den Marktplatz
Hegau
Er
ist ein Macher: Thomas Münchow hat wie kaum ein anderer den
Einzelhandel in unserer Region geprägt und kam eigentlich
erst sehr spät zu seiner Selbstständigkeit. Es war das
Jahr 1994, als der damalige Leiter des EKZ Singen beschloss, den
zunächst als Filiale des EKZ gegründeten Neukauf-Markt
am Singener Storchenbrunnen in eigener Regie zu übernehmen
und daraus mit seiner Familie eine Erfolgsgeschichte machte, die
mit inzwischen vier Märkten und einem als weiteres Unternehmen
geführten internationalen Wein- und Spezialitätengroßhandel
rund 200 Mitarbeitern Arbeit gibt.
Frage:
Sie sind ein Singener Kind?
Thomas
Münchow: ich bin in der Singener Südstadt geboren
und habe hier die Schule besucht. Danach begann meine Ausbildung
im damaligen Kaufhaus »Bilka «, wegen des Wehrdienstes
ging es dann erst mal 1969 nach Berlin. In dieser Zeit war ich
natürlich in mehreren Häusern in Berlin, von Kreuzberg
angefangen bis zum exklusivsten Haus damals in der Joachimstaler
Straße. Danach war ich noch auf »Tournee« durch
verschiedene Städte Deutschlands, bis ich 1973 dann in das
1969 eröffnete EKZ zurückkam. Seinerzeit als stellvertretender
Marktleiter. 1987 hatte ich dann das EKZ verantwortlich übernommen
bis zum Oktober 1994, als meine Selbstständigkeit begann.
Ich habe das Angebot angenommen, den Markt, der schon ein Jahr
lang eröffnet war, zu übernehmen.
Frage:
Was hat ihre Entscheidung damals
beeinflusst?
Münchow: Das Risiko war damals hoch denn
der Markt lief nicht so wie geplant und schrieb hochrote Zahlen.
Ich habe ihn übernommen, weil es ein reizvoller Standort
war. Wir konnten den Markt gleich im ersten Jahr 1994 zum Erfolg
führen. Wir haben den Umsatz bis 1995 dort verdoppeln können.
Frage: Sie haben ihre Erfolgsgeschichte gleich fortgesetzt. Münchow:
1996 haben wir unseren Markt in Moos eröffnen können.
Moos war seinerzeit ein Standort, der lange in der Diskussion
war. Es hieß dass es schwer würde einen Markt dort
in eine positive Entwicklung zu führen. Wir haben gesagt,
das reizt uns gerade besonders. Es war schon ein anderer Betreiber
vorgesehen und wir konnten diesen Standort doch noch für
uns generieren. Der Erfolg stellte sich gleich vom ersten Tag
an ein und sicherte dadurch unser Unternehmen. 1997 kam anschließend
gleich Tengen. Auch dieser Standort war mit sehr viel Schmerzen
behaftet. Wir haben in all den Jahren dort noch nie Geld verdient,
aber er trägt sich. 2002 kam durch die Übernahme von
Spar durch die Edeka Gänseweide in Rielasingen hinzu. Das
bedeute für uns zum einen Abschied von unserem in Worblingen
im Jahr 2000 eröffneten »Dorfladen« zu nehmen,
der uns sehr interessante Erfahrungen brachte. Zum anderen war
der Spar-Markt auf der Gänseweide sehr heruntergewirtschaftet.
Wir haben in der Familie die Entscheidung getroffen in diesen
Standort sehr viel Geld zu investieren um ihm zum Erfolg zu führen.
Das war der richtige Weg. Heute ist das für uns eine attraktive
Lage und er ist bei der Bevölkerung sehr beliebt.
Frage:
Sie haben gleichzeitig einen Großhandel
mit Wein aufgebaut.
Münchow:
Wir haben unsere Leidenschaft für Wein auch zu beruflichen
Zwecken genutzt und in den zehn Jahren seit der Gründung
aus dem kleinen Garagenhandel ein florierendes Importgeschäft
aufgebaut, das in Deutschland verschiedene Handelszentralen beliefert.
Wir haben ein beachtliches Volumen erreicht und werden im kommenden
Jahr darauf 50 Prozent draufsetzen. Das Unternehmen hat inzwischen
acht Mitarbeiter. Frage: Worin sehen Sie ihr Geheimnis, auch schwierige
Standorte so erfolgreich entwickeln zu können? Münchow:
Der Erfolg liegt zum einen darin, dass wir die Materie sehr gut
kennen, aus dieser Region stammen und dadurch auf unsere Kunden
wie auf die Mitarbeiter sehr gut eingehen können: unser Motto
ist frisch, freundlich, sauber. Das Geld, das wir verdienen, wird
immer gleich wieder in die Märkte reinvestiert. In Singen
waren die Leute damals erschrocken, als wir ihnen »Guten
Tag« gesagt haben. Für unsere Mitarbeiter ist es klares
Anforderungsprofil, dass man mit den Kunden nett umgeht. Unsere
Märkte haben eine Sozialfunktion und gerade die nachbarschaftliche
Beziehung ist uns wichtig. Es kann nicht sein, das nur die nüchterne
Ware und der Preis zählen. Frage: Fühlen sie sich als
Flagschiff innerhalb der Edeka-Organisation? Münchow: ich
glaube, früher waren wir eher Flagschiff, heute gibt es sicher
noch bessere Flagschiffe als wir es sind. Die nächste Generation
kommt hinterher, auch in meiner Familie.
Frage:
Eine
Frage zum Standort Singen, der als Zentrum derzeit heftig diskutiert
wird. Was muss in Singen nach der großen Ablehnung einer
überdachten Innenstadt passieren?
Münchow: Die Welle hat sehr viel bewegt,
schade, dass es nichts wurde. Es darf jetzt nur nicht still werden
darum. Endlich die Stadt vernünftig planen. Wir haben bis
jetzt nur ein Gebiss immer wieder repariert. Wir müssen jetzt
eine Grundsanierung machen für die Stadt. Wir brauchen eine
Visionsplanung, was wir in zehn Jahren oder in zwanzig Jahren
wollen. Es wäre sinnvoll da, was aufzurütteln, denn
da hat die »Welle« einiges bewegt. Ich hoffe, dass
sich hier Leute finden, sich sehr konstruktiv mit einbringen können.
Momentan kocht die Politik ihre Süppchen und die Betroffenen
werden gar nicht gefragt. Das kann man in Unternehmen auch nicht
tun.
Frage:
Wenn sie von Kommunikation sprechen.
Wie wichtig ist Werbung für ihr Unternehmen?
Münchow: die Zeit der Artikelwerbung mit
Sonderangboten über den reinen Preis ist eigentlich vorbei.
Werbung sehe ich heute wichtig an als Denkanstoß für
die, die schwankend sind in ihrem Speiseplan oder vielleicht den
ein oder anderen Preis zu finden. Ich sehe den Preis heute aber
eher untergeordnet. Werbung bietet heute eher den Anstoß
dazu, ob jemand heute den Schweinebraten essen will oder vielleicht
lieber auf Fisch übergehen möchte. Wir versuchen heute
mit der Werbung Inspirationen zu geben. Wir geben heute mit der
Werbung Rezeptvorschläge oder Ernährungsinformationen
und wollen damit auch Inspirationen vermitteln. Heute nur für
ein Produkt oder einen Preis zu werben, ist zu einfach - das macht
keinen Sinn mehr.
Frage:
Hat eine Zeitung in 20 Jahren noch eine ähnliche Bedeutung
wie heute?
Münchow: Ich denke ja. Eine Zeitung, die
Informationen rüberbringt, wird auch Werbemaßnahmen
zu den Lesern transportieren können. Die Werbung hat sich
in den letzten zehn Jahren insgesamt gravierend verändert.
Man geht heute provokativer und auch informeller mit der Werbung
um. Man versucht schon eine ehrliche Werbung zu machen. Klar,
Internet ist heute ein großer Markt geworden der weiter
wächst und floriert, aber nichts ist beständiger, als
die Zeitung zu lesen, um zu erfahren, was eigentlich los ist.
Ich kenne wenige Leute, die sich zum Frühstück ins Internet
einwählen.
Frage:
Glauben Sie, dass Ihr Konzept eines
verbrauchernahen Einzelhandels in dieser Form den nächsten
zehn Jahren standhalten kann?
Münchow: Wir werden weiteren Herausforderungen
entgegensehen. Das sind heute neue Abwicklungsmethoden bis hin
zum Bezahlen mit Fingerabdruck. Es kommen Veränderungen in
den Produktionen wie bei den Produkten. Da gibt es das Beispiel
der Waschmittel: die Zeiten der 10-Kilo-Trommeln sind längst
vorbei, obwohl es immer noch welche gibt auf dem Markt. Es wird
mehr und mehr Convienience- Produkte geben, weil das Essen in
Deutschland nicht mehr einen so hohen Stellenwert hat. Mit den
Herausforderungen verändern sich auch die Märkte. Wir
werden als Vollsortimenter mehr Fläche für Convienience-Produkte
brauchen und auch mehr Informationen an die Kunden geben müssen.
Es wird immer stärker verschiedene Gruppen geben, die verschiedene
Einkaufsformen besuchen. Die Gruppen werden sich auseinander dividieren.
Frage:
und der gute alte Tante Emma Laden?
Münchow: damit wird es sehr schwer werden.
Der nächste klassische Nahversorger werden wir sein. Und
das auf einer Fläche, die früher großflächig
war. Wir brauchen heute 1.400 bis 1.500 Quadratmeter für
eine klare Marktpositionierung in einem Dorf mit 7.000 oder 8.000
Einwohnern.
Frage:
Werden Einkaufsmärkte irgendwann
rund um die Uhr geöffnet haben, wie das in den USA zum Teil
schon der Fall ist?
Münchow: ich hoffe nicht. Ich bin aber überzeugt,
dass Großstädte die heute mögliche Grenze bis
24 Uhr ausnutzen werden.
Das
Interview führte Oliver Fiedler |



|