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Ein Smiley aus der Sprühdose

Kunstprojekt BSZ
Graffiti zur Schulverschönerung: Schüler der VAB-Klasse am Stockacher Berufsschulzentrum haben zusammen mit Lehrerin Marlies Kreiser und Grafikdesigner Emin Hasirci die Schulmauer am Zweirad- und Fahrradabstellplatz aufgepeppt.swb-Bild: sw

Freches Kunstprojekt mit Graffiti-Schwung am BSZ Stockach

 

Stockach. Ein Smiley grinst fröhlich-optimistisch aus blumigen Flower-Power-Motiven heraus. Die graue, menschliche Silhouette macht mit beiden Händen das »Peace«-Zeichen, und auch das Schullogo hat seinen Platz an der langen Mauer gefunden. Denn: »Ein bisschen Schule muss schon sein«, erklärt eine Schülerin. Sie hat zusammen mit ihren 15– bis 17-jährigen Mitschülern der VAB-Klasse (Vorqualifzierung Arbeit und Beruf) am Stockacher Berufsschulzentrum (BSZ) die lange Mauer hinter dem Schulgebäude mit Sprühdosen, Sprays und Graffiti gründlich aufgepeppt. Zuvor war die Mauer einfach nur blau gewesen, erklärt Kunstlehrerin Marlies Kreiser, während Grafikdesigner Emin Hasirci letzte Verschönerungen anbringt. Der in Heilbronn geborene 35-Jährige hat die Schüler seit Anfang des Schuljahres bei ihrem Kunstprojekt begleitet. 

 

Aus einem Handy fließen Noten, die sich in einem Basket-, einem Tennis- und einem Fußball verlieren: »Macht Sport!«. Ein Fahrrad tingelt durch azurblaue Weiten, und eine Sprühdose spuckt Farbe aus. Besonders clever. Eine Sprühdose - das optimale Graffiti-Motiv. Dabei hatten die Schüler anfangs Bammel. Sie trauten sich nicht so recht an die blaue Mauer heran. Manche fanden die Kunstidee stinklangweilig. Andere meinten, dass dabei sowieso nichts Rechtes herauskommt: »Wir haben das ja nicht mal auf dem Papier hinbekommen. Wie sollte das an der Wand gehen?« Doch Emin Hasirci riss sie mit seinem Schwung mit. Dabei konnten sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Beschränkungen gab es keine. Doch eine! »Schleichwerbung durften wir keine machen.« Damit konnten sie leben. Das Ergebnis passt.

 

Eine riesige Zigarettenschachtel warnt: »Rauchen ist gefährlich.« Das Yin- und Yang-Zeichen schiebt sich raumausgreifend über den Flower-Power-Smiley, und »Make love, not war«, der Klassiker-Hippie-Slogan jener Zeit, erlebt eine Renaissance. Graffiti, die freche, einst revolutionäre, nun etablierte Kunstform, verschafft via Sprühdose einen Zugang zu jungen Menschen, erklärt Emin Hasirci, der zusammen mit Marlies Kreiser den Workshop zum Vermitteln vieler Themen genutzt hat. Raumaufteilung, Bildgestaltung, Farbauftrag, die Schaffung von Licht- und Schatteneffekten, Motivauswahl waren die künstlerische Seite, doch auch klassische Schulfächer wie Deutsch durch die Aufschriften oder Mathematik durch die Flächenberechnung wurden angeschnitten. Seine eigene Biografie mit Hauptschulabschluss, Lehre als Nutzfahrzeugmechaniker, nachgeholter Mittlerer Reife, Akademiebesuch, Weiterbildungen, Studium in Konstanz und selbstständiger Tätigkeit nutzte er, um mit den jungen Erwachsenen Fragen der Berufswahl anzustoßen. Auch den Unterschied von erlaubtem und illegalem Graffiti hat er thematisiert. So ist aus der anfänglichen Skepsis Spaß geworden, erklärt Marlies Kreiser. Ach ja, und das Schullogo an der Mauer haben die Schüler ganz freiwillig angebracht. Ohne Druck von Lehrerseite. Behaupten sie. Und schauen sich »ihre« Mauer zufrieden an.

Wochenblatt Redakteur @: Simone Weiß