|

|
 1887: Schnelles Essen für die
Industriegesellschaft: Schon 22 Maggi-Suppen sind
auf dem Markt
 1895: Das erste Auto im Thurgau
sorgt für
Aufsehen
 1914: Am 1. August mussten die Bürgermeister
aus dem Hegau nach Konstanz: Der erste Weltkrieg
wollte geplant sein.
 1920: Die Welt zwischen
Sozialdemokratie und Konservatismus bricht auseinander. Das kann man auch an den
Singener Vereinen
sehen
| |
Fahr: Die
Suche nach dem "Grünen Zweig"
1876 reichte er das erste Patent für
ein "Räderschaltwerk" ein, schon 1878 wurden über 700
verschiedene Modelle gefertigt. Aber das lag daran, das landwirtschaftliche Geräte
damals eben nach Kundenwunsch zusammengebaut wurden. Vieles waren Unikate. Ab
den 80er Jahren vertrieb er amerikanische Erntemaschinen, bald fing er an selbst
im industriellen Maßstab zu fertigen. Schon 1891 kam die Eisengiesserei in
Stockach hinzu. Die Vision war damals 1900: So war auch der Arbeitstitel des
Fabrikneubaus in Gottmadingen, der in den Folgejahren immer weiter vergrössert
wurde. 1911 wurde aus dem Familienunternehmen eine Aktiengesellschaft und blieb
doch ein Familien-Aktiengesellschaft.
Die beiden
Weltkriege brachte empfindliche Einschnitte, obwohl hier zum Teil Kriegsgerät
produziert wurde, als Friedrichshafen ausgebombt war. Eine erste Kooperation mit
KRUPP scheiterte schnell zwischen den Kriegen, wegen Qualitätsproblemen der
Waffenschmiede bei Zivilprodukten. Schon bald nach dem 2. Weltkrieg wurden
Erntemaschinen für die franzöischen Besatzer gebaut, jetzt kamen die
goldenen Jahre, bald wagte man den Sprung nach Argentinien. Und fiel auf die
Nase. Durch den Umsturz in Argentinien ging die Tochtergesellschaft sozusagen "verloren",
ein Abenteuer, das Millionen kostete. Bis 1962 war Fahr eine reine
Familienaktiengesellschaft, doch dann stieg Klöckner-Humbold-Deutz mit ins
Boot.
Die Kooperation mit KHD bedeutete schon damals, dass die erst
1938 aufgenommene Schlepperproduktion Mitte der 60er Jahre "geopfert"
werden musste, der besseren Erträge mit straffer Produktionslinie wegen.
1961 sollte der Kreiselheuer zum großen Erfolgsmodell werden, Versuche,
auch ein Auto in Gottmadingen zu produzieren. Scheiterten indess. Das "Fahr-Mobil"
gab es nur als Prototyp. Zum 100jährigen Bestehen bröckelte der Glanz
des Unternehmens bereits. 1973 schied das letzte Mitglied der Familie Fahr mit
Helmut Fahr aus.
Aus heutiger Sicht war der 1975 mit KHD geschlossene "Vertrag
über die Beherrschung und Gewinnabführung" das Todesurteil von "üser
Fabrik" sein. 1988 äusserte KHD seinen Willen, das Ende von Fahr. Die
Nachfolgegesellschaft "Greenland" hielt den Landmaschinenbau in
Gottmadingen aufrecht, vor einem Jahr verschwand dieses Unternehmen von der
Bildfläche und wurde durch das Norwegische Unternehmen "Kverneland"
übernommen. Seit 1988 gab es hier keine schwarzen Zahlen mehr. Die zu
bekommen, ist derzeit die Chance der hier noch beschäftigten Mitarbeiter
auf einen Arbeitsplatz für die nähere Zukunft.
Oliver
Fiedler
|
|
|

|

Es war der Traum vom eigenen
Unternehmen und der Wunsch, endlich mit seiner Familie auf einen grünen
zwei zu kommen, die Johann Georg Fahr I. dazu antrieb, sich in Singen nach einem
Standort für den Bau von Landmaschinen umzusehen. Doch Fahr landete in
seinem Geburtsort Gottmadingen, er konnte die Neumühle günstig
ersteigern und 1870 hatte er zwar 350000 Franken Schulden, aber ein eigenes
Unternehmen und eine Perspektive, die im seine Anstellung in einer mechanischen
Werkstätte in Schaffhausen nicht gab.

Blättern
| |