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Harvard
am Bodensee blieb immer ein Traum
Einen Mitstreiter hatte er von Anbeginn,
den Singener Oberbürgermeister Theopont Diez, der bis 1972 auch
Landtagsabgeordneter war. Als die Universität 1972 führungslos vor dem
völligen Scheitern des Reformkonzepts stand, führte Diez als "Staatskommissar"
in ruherige Gewässer. Diez war wie Kiesinger von einer historischen
Dimension getrieben: 500 Jahre hatte es keine Universitätsgründungen
mehr im Südwesten gegeben.
Mit Konstanz
wurde einer alten Metropole im Heiligen römischen Reich deutscher Nation
wieder der nötige Stellenwert zuerkannt. Bei der Grundsteinlegung machte
Kiesinger am 21. Juni 1966 nochmals deutlich, dass hier eine Reformuniversität
als Modell entstehen soll. Andere sprachen schon von Klein-Harvard am Bodensee.
Das Wort von der "Eliteuniversität" machte Schule. In Konstanz
sollten Fakultäts-und Fachgrenzen überwunden werden. Der Gründungsbeschluss
von 1961 sollte aber bald in einer fast revolutionären Konfliktlage enden.
Der spätere Rektor Horst Sund, schrieb später, es habe am
Anfang eine enorme Diskrepanz zwischen Erwartung und Ergebnis gegeben. Dennoch
sei viel für die ganze Hochschullandschaft in Deutschland bewirkt worden.
Angefangen hat die Uni im Insel-Hotel, wo der Rektor mit den ersten Doktoranden
residierte. Hier stand die Uni-Bibliothek, die der Sonnenbühl gebaut war.
Da kamen 1968 die ersten Erstsemester an die Uni Konstanz. Das war die absolute
Nähe von Professoren und Studenten. Es gab kleine Fachbereichshäuser,
in den die Büroräume ebenso wie Seminarräume waren. 20 Studenten
in einem Seminar waren durchaus üblich. 1970 begann der Einzug auf dem Gießberg.
Die Uni wuchs. Waren am Anfang 3000 Stunden das Ziel, so waren es bald 6000, die
Höchstzahlen liegen bei 9000 Studierenden. Die Gründungsväter,
zu denen auch Arno Borst gehörte, wollten keine herrschaftliche Architektur
haben. Die Uni sollte ehem Industriebetrieb gleichen. Diesen Gedanken nahm auch
mannigfaltig die Kunst am Bau auf. Die großen Männer der ersten
Stunde waren die Freunde Waldemar Besson und Ralph Dahrendorf. Der Konservative
und der Liberale wollten gesellschaftliche Perspektive neu definieren. Bessons
Tod im Jahr 1971 war ein Schock an der jungen Universität.
Ein
Vermittler zwischen Uni und Welt draußen fehlte plötzlich. Gründungsrektor
Gerhard Hess, der auf Lebenszeit eingesetzt war, legte 1971 sein Amt nach der Häufung
härtester politischer Konflikte nieder. Sein späterer Nachfolger Bernd
Rüthers erinnert sich: Die später als verfassungswidrig erklärte
Drittel-Parität in den Universitätsgremien gehörte zu den Gründungs-Essentials.
Daraus wurde eine Volksfront-Koalition an der Uni. Sozialdemokraten und
Spartakus stellten den neuen Rektor. Bei Personalfragen wurden, so Rüthers,
"vorformulierte Fragenkataloge kommunistischer Gruppen zur Gesinnung der
Bewerber" in öffentlicher Befragung an der Union durch einen liberalen
Dekan zugelassen. "Berufsverbote" gegen Kommunisten waren das große
Thema an der Uni. Parallel gelangte es aber einer breiten Front von Junger
Union, Studentengemeinden, Liberalen und Sozialdemokraten in Urabstimmung den
ersten deutschen SDS-Asta wegen Untätigkeit abwählen zu lassen.
Der Kampf um den richtigen politischen Weg der Linken mündete in
staatliche Eingriffe und den Generalstreik an der Uni. Die Polizei war ständig
auf dem Campus. Die Provokation wurde zum Alltagsgeschäft. In dieser
Situation trat Theopont Diez 1972 an, um den Karren wieder frei zu machen. Er
schaffte es, weil er den offenen Dialog mit allen Gruppen führen konnte.
Als Präsident der Freunde der Universität arbeitet er zeitlebens an
der Verzahnung der Union mit der Region. Die Uni war als idelogische Spielwiese
ins nächste Jahrtausend gescheitert. Als Bildungseinrichtung bekommt sie
beste Noten. Zwei Modelle konnten sich nie richtig durchsetzen: Die eingliedrige
Juristenausbildung und die Schaffung der Verwaltungswissenschaftler. Der 68er
Wirbel hatte hier vieles auch durcheinandergebracht. Spannend war es damals
allemal, in Konstanz zu studieren.
Hans Paul Lichtwald
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Vor 40 Jahren schrieb der damalige
Ministerpräsident Curth Georg Kiesinger auf dem Singener Tannenberg am
Rande einer Bauernkundgebung dem Konstanzer Landrat Ludwig Seiterich auf einen
Zettel: Wenn weitere Universitätsgründungen im Lande notwendig seien,
werde er Konstanz vorschlagen. Das war am 6. September 1959. Heute weiss man,
dass die Überlegungen bei Kiesinger schon weiter gediehen waren. Diese
Bodensee-Region sollte neue Impulse bekommen, nachdem sie vor allem auch
kulturell immer mehr an den Rand gedrängt war. Ein weiterer Aspekt:
altbadische Unruhen gab es immer noch, die in den Volksentscheid von 1971 mündeten.
Auch da wollte Kiesinger offenbar ein Signal setzen.

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