15
Geldinstitute konkurrieren in Singen / Gehaltskonten Initialzündung
Erst
1899 wurde Singen zur Stadt. Der Ort zählte damals 3000 Einwohner.
Eines gab es aber bald: die Bezirkssparkasse. Das Geschäft
mit dem Geld war damals eher ein Thema für eine Minderheit.
Ohne eine örtliche Bank wäre Singens Entwicklung aber
nicht so rasant möglich gewesen. Heute bestimmt die Sparkasse
in Singen das Bild der City maßgeblich. 68 Prozent des Gewerbes
und Mittelstandes wickeln mit der kommunalen Bank ihre Geschäfte
ab. Der Marktführer ist über diese Zahl stolz. Die Stadt
Singen insgesamt kann aber stolz darauf sein, spätestens
seit den 70er Jahren zum absoluten Bankenplatz der Region geworden
zu sein.
15
Banken sorgen in Singen heute für Konkurrenz am Platz. Nimmt
man die vielen sonstigen Finanzdienstleister hinzu, dann boomt
unter dem Hohentwiel die Finanzwirtschaft trotz des spürbaren
Strukturwandels in der Branche. Die großen deutschen Banken
haben sich früh in Singen repräsentative Räume
in der Innenstadt gesucht. Jahrelange Geschäftsbeziehungen
zu den Großen der Branchen in Deutschland führten manches
Geldinstitut hierher.
Als
besonders die Großbetriebe ab den 60er Jahren auf bargeldlose
Gehaltszahlungen umstellten, entstand ein Auftrieb ohne Ende.
Als die Aluminium als größter Arbeitgeber seinen Mitarbeitern
die Deutsche Bank empfohlen hatte, löste dies einen ungeheuren
Druck auf die Schalterhalle aus. Expansion war das große
Thema allenthalben. Unvergessen ist eine Rentnerweihnachtsfeier
der Georg- Fischer AG, in der Geschäftsführer Marc Graf
in den späten 70er Jahren verkündete, jetzt werde auch
die Weihnachtsgratifikation auf das Konto überwiesen. „Dann
weiß meine Frau ja auch davon,“ stöhnte ein Rentner
spontan. Viele Marktanteile waren in Singen anders als anderswo
verteilt. Erst 1956 wurde in Singen die Volksbank gegründet.
Diese
Position hatte längst die Badische Bank übernommen.
Mit den Direktbanken wurde eine neue Ära eingeläutet.
Aber auch sie haben bereits ihren Platz in Singen gefunden. Reine
Kundenkreditbanken zieht es auch nach Singen. Sie reisen ihren
Großkunden unter den Filialisten hinterher.
Schalterhallen
werden andererseits zu Veranstaltungsräumen, manche sind
auch längst weitervermietet. Aus dem Sparkassenbuch von einst
ist eine breite Angebotspalette von Bankprodukten geworden. Aus
dem Bankbeamten aus der Nachkriegszeit wurde ein Verkäufer
von Finanzdienstleistungen. Das ist offenbar seine Zukunft. Und
das nicht nur am Bankenplatz Singen. An der Fusionsfront der späten
90er Jahre ist inzwischen Ruhe eingekehrt. Das Rating und Basel
II verdauen alle erst langsam. Somit dürfte sich in Singen
in den kommenden Jahren auch nur wenig verändern.
Hans-Paul
Lichtwald
|