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Mittwoch, den 7. Mai 2008
"Die Predigt der Steine" Radolfzeller Schülerinnen geben Christuskirche ein
Radolfzell (aj). Der Gottesdienst am Pfingstsonntag in der Christuskirche wird in einem besonderen Ambiente stattfinden. Denn der Kirchenraum wurde von zwei jungen Gemeindemitgliedern umgestaltet. Elisabeth Koblitz und ihre Freundin Margarete Neumüller, beide 17 Jahre alt und beide Schülerinnen in der 11. Klasse am Friedrich-Hecker-Gymnasium, sind seit Montag dabei dem Raum ein neues Gesicht zu geben. Die Innenraumgestaltung ist Teil eines Projektes, an dem die beiden Schülerinnen teilnehmen. Anfang des Schuljahres 2007/2008 hatte ihre Religionslehrerin im Unterricht den Wettbewerb "Christentum und Kultur" vorgestellt. Mit dem Wettbewerb wollen die katholischen und evangelischen Kirchen in Baden-Württemberg im Einvernehmen mit dem Kultusministerium Schüler der 11. und 12. Klasse anregen, den Zusammenhang von Christentum und Kultur eigenständig zu erarbeiten. Eine Teilnahme kann als "besondere Lernleistung" in die Abitursqualifikation eingebracht werden. Die beiden Schülerinnen fühlten sich vom Projekt sofort angesprochen. Nach gründlicher Auseinandersetzung mit den Projektinhalten, wählten sie ihr Thema selbstständig aus. Sie entschieden sich dafür, den Themenvorschlag "Die Predigt der Steine" aufzugreifen, der die Architektur und Theologie des Kirchenbaus zum Inhalt hat. Denn Elisabeth Koblitz und Margarete Neumüller erinnerten sich an ihre Konfirmationszeit und daran, wie sie sich über den eintönigen Innenraum der Christuskirche beklagten. Immer, wenn sie in der Kirche gesessen und die "Schwimmbadkacheln" an den der Altarwand zu zählen versucht hätten, hätten sie sich in der "endlosen Aneinanderreihung der Steine verloren" und gedacht: "Da muss doch irgendwann einer auf die Idee kommen, dem Betonklotz etwas mehr Farbe, mehr Leben einzuhauchen". Warum können wir nicht dieser jemand sein? fragten sich die beiden Freundinnen und stellten im vergangenen November dem Ältestenrat der Christuskirche ihre Ideen und Pläne vor - und stießen auf offene Ohren. Da von Seiten der Kirche nicht mit finanzieller Unterstützung zu rechnen war, galt es für die Projektumsetzung ausreichend Sponsoren zu finden, viel Kuchen zu verkaufen und die Ideen an die vorhandenen finanziellen Mitteln anzupassen. Das ist geglückt. Dank einer gratis zur Verfügung gestellten Hebebühne bringen Elisabeth und Marianne seit Montag farbige Stoffschals vor der Altarwand an. Gemeinsam mit Steinekünstler Sepp Bögle werden Steinwege realisiert, die in die Kirche führen. Zusätzlich ist eine "Gedenkecke" geplant, die durch Paravents abgetrennt ein stiller Ort der Geborgenheit, des Rückzugs und des Nachdenkens sein soll. Fotos von Steinen und eine Aufnahme der alten evangelischen Kirche sollen dem kahlen Eingangsbereich zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Die beiden Schülerinnen sind gespannt, wie die Gottesdienstbesucher den "neuen" Kircheraum aufnehmen. Um sich damit auseinandersetzen zu können, findet das Kirchencafe nach dem Gottesdienst in der Kirche statt; mittels Fragebogen wollen Elisabeth Koblitz und Margarete Neumüller herausfinden wie ihre Gestaltung ankommt. Auch an den beiden folgenden Sonntagen kann der neu gestaltete Raum entdeckt werden. Nach diesem praktischen Teil des Projektes geht es für die beiden Radolfzeller Schülerinnen weiter. Sie werden die Geschichte der Christuskirche recherchieren, eine umfangreiche Projektdokumentation erstellen und eine Präsentation vorbereiten, die sie am 18. September in Karlsruhe einer Jury präsentieren werden. 
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