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 Entscheiden werden die Aktionäre

Fusionen beschäftigen den Standort Singen in den letzten zehn Jahren immer wieder, denn in der Aluminiumindustrie fanden im gleichen Zeitraum gewaltige Konzentrationsprozesse statt.

Die Singener Alu, die nach der Fusion zwischen der Schweizer »algroup« und der kanadischen Alcan ab 2001 in Singen in Alcan umfirmiert wurde, hatte danach einige schwere Jahre zu durchstehen. Im Jahr 2004 kam bereits die nächste Fusion, denn der französische Mitbewerber Pecheney wurde mit Alcan in einem sogenannten »merger of equal« übernommen und die Konzern mussten die Produktionsstandorte neu ordnen. In zwei Wellen wurden bei Alcan in Singen Stellen abgebaut. Das letzte, im Jahr 2004 gestartete »Fit for Future«-Programm kostete die Region über 350 Arbeitsplätze, aber es war eine Bedingung für weitere Investitionen. Der damalige Personalchef Thomas Sigi versuchte, möglichst ohne Kündigungen diese Stellen abzubauen, was auch fast gelang. Viele sahen die Ursache in der Fusion mit Pecheney, doch Peter Hutsch, seit 1992 in der Geschäftsführung bei Alcan und seit 2002 Vorsitzender der Geschäftsführung, widerspricht dem: wenn es die Fusion nicht gegeben hätte, wären die Auswirkungen durch die Globalisierung noch viel schlimmer gewesen. Denn durch die Öffnung Osteuropas und deren Bestreben ein Teil der EU zu werden, habe man ohnehin nach neuen Produkten für den Standort Singen suchen müssen. Der Standort Singen habe seine Hausaufgaben gemacht und auch machen müssen, begründet Peter Hutsch den Kurs der letzten Jahre, ein »Schönwetterkapitän « wollte er nicht sein sondern die verbleibenden Arbeitsplätze sichern.


Nach dem Kostenreduzierungsprogramm »Fit for Future« ab 2004, bei dem
300 Stellen abgebaut werden mussten um Kosten zu sparen, konnte im
Herbst 2006 dies hochmoderne Barrenfräsanlage bei Alcan in Singen
eingeweiht werden. swb-Bild: of

So sieht er die aktuellen Fusionsversuche zwischen der Kanadischen Alcan und dem US Konzern Alcoa einigermaßen gelassen entgehen. Am 7. Mai hatte Alcoa den Alcan Aktionären ein Angebot gemacht und bot insgesamt 26,7 Milliarden Dollar, am 22. Mai antwortete Alcan Chef Dick Evans und wies das Angebot in der Form zurück indem er seinen Aktionären dringend empfahl, ihre Aktien zu verkaufen. Zwei Jahre hatten die Führungsriegen von Alcan und Alcoa allerdings zuvor schon hinter verschlossenen Türen verhandelt, der Versuch der feindlichen Übernahme wurde erst nach dem Scheitern dieser Verhandlungen gestartet. Derzeit herrscht Ruhe an der Oberfläche, doch es werden neue Allianzen auf dem Aluminiummarkt gesucht - mit Partnern in Brasilien, Australien oder der Schweiz. Allerdings, so räumt Peter Hutsch ein, kann noch so viel hinter verschlossenen Türen verhandelt werden: »Die Entscheidung fällen letzten Endes die Aktionäre«. Im Falle einer Fusion sieht Hutsch den Standort Singen in guter Position: Man schreibe tiefschwarze Zahlen und habe die Restrukturierung erfolgreich bewältigt. Man habe viele Herausforderungen in den letzten Jahren verarbeitet. Allerdings schließe dass nicht aus dass schon bald wieder gravierende Änderungen auf den Standort Singen zukommen könnten - Fusion hin oder her.

Oliver Fiedler