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 Entscheiden werden die Aktionäre

Die Reversion der ehemaligen Schiesserflächen ist ein Jahrhundertprojekt und ein Meilenstein in der Stadtgeschichte.

Nichts seit dem Einzug der Industrie in die Stadt hat das Gesicht Radolfzells so sehr verändert wie just der Abzug dieser Industrie - besser gesagt der Firma Schiesser. Ihre Konzentrierung auf einen kleinen Teilbereich des früheren 13,5 Hektar großen Schiesserareals machte neue Flächen frei. Aus diesen Flächen entwickelt die Hesta Immobilien GmbH Abschnitt für Abschnitt, Baustein für Baustein Radolfzells neues Stadtquartier. Zur Erinnerung an alte Zeiten trägt dieses den Namen »Markthallen «.


So präsentiert sich das ehemalige Schiesserareal (Bildmitte) inmitten der Radolfzeller
Innenstadt heute. Deutlich zu erkennen ist die neue Flaniermeile zum Herstellerverkaufs-
zentrum (große Halle, davor Parkplatzfläche), welche die Altstadt und »seemaxx« verbindet.
Entlang ihrer Achse entsteht eine neue Einkaufszeile. Der Baustellenbereich markiert das
neue Wohnviertel. Sechs Gewerbeeinheiten und 67 Wohneinheiten sind im ersten
Bauabschnitt geplant. Die Schiesser AG ist auf rund ein Drittel ihrer früheren Fläche
zusammen geschrumpft. swb-Bild: Stanko Petek

Die alten Markthallen, in denen zuletzt der Schiesser Werkverkauf beheimatet war, gibt es schon eine ganze Weile nicht mehr. Sie wurden im Herbst 2005 abgerissen, um Platz für Wohnbebauung zu machen. Die ersten Wohnblocks sind bereits im Entstehen. Startschuss für die Bebauung war am 3. November 2005 – da fiel die Entscheidung im Architektenwettbewerb, den die Hesta als Eigentümerin der Fläche ausgelobt hatte.

Doch der Bereich Markthallen ist nur ein Baustein in der großen Reversion der Schiesser-Flächen. Ein weiterer ist der »Jahrhundertbau«, der nach aufwändiger Sanierung am 4. Juni 2005 mit einem »Tag der offenen Tür« wieder eröffnet wurde. Der Bau, der wie der Name sagt, um die Jahrhundertwende entstanden war und einst zur lichtdichten Lagerung von Baumwolle genutzt wurde, ist heute ein Dienstleistungszentrum, in dem vor allem Ärzte zu Hause sind.

Eine lange, kontrovers diskutierte Geschichte hat das Herstellerverkaufszentrum (HVZ) in der alten Fabrikhalle »Saturn « am Randes des einstigen Schiesserareals. Während im hinteren Bereich der gigantisch großen Halle ein Logistikzentrum untergebracht ist, wurde der vordere Teil mit viel Aufwand und Geld in ein modernes Outlet-Center umgebaut. Lange hatte es gedauert, bis das Raumordnungsverfahren für das HVZ abgeschlossen war und das Regierungspräsidium Freiburg Ende April 2005 grünes Licht für das »seemaxx« gegeben hat. Am 26. Oktober 2006 wurde dann das Herstellerverkaufszentrum »seemaxx« eingeweiht. Auf 4500 Quadratmetern entstand in der ehemaligen rund 40 Jahre alten Schiesser Produktionshalle ein Outlet- Center mit 14 Shops für gehobene Ansprüche. Am 8. Juni 2006 war Grundsteinlegung, 140 Tage später war Einweihung. Rund 10 Millionen Euro hat die Hesta in das »seemaxx« investiert.

Die Geschehnisse auf dem Quartier Markthallen lösen eine ganze Reihe weiterer Investitionen aus: Bis 2007 will die Stadt laut Gemeinderatsbeschluss ihren Bauhof in den Schießhüttenweg verlagern. Zudem wurde der Verkehr in der Markthallenstraße neu gestaltet und neu geregelt – die restliche Umsetzung des Verkehrskonzepts nebst Waldhauskreisel soll noch folgen. Auch die Radolfzeller »Kulturund Erlebnismeile« der Zukunft wurde in Angriff genommen. In diesem Frühjahr wurde mit dem Umbau und der Sanierung des Tagungs- und Kulturzentrums Milchwerk begonnen. Für den Wasserturm hat ein privater Investor Gastronomie- Ideen und auf dem Milchwerk-Areal entstand in 2005 ein Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins, das in der Region seines Gleichen sucht.

Aus dem ehemaligen Schiesserareal, einst eine kleine abgeschlossene Stadt in der Stadt, ist binnen weniger Jahre ein durchgängiges, durchwegtes und geöffnetes Stadtquartier geworden, das neben dem Faktor Arbeit auch Einkaufen, Parken, Wohnen und Erlebnis verspricht. Aus der Industriebrache entstand in Zusammenarbeit mit der Eigentümerin der Fläche und Investorin, der Hesta, und der Stadtverwaltung ein neues hochwertiges Stadtviertel. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein positives Beispiel wie es auch gehen kann.

Andrea Jagode