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Mittwoch, den 7. Mai 2008
Mindestlohn für die Familie Arm trotz Arbeit ist Herausforderung für Zukunft
Singen (li). Die Diskussion über den Mindestlohn hat den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der evangelischen Kirche in diesem Jahr im hiesigen Dekanat beschäftigt. Bei der abschließenden Diskussion im Luther-Saal in Singen setzte Udo Engelhardt, der Vorsitzende der Tafel, den Akzent: Man solle lieber über das Mindesteinkommen reden. Denn das gilt nicht für eine Person sondern für die ganze Familie. Kinderarmut ist längst sein Thema. Pfarrer Paul Wassmer zog sein Fazit aus Kirchensicht: Wo es möglich sei, sollten die Gewerkschaften Mindestlöhne abschließen. Wo dies nicht möglich sei, müsse der Staat diese festlegen. Pfarrer Wassmer wandte sich gegen Geiz ist geil: Die Qualität der Arbeit müsse entscheiden. Eine der Erkenntnisse der Betriebsbesuche komme von Cowa in Gottmadingen. Der Mindestlohn werde hier von allen akzeptiert. Er schütze vor der Konkurrenz aus Osteuropa und sichere hier Arbeitsplätze. Umgekehrt sei es bei den Postzustellern. Pfarrer Wassmer fragte, ob es 9.80 Euro brauche, um sich die unliebsame Konkurrenz vom Leib zu halten. Gehe es um die soziale Absicherung der Menschen nach unten oder um die Regulierung des Marktes. Angesprochen war im Podium Südkurier-Chefredakteur Thomas Satinsky, der meinte, er sei Journalist und habe mit den verlegerischen Tätigkeiten nichts zu tun. Wassmer hatte klare Perspektiven angeprangert: Jeder Fünfte in Deutschland lebe im Niedriglohnbereich, bei den erfolgreichen Studenten spreche man von der Praktikantengeneration. Die Leitung der Diskussion hatte Pfarrer Wolfgang Schmidt, dem dies immer wieder von Satinsky abgenommen wurde. Der hatte eine ganz neue Position zu bieten: Hartz IV sei ja schon eine Art Niedriglohn. Handwerkskammer-Geschäftsführer Manfred Wolfensperger setzte bei Berliner Handwerksbetrieben an, die zu 66 Prozent mit Mindestlöhnen zufrieden seien. Da sei die Konkurrenz aus dem Osten das Problem. Gut 40 Prozent wären es aber auch bei uns. Für ihn ist die Schwarzarbeit das Problem: Da mache einer ein Geschäft als Fliesenleger auf und ziehe dann den ganzen Bau hoch. Udo Engelhardt machte deutlich, dass die Treppe nach oben nur wenige schaffen würden. Langzeitarbeitslose hätten nur über Zeitarbeitsfirmen eine Chance. Acht Euro sei die Pfändungsgrenze. Ob dies die Marke für einen Mindestlohn sei, fragte Engelhardt. Markus Sonnenschein von der NGG sprach über den Wert der Arbeit. Er ist für Mindestlöhne, kann sie aber bei den Bäckern wie in der Gastronomie nicht durchsetzen: Wolfensperper feixte: Wenn er den Organisationsgrand dafür nicht habe . . . Cowa-Betriebsrätin Sandra Schneider war zufrieden: Jetzt müsse auch jede Arbeitsstunde gezahlt werden. Und die Ziele? Schneider hat für ihre Frauen 10 Euro als Mindestlohn im Visier. Zeitgleich wird geschwiegen, wenn bei Woolworth 8.50 Euro über Kündigungen die neue Marke sein werden. Bisher waren es 12,50 Euro im Einzelhandel.
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