Das Ende
des Landkreis Stockach - ein Rückblick
Wesentlicher Teil dieses Reformpakets
war die Überprüfung der damals noch 63 Landkreise in Baden-Württemberg
auf ihre Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Damit
verbunden war die Konsequenz, und das eigentliche Reformziel, die Zahl der
Landkreise zu dezimieren. Der Kreis Stockach war mit 53000 Einwohnern einer der
kleinsten im Land. Er hatte zudem einen topographisch auffälligen Zuschnitt
und reichte bekanntlich von Steisslingen und dem jetzigen Singener Stadtteil
Beuren bis nach Stetten am Kalten Markt.
Stockach mit
seinen damals 6500 Einwohnern war die kleinste Kreisstadt. Damit war schnell
erkennbar, den Kreis Stockach wird es nach der Kreisreform in diesem Zuschnitt
nicht mehr geben. Diese Reformabsichten der Landesregierung und des Landtags
wurden wurden damals in Stockach mit großer Skepsis und mit Besorgnis
aufgenommen. Zweifel an der Notwendigkeit von so großen Reformen und der
Widerstand gegen diese Veränderungen erfassten die Kommunalpolitiker. Die
Angst, zu den Verlierern einer solchen Reform zu werden, ging um.
Der
Kreistag fasste sogar eine Entschließung, und stellte darin fest "der
Landkreis Stockach hat bisher seine Leistungsfähigkeit und
Lebensberechtigung erwiesen." Der Altkreis Stockach stand vor dem Baubeginn
eines neuen Landratsamts in der Kreisstadt Stockach. Der damalige Landrat
Freiherr von Gleichenstein und der ehemalige Bürgermeister Dr. Alois Deufel
sahen in dem Neubau eine Chance, Kreissitz eines neuen, größeren
Landkreises zu werden mit einem so stattlichen Verwaltungsgebäude und
begannen mit dem Bau des geplanten Landratsamts. In diese Zeit hinein, im Herbst
1969, wurde ich zum neuen Bürgermeister der Stadt Stockach gewählt.
Das Denkmodell von Innenminister Krause über die Neueinteilung der
Landkreise war gerade in der Mache. Mir war bewußt, welch schwierige
Aufgaben und Entscheidungen dem Kreistag, dem Gemeinderat der Stadt Stockach und
mir selbst bevorstanden. Ziel unserer Bemühen in Stockach war es, auf die
Landespolitik Einfluß zu nehmen, die Veränderungen der Kreisgrenzen
so zu gestalten, dass Stockach nicht in eine ungünstige Randlage gedrängt
werden sollte. Außerdem sollte unter den Reformen die Zentralität der
Stadt nicht leiden, sondern sogar noch gestärkt werden. Es begann eine
hektische Zeit der Kontaktaufnahmen nach Osten zum Landkreis Überlingen,
unter der Führung des damaligen Landrats und Landtagsabgeordneten Karl
Schieß.
Im Westen wartete der Landkreis Konstanz, zumindest auf
die Raumschaft Stockach. Die Raumschaft Meßkirch, der zweite Schwerpunkt
im Altkreis Stockach, wurde von Sigmaringen umworben. Der Landkreis Tuttlingen
schielte auf einige Gemeinden, die an der Gemarkung der Stadt Tuttlingen
angrenzten. Bald zeigte sich, dass ein angestrebtes Zusammengehen der Kreise
Stockach und Überlingen nicht erreichbar sein wird und von der anderen
Seite auch gar nicht ernsthaft gewollt war. In Gesprächen wurde dann
versucht, den südlichen Teil des Altkreises möglichst geschlossen in
Richtung Singen-Konstanz einzuordnen. Am 17. Juli 1970 wurde der Vorschlag für
die Neugliederung des Landkreises sowie zur Abgrenzung der Regionen gemacht. Am
6. August forderte der Gemeinderat Stockach von der Landresregierung
Ausgleichsmasnahmen für den Verlust des Kreissitzes.
Der
Verflechtungsbereich zum Umland sollte erhalten bleiben. Im Kreisreformgesetz
wurde der Landkreis Stockach schließlich gevierteilt: Stockach kam mit
seinem natürlichen Umland zum Landkreis Konstanz, Liptingen kam zu
Tuttlingen, Meßkirch nach Sigmaringen und die nördlichste
Kreisgemeinde Hartheim nach Balingen. Neu dazugewonnen wurde vom Landkreis
Sigmaringen die heutige Gemeinde Hohenfels. Die Eingliederung in den neuen
Landkreis Konstanz geschah rasch und Problemlos. Die Kreisreform war - im
Nachinein gesehen - zumindest für den allzukleinen Landkreis Stockach
notwendig und die neuen Zuordnungen haben sich als richtig erwiesen. Stockach
bekam durch die Reform neue Zuständigkeiten, was den Verlust des
Kreissitzes milderte. Die Wirtschafts- und Verwaltungskraft konnte ausgebaut
werden. Das nicht mehr benötigte Landratsamt wurde Sitz der grösser
gewordenen Stadtverwaltung. Die Stadt kam so preiswert zu einem neuen Rathaus.
Von der Landesregierung gab es als Trostpflaster höhere
Zuweisungen für städtische Investitionen. Die in den Kreistag gewählten
Vertreter aus der Raumschaft Stockach haben sich schnell und nachdrücklich
eingebracht. Ich habe mich gleich und erfolgreich um die Position des
Fraktionssprechers bemüht. Die Raumschaft Stockach ist eine anerkannte und
feste Grösse in Kreis Konstanz geworden. Die Kreisreform, die nicht zu
umgehen war, kann für Stockach erfolgreich eingestuft werden. Sie wird sich
behaupten - und weiter entwickeln.
Franz Ziwey, Bürgermeister a.D.
|