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 1887: Schnelles Essen für die
Industriegesellschaft: Schon 22 Maggi-Suppen sind
auf dem Markt
 1895: Das erste Auto im Thurgau
sorgt für
Aufsehen
 1914: Am 1. August mussten die Bürgermeister
aus dem Hegau nach Konstanz: Der erste Weltkrieg
wollte geplant sein.
 1920: Die Welt zwischen
Sozialdemokratie und Konservatismus bricht auseinander. Das kann man auch an den
Singener Vereinen
sehen
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Ein
Hecker macht noch keine Revolution
Wir leben in Zyklen, leben mit
Gedenktagen. 1848 ist so ein Jahr der deutschen Geschichte, das ausnahmsweise
keinen Krieg bedeutet. Das Jahr erinnert aber an die "deutsche Revolution",
wie sie von Historikern gerne genannt wird. Aber eben eine gescheiterte
Revolution. So sind wir halt, wir germanischen Stämme aller Prägungen:
Wenn wir Revolution machen, dann betreten wir im Zweifelsfall den Rasen nicht!
1848 ist ein durchaus romantisches Datum in der deutschen Geschichte, alles ist
so sympathisch, gar nicht "typisch deutsch". Da wollten die
Intellektuellen aus ihrer Haut heraus und auch in Deutschland etwas schaffen.
Sie standen hin- und hergerissen in einem Weltgefüge, das sie kaum
verstehen konnten. Die spätere Politikstrategen nahmen die Vorgänge
von 1848 gerne für sich in Anspruch. Die Liberalen reklamieren das
Hambacher Fest für sich, die Paulskirche wurde in den frühen Jahren
der Bonner Demokratie oft genug zum historischen Fixpunkt erklärt.
Und
mit Heinrich Heine fühlen wir, wenn er schreibt: "Denk´ ich an
Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht!" Er war der
Realität wahrscheinlich näher als alle Chefideologen dieser Ära.
Das Deutschland, das ihn aufschreckte, war das Deutschland, das Jahrzehnte später
die Demokratie durch die braune Diktatur ersticken sollte. Und weil dies alles
zusammenhängt, macht ein Friedrich Hecker eben noch lange keine Revolution.
1848 ist ohne 1815 nicht denkbar, genausowenig ist 1933 ohne 1918 möglich
gewesen. Da gibt es zwei Ebenen, eine geistesgeschichtliche, die zwischen
Diktatur und Demokratie schwankt, und eine machtpolitische, deren böse
Fratze wir zu oft in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten erleben mussten.
Immer aber war es die Machtüberschätzung der Übermächtigen,
die meinten, sie könnten die Welt neu aufteilen. Wo wurden die Ureinwohner
gefragt, als Spanier und Portugiesen im späten Mittelalter/Beginn der
Neuzeit die Welt aufteilten?! Und was war der Wiener Kongress anderes im Jahre
1815 als eine Ansammlung der alten höfischen Kräfte, die Napoleons
Ende mit kräftiger Restauration feierten?! Blicken wir ins Detail: 1815
war der preußisch-österreichische Krieg von 1866 vorprogrammiert, der
Krieg 1970/71 mit Frankreich genauso. Der Wiener Kongress schuf ein Moratorium,
das am Ende Preußen für sich nutzte. An der Aach in Singen endete
Vorderösterreich bis 1815. Jetzt wurde diese Region hier badisch. Und was
war Baden vorher gewesen? Der Aufmarschplatz für Preußen und
Franzosen. Napoleon lag mit seinen Truppen vor Schaffhausen. Und jetzt sollte
eine neue Zeit beginnen. Geistesgesichtlich war es eine großartige Zeit:
Es gab ein Parlament mit zwei Kammern, wobei der Adel oft viel liberaler
argumentierte als das Fußvolk.
Zwei Glanzstücke seien
genannt, die badische Gemeindeordnung und Gewerbeordnung aus den frühen
20er Jahren. Was badischer Liberalismus werden sollte, ist hier manifestiert.
Die Demokratie spuckte in den Köpfen der Gebildeten herum. Doch Frankreich
brachte mit dem Bürgerkönig Napoleon III. 1831 den nächsten Rückschritt:
Die Revolution fraß endgültig ihre Kinder, derweil frühe
Soziallisten dort missionierten. Karl Marx war im 19. Jahrhundert überall,
aber nie politisch wirkungsvoll. Die preußischen Junker hatten ihren Marx
und Engels früher verinnerlicht als das Proletariat. Und da sollte es eine
erfolgreiche Revolution geben? Die industrielle Revolution in England haben wohl
erst die deutschen Historiker in ihrer Dimension später erkannt. Die
deutschen Unternehmen hatten ihre Lektionen schnell gelernt und Spitzen
abgebogen. Und dennoch gab es in Deutschland Not. Friedrich Hecker ist ein
Aufschrei des Volkes, leider nicht mehr. Das Deutsche Reich kam.
Und
es kam so, wie es viele der 1848er nicht wollten: Mit Gewalt und von Preußen.
Der Wiener Kongress konnte genausowenig halten wie der Vertrag von Versailles.
Und auch die innerdeutsche Mauer ist heute Geschichte. Geschichtliche
Entwicklungen lassen sich nicht per höfischem Dekret festlegen. Sie sind
keine Momentaufnahmen und keine beliebig veränderbaren Augenblicke. Die
deutsche Kleinstaaterei musste sich 1848 erst selbst finden. Das war 1948 bei
der Währungsreform nicht anders. Unsere sensible Welt ist für die Stürme
der diktatorischen Feldherren nicht prädestiniert: Ob Napoleon oder Hitler,
die verbrannte Erde blieb. Das demokratieverträgliche Maß nach
solchen historischen Schocks zu finden, ist schwer. 1848 kam da vielleicht
hundert Jahre zu früh. Demokratieentwürfe gab es genug.
Aber
wer sollte sie bis zur Basis hin durchsetzen? Hecker setzte ein Signal, mehr
nicht. Zurück zu Heinrich Heine: Das deutsche Kaiserreich brachte in
vielen Teilen eine neue Ära der Restauration. Ruhe war trotz
wirtschaftlicher Prosperität weiter die erste Bürgerpflicht. Deutsche
Großmannssucht ließ das Reich in den Ersten Weltkrieg hineinpurzeln.
Wieder waren es die alten "Spielgefährten" des Wiener Kongresses,
mit denen es nach dem Attentat von Sarajewo Krieg gab. Neu waren nur die
Amerikaner. Doch das sollte bald wieder passieren. Hätte 1948 Erfolg
gebracht, hätte alles nicht passieren müssen, sagen auch Historiker.
Doch das war eben nie real. Napoleon hatte zwar sein Waterloo erlebt, doch nicht
durch aufgeklärte Staaten auf dem Weg zur Demokratie!
Die drei
französischen Revolutions-Verfassungen waren im Gedankengut Meilen weiter
als alles Denken nach 1815. Was wussten die deutschen Intellektuellen und
demokratischen Eiferer wirklich über das Gedankengut der französischen
Revolution?! Da verlangen wir alle bis heute wohl zuviel von den Akteuren von
damals, auch von Hecker, der auszog, um den Amerikanern seine Revolution zu
predigen. Ihm haben sie immerhin ein Denkmal gesetzt.
Hans Paul Lichtwald
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"Wenn Ihr uf Karlsruhe kummet,
dann bringet au die Krau vom Großherzog mit!" Dies sagte die
Kreuzwirtin im April 1848 zu den Singenern, die sich im April 1848 der
demokratischen Volkserhebung anschlossen und sich unter Führung des
ehemaligen Leutnants Franz Sigel dem später sogenannten Hecker-Zug
anschlossen. Friedrich Hecker wollte mit seinen Marschkolonnen von Konstanz aus,
über Radolfzell, Stockach, Donaueschingen die Demokratie erzwingen. Diese
Erhebung schlug fehl. Trotzdem war Hecker, ich zitiere: ein "Abgott des
Volkes" und er werde wieder erscheinen, "wie Messias, sagten die
Bauern". So heißt es in der ersten großen Geschichtsdarstellung
der deutschen Revolution 1848/49 von Veit Valentin. Hecker war der Mann, der
diese Revolution geprägt hat, erst als Handelnder, dann 1849 als
handlungsleitender Mythos. Baden versuchte 1848 und 1849, einen demokratischen
und republikanischen Weg zu gehen. Dieser Weg hatte zwei Kennzeichen: 1. In der
badischen Aprilrevolution 1848 zeigte sich am entschiedensten und
konsequentesten in ganz Deutschland die Bewegung für eine demokratische
Republik. 2.In der Grundrechtsbewegung 1849, der Reichsverfassungskampagne,
bildete sich in Baden ein Netz von Basisinitiativen, von Volksvereinen aus, eine
Voraussetzung zur demokratischen Gegenmacht. Der Volksverein Singen war übrigens
besonders aktiv. Im Sommer 1849 wurde das erste demokratische Landesparlament
Deutschlands bei uns in Baden gewählt. Auch die Nationalversammlung in
Frankfurt war nicht durchgängig nach gleichem Wahlrecht gewählt. Für
die Alternative zum badischen Weg stand die Mehrheit der deutschen
Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche: Diese Mehrheit wollte ohne
außerparlamentarischen Druck eine verfassungsmäßige Monarchie
mit einem gewählten König einführen. Die badischen Demokraten kämpften
für Forderungen, wie sie Friedrich Hecker und Gustav Struve bereits auf der
ersten Offenburger Versammlung 1847 formuliert hatten: Wir verlangen Preßfreiheit;
Wir verlangen Gewissens- und Lehrfreiheit; Wir verlangen persönliche
Freiheit; Wir verlangen eine gerechte Besteuerung;Wir verlangen eine volksthümliche
Staatsverwaltung;Wir verlangen Abschaffung aller Vorrechte;Wir fordern die
Ausgleichung des Mißverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit. Das
sind Forderungen, die für heute alle Bestandteil unseres Grundgesetzes
sind.
Dr. Alfred Frei

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