- Anzeige -

Kreisgrüne wählen Martin Schmeding als Bundestagskandidat

Zu den ersten Gratulanten für Martin Schmeding gehörten die Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger und Nese Erikli.
Zu den ersten Gratulanten für Martin Schmeding gehörten die Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger und Nese Erikli. swb-Bild: of

Vier Bewerber standen zur Wahl / 45 Mitglieder in der Versammlung

Allensbach (of). 45 der rund 280 Mitglieder des Kreisverbands der Grünen waren am Mittwochabend im Allensbacher Pfarrheim zusammen gekommen, um ihren Bundestagwahl-Kandidaten zu küren. Und sie hatten die Wahl, denn mit Herbert Bruttel, Michael Lindner, Jakob Mangos und Martin Schmeding gab es gleich vier Bewerber, die sich im Vorfeld angemeldet hatten. Nach fast zwei Stunden Vorstellung und Diskussionsrunde war die Wahl dann aber recht eindeutig gefallen. Auf Martin Schmeding aus Singen entfielen 35 Stimmen, Jakob Mangos bekam 5 Stimmen, zwei Stimmen entfielen auf Herbert Bruttel und Michael Lindner bekam eine Stimme.

Herbert Bruttel (55), Softwareentwickler aus Radolfzell war erst im Juni in den Kreisverband der Grünen eingetreten und schon mal drei Jahre bei der CDU dabei gewesen. Er bekannte, dass seine Kandidatur nur den Zweck habe sein privates Projekt zum Thema „Homo Sapiens“ bekannter zu machen. Seiner Meinung nach habe der Mensch sieben Systemfehler, die man aber korrigieren könne. Er wolle zum Beispiel in seinem System allen Beschäftigungslosen Beschäftigung verschaffen, nach seinem Modell sogar kostenneutral: er wolle ein bedingtes Grundeinkommen umsetzen. Arbeit müsse dafür nur neu definiert werden. Er wolle bei Finanzen, Waffen und Umwelt eine Gleichheit durchsetzen. Man werde gar zur neuen Volkspartei.

Michael Lindner (54), der in den letzten Jahren in Rumänien lebte und inzwischen als Selbständiger wieder nach Allensbach zurückkehrte, wie er sagte. War im Januar den Grünen beigetreten um nach seinen Worten Nese Erikli in ihrem Wahlkampf zu unterstützen. Er rechnete sich Chancen aus, dass die Grünen hier im Kreis durchaus ein Direktmandat erringen könnten. Die CDU habe zwar bei der letzten Bundestagswahl über 50 Prozent erreicht, bei der Landtagswahl sei es nur noch die Hälfte gewesen, Nese Erikli und Dorothea Wehinger hätten zusammen 47.000 Stimmen geholt, jetzt könne man auch 50.000 Stimmen bekommen, zeigte er sich optimistisch. Er votierte für Winfried Kretschmann als künftigen Bundespräsidenten und Theresia Bauer als Nachfolgerin im Ministerpräsidentenamt im Land. Ziel solle sein, die größte Bundestagsfraktion zu stellen um sich den Koalitionspartner auszusuchen.

Jakob Mangos (19) aus Freiburg, Student der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Konstanz, der erst seit September hier wohnt, nannte das Thema Mobilität als ein Steckenpferd und lobte erst mal, wie der ÖPNV in Konstanz organisiert sei. Wichtig sei für ihn erstmal Grüne Politik zu definieren, als schon jetzt auf Koalitionspartner zu schielen. Viele Menschen, auch Kinder, seien von Armut geprägt, Arbeiterkinder bräuchten mehr Chancengleichheit, universitäre Bildung solle komplett kostenlos gemacht werden.- Die Ablehnung von CETA und TTIP, ein Votum für den Klimawandel waren weitere Punkte seiner Vorstellung.

Martin Schmeding (45), Dozent der Erwachsenenbildung im Rechnungswesen, der 1990 den Grünen in Göttingen beigetreten war, und auch eine kurze Zeit hauptamtlich für die Grünen tätig gewesen sei, ist nach eigenen Angaben seit kurzem in Singen bei den Grünen und war dort in der Initiative gegen das ECE-Shoppingcenter aktiv gewesen. Klar positionierte er sich gegen eine Einwanderungsbeschränkung, für ein Exportverbot deutscher Waffen verbunden mit der Forderung nach mehr Friedenseinsatz durch Deutschland. In Finanz-und Wirtschaftspolitischen Themen will er seinen Schwerpunkt setzen. Diskutiert werden müsste darüber, wie man eine Vermögenssteuer wieder einführe. Ein besserer Bahnverkehr wie täglicher Anschluss an den Intercity will er durchsetzen. Das kürzlich verabschiedete Fracking Gesetz ist für ihn eine Mogelpackung. Ein Grüner Bundestagsabgeordneter könne sich verstärkt für eine regionale Energiewende einsetzen, betonte er. Die Grünen müssten sich auch plakativer im Fluglärmstreit beim Flughafen Zürich positionieren. Die Abschaltung der Schweizer Kernkraftwerke forderte er in seiner Rede. Die Grünen sollten vor allem nicht nochmals die Fehler des Wahlkampfs von 2013 wiederholen. Ein Grund, weshalb er bei denen Grünen sei, wäre wie Wahrung der Schöpfung. Deshalb sei er auch eine klarer Gegner von Gentechnik wie die transatlantischen Abkommen TTIP, CETA. Er werde auch nicht das Band bei der Einweihung der B33 mit durchschneiden, antwortete er auf eine Frage aus dem Publikum.

Beklagt wurde in der Fragerunde durch Peter Teubner, dass nur einer der Kandidaten sich überhaupt zu Region hier geäußert habe. Da gab es noch einen kleinen Nachschlag von drei Kandidaten. Eberhard Röhm fragte zur Position gegenüber der AfD nach: dass man sich auseinandersetzen müsse mit den Kandidaten war die Antwort.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler