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Doppelter
Landrat
Kreis
Konstanz (li). Das Jahr 1998 war
im Kreistag von neuem Rollenverständnis geprägt: Angesichts
großer Probleme auf vielen Feldern rückten die Kreisräte
näher zusammen. Und das war angesichts mancher Peitschenhiebe
schon notwendig. Erst war die Kasse leer. Die Bürgermeister
im Kreistag mußten die schwierige Frage beantworten, ob
ihnen das Hemd nicht doch näher als der Rock ist. Am Ende
gab es doch noch einen Kreishaushalt, vor allem die SPD stand
zu Landrat Frank Hämmerle, der damit auch einen neuen Politik-Stil
im Kreis entwickelt hatte. Der Müll erhitzte vorher und nachher
die Gemüter. Die Abfall-Kommission leistete ganze Arbeit
unter Leitung von Franz Ziwey. Und da gelang der Brückenschlag
zwischen allen politischen Lagern von Helmut Kennerknecht über
Sigurd Gawron bis zu zu Wildtrud Baumeister, die ungeahnte Realo-Qualitäten
gezeigt hat. Doch der thematische Faden riß nie mehr ab
im Kreistag: Der Öffentliche Personennahverkehr ist rechtlich
so verschachtelt wie die Hegau-Kreislaufwirtschaft, die Träger
von Storzeln werden sollte. Der neue Landrat hat damit Probleme:
Frank Hämmerle will in allen Bereichen klare Verhältnisse
haben. Er will wissen, wieviel ihm was maximal kosten kann. Das
will auch der Kreistag so. Deshalb gibt es zum Jahresende 1998
immer noch mehr Fragen als Antworten. Gespannt warten alle auf
den Abschluß des Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft
gegen Helmut Schriewer, dem früheren Geschäftsführer
des Kompostwerks. Ein Teil des Kreisrats erwartet immer noch Hinweise,
daß Aufsichtsratsmitglieder falsch gehandelt hätten.
Das weiß auch der frühere Landrat Dr. Robert Maus.
Dieser startete beim Singener Nachbarschaftswein einen Entlastungsangriff:
Gift versprühen würden ja nur die Kreisräte, die
schon früher die wichtigen Beschlüsse nicht mitgetragen
hätten. Das seien die ewigen Verlierer. Doch auch im Lager
von Dr. Maus, der eine sehr stabile Landrats-Mehrheit"
im Kreis hatte (CDU und Teil der Freien Wähler), werden verstärkt
Fragezeichen gesetzt. Dr. Maus war der Landkreis. Und selbst seine
Haushaltspläne setzten er und sein Führungskreis redegewandt
durch. Dr. Maus sagt heute, der Kreistag habe doch alle Verträge
beschlossen. Doch die Zahl der Kreisräte steigt, die mit
Schrecken sieht, was so alles abgesegnet wurde. Das soll nie mehr
passieren, ist ein Schwur, den viele notfalls auch im stillen
Kämmerlein geleistet haben. Weil dies durch nahezu alle Fraktionen
hindurchgeht, ist das enge Zusammenrücken verständlich:
In alten Wunden herumzustochern bringt nichts! Um so honoriger
ist es, wenn CDU-Fraktionsvorsitzender Franz Moser die Hegau-Kreislaufwirtschaft
im Regen stehen läßt. Er stand wie ein Fels für
die Politik Maus. Er verkämpfte sich für Storzeln und
riß damit Gräben in seine Gemeinde. Seine Ausstiegsrede
war im Kreistag einer der bewegendsten Momente des Jahres. Schwer
hat es Frank Hämmerle im Amt: Der doppelte Landrat ist allgegenwärtig.
Und mit diesem großen Schatten muß er fertigwerden.
Keine Einweihungsfeier ohne den doppelten Landrat",
keine Bilanz ohne die Frage, wie sehr damit der Vorgänger
getroffen wird. Führende Vertreter von CDU und Freien Wählern
im Kreistag sind jahrzehntelange Freunde von Dr. Maus. Da tut
man sich mit manchen Formulierungen schwer. Nicht so die SPD:
Sie hat sich von der Landratswahl schnell erholt gehabt und steigt
jetzt ballastfrei in die Debatten ein.
Hans Paul Lichtwald

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