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Drogentote
erschüttern Hegau
Die Zahl der Drogentoten explodierte.
Bundesweit sorgte ein Doppelselbstmord 1971 für Furore. Ein Singener
Gymnasiast war ein naturwissenschaftliches Genie. Doch bei den Sprachen haperte
es. So flog er durchs Abitur. Anschließend machte er zusammen mit seiner
Mutter Selbstmord. Er hatte, so später die Erkenntnisse der Polizei, in
seiner nicht gebrauchten Garage LSD industriemäßig hergestellt.
Selbst die Banderolen hatte er sich drucken lassen! Labors waren in den 70er
Jahren gefragt.
Im Pestalozzi-Kinderdorf wurde im Labor ausgebildet.
Einer mißbrauchte dies. Die Folge war eine Todesspur durch den Landkreis.
Das Stockacher Jugendhaus stand genauso unter Druck. Der Versuch, die
Mitarbeiter für die Alltagsarbeit zu schulen und auszubilden, scheiterte jämmerlich.
Zwei in cognito tätigen Mitarbeitern des Kreisjugendrings waren Drogen in
den Tabak zum Selbstdrehen gemischt worden. Immer wieder dienten Lokale den
Drogenkings als Verteiler. Meist ging es zwei Jahre gut, dann traten die Wirte
die Flucht an.
Der "Sound" in der Singener Wohnstraße "Am
Graben" in der Nordstadt brachte den Höhepunkt. Hier trafen sich die
Bosse, wenn die Scheffelhalle bei Pop-Veranstaltungen Dealer-Bühne war.
Auch hier hat der Jugendwohlfahrtsausschuß einen Riegel vorgeschoben. Er
beschloss, die eigenen Dealer reichten, da brauchte man nicht auch noch die überregionale
Konkurrenz anlocken. Schwer tat sich die Justiz mit der neuen Drogenwelle.
Bagetellfälle von professionellem Einstieg zu unterscheiden, war schwer.
Bald gab es Billig-Urteile für Ersttäter, denn der Richter wusste
genau dass seine "Kunden" wiederkommen würden, wenn die
Erststrafe nicht fruchtete. Mit den Jahren wurde die Drogenszene immer
professioneller. Der "Stoff", vor allem Heroin wurde gleichbleibend "gut".
Eine Überdosis wurde seltener. Vieles verzog sich in den privaten Bereich
und entzog sich damit auch der Polizei. Gestolpert ist über die Drogenszene
im Kreis der frühere Konstanzer Polizeioberrat Hans Stather. Er trägt
zurecht den Alefanz-Orden, doch bei den Drogen war eine Grenze erreicht. Es
macht sich auch in Stuttgart nicht gut, wenn im Kreis Konstanz die
Drogenkonsumenten wie die Fliegen umfallen. . .
-li-
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1973 wurde in Singen das Haus der
Jugend im März eingeweiht. Nach dem Sommer musste es wegen einer dort wütenden
unkontrollierten Drogenszene geschlossen werden. Getan hat dies der
Verwaltungsausschuss für den Jugendtreffpunkt, ein Unterausschuss des
Jugendwohlfahrtsausschusses. Vorsitzender damals: Singens Bürgermeister Günter
Neurohr. Die Stadtjugendring-Vertreter hatten den entscheidenden Antrag
gestellt: "Sollte die Stadtverwaltung die Schließung des Hauses der
Jugend vorhaben, so solle sie es sofort tun!" Die Mitglieder des
Ausschusses vollzogen den Beschluss eigenhändig. Konsequenz: Am Abend
besetzte die Polizei das Haus der Jugend, um es gegen Besetzungen zu schützen.
Einen Tag später gab es eine Demonstration der Ausgesperrten auf dem
City-Treff. Es war eine Mischung aus Drogenszene und Zuhälterei, die hier
das Wort ergriff. Der Drogenstrich war in Singen erstmals Realität
geworden.

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