Udo
Klopfer zog vor 40 Jahren nach Singen aus, um Erfolg zu haben.
An
die Szene erinnert sich Udo Klopfer noch heute: Vor gut 40 Jahren
kam er mit dem Bus aus Büßlingen in Singen am Bahnhof
an, um dort die Zeppelin-Realschule zu besuchen. Er gehörte
zu den ersten jungen Burschen aus seiner Randengemeinde, die nach
Singen aufbrachen, um hier ihr schulisches und später auch
berufliches Glück zu finden. Klopfer erlebte damals noch
den alten Bahnhofsvorplatz mit dem Kastaniengarten bei der „Alten
Post“ und dem Scheffelhof gegenüber. Damals brachte
noch kein Schulbus den jungen Burschen vom Randen zur Zeppelin-Realschule:
Er musste zu Fuß laufen – egal bei welchem Wetter.

Udo
Klopfer ist durchgestartet und dabei bodenständiug geblieben:
Seinem Heimatort
Büßlingen blieb er ebenso treu wie der Singener Sparkasse.
Bald
zeigte schon die Geschäftstüchtigkeit des Büßlingers,
der von sich sagt, dass er in bescheidenen Verhältnissen
aufgewachsen sei. Da musste er sich schon überlegen, wie
man selbst zu Geld kommt. Die Bauern in der Umgebung hatten so
manches zu vermarkten. Und so lernte Udo Klopfer schnell, mit
Produkten wie geschlachteten Hasen zu handeln. Er gewann Einblicke
in geschäftliches Handeln und hatte bald sein Ziel gefunden:
er wollte zur Bank. Vier Bewerbungen hatte Klopfer auf den Weg
gebracht. Wie er bei der Sparkasse angeklopft hat, ist heute noch
eine Anekdote der besonderen Art. Im damaligen „bilka“
stärkte sich der junge Absolvent der höheren Handelsschule
noch mit einem Hähnchen, dann klopfte er gleich beim Sparkassen-Vorstand
Bücheler an und erhielt Gehör. Zwei Tage später
war die schriftliche Zusage für die Lehrstelle da. Die Bewerbungsunterlagen
sollte ich noch nachsenden. Das sollte sein weiteres Leben entscheidend
prägen. Seinen Sparkassenbetriebswirt wollte Klopfer so schnell
wie möglich machen, im Kurs in Rastatt saß er 1978
als einer der Jüngsten- mit einer Sondergenehmigung, weil
22 Jahre vorgeschrieben waren. Sparkassen-Chef Heinz Troppmann
hatte dies für ihn erwirkt. Ziele hatte Klopfer immer wieder
formuliert: Privat war es das Heim in Büßlingen mit
seiner Ehefrau und den zwei Kindern. Beruflich stand bald fest:
„Ich will ins Kreditgeschäft“.
Klopfer
war damals in eine Aufbruchstimmung in der Stadt Singen hineingewachsen.
Ob es das heute auch wieder gibt? Klopfer macht da jungen Leuten
Mut: Viele haben wieder mehr Vertrauen in die Zukunft, das zeige
sich ja auch im Konsumverhalten. Die Sparkasse selbst gebe dem
Nachwuchs ihrerseits eine Chance und bilde über den eigenen
Bedarf aus. Aufstiegschancen damals und heute? Da hätten
junge Leute immer noch ihre Chance, wenn sie sich zielstrebig
ins Zeug legten.
Bargeld
und Papierschecks prägten die Bankszene vor 30 Jahren. Damals
hat man auch noch mit Lochkarten gearbeitet, woran sich Udo Klopfer
noch sehr wohl erinnert. Dass sich mit den Computern und dem Eletronic-Banking
viel verändert hat, sieht auch der Banker. Doch die Kundschaft
schätze den Fortschritt in der ganzen Branche. Die Bank widme
sich dem Kunden in ganzer Breite. Bei den Firmenkunden sind Zinsderivate
und Devisentermingeschäfte zum Alltag geworden. 1973 habe
man die Zinsen noch manuell ausgerechnet.
Udo
Klopfer wird dann aber auch gefragt, inwieweit die Banken eben
auch eine Wirtschaft und damit einen Standort steuern: Wer hat
das Sagen, die Wirtschaft oder die Politik? Die Sparkasse Singen-Radolfzell
komme ihrem öffentlichen Auftrag durchaus sehr vorbildlich
nach, antwortet Klopfer. Die Privatkundschaft wie der Mittelstand
sollen mit ausreichenden Krediten versorgt werden. Deshalb habe
seine Bank hier auch ein höheres Kreditvolumen als andere
Sparkassen in Deutschland. Knapp drei Viertel der Bilanzsumme
mache das Kreditgeschäft hier im Geschäftsbereich Singen-Radolfzell
aus. Auch in schwierigen Zeiten hätte man manchem Mittelständler
geholfen. Doch diese hätten umgekehrt auch der Sparkasse
geholfen, so groß zu werden. Das Kreditgeschäft werde
zwar vom Verwaltungsrat mitgetragen, doch dies sei letztlich Sache
des Vorstands. Dass bei einem Einzelkredit politisch Einfluss
genommen werde, habe er noch nie erlebt.
Hans-Paul
Lichtwald |