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* Mittwoch, den 7. Mai 2008

Gestatten: Einstein mein Name

Fri-Wö Schüler mit Dürrenmatts "Die Physiker"

Singen (frö). Sind die Normalen verrückt? Ist das Verrückte schon Normalität geworden? Draußen im Foyer hospitalisieren die Rotgekleideten, verwirren die Zuschauer, weichen Grenzen auf. Dürrenmatts "Die Physiker", da haben Nicola Fritsch und Folkmar Metz als Regisseure schon Mut bewiesen, denn psychisch Kranke leben immer noch am Rande der Gesellschaft, ihr Dasein, erst recht ihr Krankheitsbild gelten als tabuisiert. Auf der Bühne ein spartanisches Bühnenbild, Stühle und ein Tisch, ebenfalls in Rot. Aggressionen sind Thema, es wird gemordet werden, ohne dass Dürrenmatt dabei dem Publikum einen moralischen Zeigefinger vorhält. Die Atombombe wurde gebaut, Geschrei, Angst greift um sich. Doch Entwarnung: In der Bombe ist nur Hühnerdreck. In der Anstalt wurde eine Schwester erdrosselt, es regieren die ddrei Physiker, einer nennt sich Salomo, Newton und Einstein die anderen. Sie haben in ihrem Wahn das Recht zu töten, ihr Irrsinn rechtfertigt sogar Mord. Das hat etwas Heiteres. Weiber sind nur noch Nebensache. Die einzige die sich behaupten kann ist die Leiterin der Anstalt. Sie hat die Klinik geerbt, im Grunde fügt sie sich in das Spiel ihrer Patienten. Sie ist selber irre genug. Die Polizei kommt zur Untersuchung. Soll man die Mörder einsperren? Sie sind es doch ohnehin schon. Hier stellt sich die Kardinalsfrage nach dem Versagen der Medizin. Möbius alias Salomo kommt, er hat einen starken Auftritt seine Frau besucht ihn mit den drei Kindern, der Neue ist ein Pfaffe, wieder ein komischer Einfall Dürrenmatts. Philosoph müsste man werden, das würde das Leben vielleicht etwas erträglicher machen. Oder die Gestirne begreifen, Sonne und Sirius in einem System erkennen. Was ist Wahrheit, was ist Wut? Ist Möbius krank? Oder ist er vielleicht doch zur Liebe fähig? Was bedeutet die Liebe für einen GGeisteskranken? Kann er Kinder haben? Dürrenmatt stellt elementare Fragen, ohne dafürt fertige Antworten parat zu haben. Spott und Gelächter muss man sich gefallen lassen, der Kardinalsweg führt aus der Anstalt hinaus. "Gestatten, mein Name ist Einstein". Die Pfleger entsprechen ganz dem Klischee, gekleidet wie Body Guards, mit Springerstiefeln verbreiten sie Angst und Schrecken. Was bedeutet Gerechtigkeit, ist eine der zentralen Fragen des Stücks. Sie kann anstrengen, das ist ein ganz und gar abstruser Gedanke Dürrenmatts, dennoch schlüssig. Die Bewohner der Anstalt werden paranoid, wenn sie es nicht schon sind. Newton will raus, er beginnt zu kämpfen. Doch letztlich bedrohen sich die Insassen gegenseitig. Die Weltformel ist gefunden, was gibt es noch zu tun? Es muss ein System aller möglichen Erfindungen geben. Verantwortung tragen, das ist auch Sache der Wissenschaft. Was geschieht mit den Erfindungen, was geschieht mit der Atombombe? Im Grunde muss die Politik der Wissenschaft aus der Hand fressen. Möbius hat alles seine Arbeiten verbrannt, Chefin Mathilde von Zahnd hat alles gerettet. Die Beiden (Imke Funke und Isabelle Zinsmaier) tragen das Stück und spielen ihre Rollen mit Glanz und Bravour, bis an die Grenzen des körperlich Machbaren. "Nur im Irrenhaus sind wir frei", diese Parole bildet den Schlussakkord eines furiosen Spiels. Narren können das Geheimnis der Wissenschaft bewahren. Sind wir nun normal? Oder verrückt? Merken wir es überhaupt? Reichlich Fragen bekommen wir mit auf den Weg, eine Antwort lautet auf die Sinnlosigkeit von Kriegen und Waffen. Bravo!

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